Weil am Rhein Es kann weitergehen

Die Rathauserweiterung wird deutlich teurer. Der Gemeinderat hat nach langer Diskussion zugestimmt. Foto: zVg/Blocher Partners

Weil am Rhein - Gegen die Stimmen von Freie Wähler und SPD hat der Gemeinderat am Dienstagabend mit knapper Mehrheit der Erhöhung der Baufreigabe für die Rathauserweiterung zugestimmt. Die Verärgerung über Mehrkosten von mehr als fünf Millionen Euro herrschte bei allen Fraktionen und auch der Verwaltung. Geprüft wird, ob ein bislang in Weil noch nicht praktiziertes Generalunternehmermodell noch zum Zug kommt, um Preissicherheit zu bekommen.

Nach mehr als zwei Dutzend Wortbeiträgen, Zwischenapplaus von den vollen Zuhörerbänken und einer von den Grünen gewünschten Beratungspause gegen 22 Uhr stand fest: Die Planung für die Rathauserweiterung kann voran getrieben werden, womit der Baubeginn für März 2020 und die Fertigstellung Ende 2021 als Termine Bestand haben. Neu wird nun aber mit rund 21,75 Millionen Euro an Kosten für das Bauprojekt der Stadt gerechnet.

„Wir sind gewählt“

Gerungen wurde im Gemeinderat zum Abschluss darum, ob die noch im Amt befindlichen Ratsmitglieder den deutlichen Mehrkosten zustimmen sollen, oder ob nicht noch einige Monate lang weitere Details analysiert werden sollen und der neu zusammengesetzte Gemeinderat dann die Entscheidung trifft. Mit diesem Antrag scheiterten SPD-Fraktionschef Johannes Foege und UFW-Fraktionschef Dieter Müller jedoch, da nicht nur die CDU und die FDP der Verwaltungs-Beschlussvorlage und der damit verbundenen Mittelfreigabe folgten, sondern auch die Grünen. „Wir sind gewählt für die ganze Legislaturperiode“, hatte zwischenzeitlich die scheidende Grünen-Stadträtin Ingrid Pross unterstrichen, woraufhin sie Applaus von einigen der zahlreichen im Publikum sitzenden Rathaus-Mitarbeiter erhielt.

100 000 Euro pro Monat

Auf die finanziellen Folgen einer späteren Zustimmung hatte außerdem zuvor Gebäudemanagement-Amtsleiter Claudio Bergermann hingewiesen. „Jeder Monat Umplanung kostet zirka 100 000 Euro“, verwies er auf die allgemeinen Baupreissteigerungen, die bei einer Verzögerung zu beachten seien.

Um Preissicherheit zu bekommen, will die Verwaltung nun aber ein Generalunternehmermodell prüfen, was in der gesamten Amtszeit von OB Wolfgang Dietz bisher noch nicht praktiziert wurde. So gebe es zwar die Vorteile der Kostensicherheit vor Baubeginn und eine Terminsicherheit sowie eine Vereinfachung der Schnittstellenthematik. Doch gleichzeitig setze es voraus, dass keine wesentlichen Änderungen nach der Generalunternehmer-Beauftragung mehr erfolgen. Ob es unterm Strich außerdem günstiger ist, stehe auch nicht fest. Das Modell sei kritisch zu betrachten.

Kesselhaus und Sparkasse

Das Kesselhaus-Areal und die Sparkassen-Hauptstelle als Provisorien für Rathausmitarbeiter-Arbeitsplätze, wie von Eugen Katzenstein (UFW) und Johannes Foege (SPD) ins Gespräch gebracht, sieht Erster Bürgermeister Christoph Huber als keine Option an. Auf den ehemaligen TFL-Flächen im Kesselhaus werde schon für über eine Million Euro das vom Gemeinderat verabschiedete Raumkonzept umgesetzt. Von den rund 1700 Quadratmetern seien auch nur noch 750 frei. „Keine Option“ sei außerdem, während der Bauphase in die Sparkassen-Hauptstelle zu ziehen, da diese trotz des Dienstleitungszentrums-Neubaus weiter genutzt werde.

Mehrkosten verärgern

Wie es überhaupt zu den Millionen-Mehrkosten kommen konnte, beschäftigte den Gemeinderat nochmals ebenso wie die Verwaltungsspitze. „Die Gemüter haben sich berechtigterweise erhitzt, für niemand ist das erfreulich“, betonte OB Dietz. „Fälschlicherweise“ sei man davon ausgegangen, dass alle Baunebenkosten schon enthalten seien, erklärte Erster Bürgermeister Huber. „Wir hätten es merken können und einen Steuerer dabei haben können.“ Nicht nur der Architekt, sondern auch die Verwaltung habe Fehler gemacht. Wie berichtet, hatte ein Controller dies aufgedeckt und im Ausschuss die Wellen hoch schlagen lassen (wir berichteten).

Raumreserven enthalten

Damit das Rathaus nicht schon in wenigen Jahren wieder aus allen Nähten platzt, sind Raumreserven vorgesehen, erklärte Bergermann. „Für die nächsten zehn Jahre sind wir flächenmäßig ausreichend groß, um alle Mitarbeiter unterzubringen.“ Dennoch werde nun versucht, nach weiteren Einsparpotenzialen bei dem Bauprojekt zu suchen.

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