Weil am Rhein „Es war bislang der schwierigste Job“

Christiane Buck ist für die Sonderbeobachtermission der OSZE in der Ukraine tätig. Das Foto wurde im OSZE-Sekretariat in Wien aufgenommen. Foto: zVg

Weil am Rhein - Christiane Buck (50) führt mit ihrem Mann Dr. Christian Buck, Ministerialdirigent im Auswärtigen Amt und Nahostdirektor (wir berichteten), ein spannendes und aufregendes Leben an Brennpunkten der Weltpolitik. Beide stammen aus Weil am Rhein und haben seit geraumer Zeit ihren Hauptwohnsitz in Berlin, wo sie jedoch aufgrund der vielfältgen beruflichen Herausforderungen nicht so oft anzutreffen sind.

Beide sind Politik- und Wirtschaftswissenschaftler, und beide waren in früheren Jahren Redaktionsmitglieder unserer Weiler Redaktion. Christiane Buck ist die Tochter von Brigitte und Dieter Wolf, ihr Mann der Sohn von Renata und Dr. Joachim Buck.

Christiane Buck arbeitet seit März 2016 für die Sonderbeobachtermission (SMM) der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in der Ukraine. Anfangs war sie fast drei Jahre mitverantwortlich für ein Team von 150 Experten aus 36 Ländern in Kramatorsk, im Donbass. Dort war sie so etwas wie ein ziviler Bataillonskommandeur und hat sich ausführlich mit dem operativen Geschäft auseinandergesetzt.

Mehr als 300 000 Störungen der Feuerpause

Sie ist eine von 35 Deutschen in der Mission, die vom Zentrum für Internationale Friedenseinsätze in Berlin sekundiert werden. Insgesamt hat die Mission (Stand April) 1308 Leute aus 44 verschiedenen OSZE-Teilnehmerstaaten, davon sind 770 internationale Beobachter.

Der Auftrag der Mission ist im Dombass vor allem die Überwachung der Minsker Abkommen von 2014 und 2015, die unter anderem eine Waffenruhe vorsehen. Dennoch hat die Mission allein im Jahr 2018 mehr als 300 000 Störungen der Feuerpause registriert. „Die Waffen schweigen nicht, nicht einmal an Feiertagen. Es gibt Minenfelder, und auf beiden Seiten der Kontaktlinie sterben weiterhin Zivilisten und Soldaten“, berichtet Christiane Buck von ihrer nicht ungefährlichen Mission.

Viele davon sind in Horliivka und Slivtodarsk, die in Kramatorsk zum Arbeitsbereich von Christiane Buck gehörten. Dorthin schickte sie täglich mehrere Patrouillen in gepanzerten Fahrzeugen und mit Schutzhelmen. „Ich konnte abends nur das Büro verlassen, wenn ich wusste, dass alle sicher zurück sind“, sagt sie. „Es war bislang der schwierigste Job, den ich in meinem Leben hatte,“ resümiert die ehemalige Weilerin. „Es gab ja keine wirkliche Pause, man ist 24 Stunden im Dienst – und das sieben Tage in der Woche.“ Zuvor war Christiane Buck sechs Jahre in Afghanistan mit ISAF und der europäischen Polizeimission tätig, Auch hatte sie als Korrespondentin großer Zeitungen schon hautnah über Krisenherde auf der Welt berichtet, unter anderem während des Irak-Kriegs.

Auf die Frage, warum man sich das antue, antwortet Christiane Buck: „Die Arbeit vor Ort ist wichtig. Ohne die Anwesenheit von internationalen Beobachtern würde vielleicht noch mehr geschehen. Wir tragen dazu bei, dass Bautrupps überhaupt wichtige Infrastruktur-Reparaturen an der Kontaktlinie vornehmen können und damit hunderttausende Menschen wieder Wasser und Strom haben.“ Außerdem: „Die Arbeit im internationalen Team macht Spaß, es wird nie langweilig. Ich arbeite mit Kollegen von Russland über Kirgistan, Italien bis Kanada zusammen. Da treffen viele Kulturen und Berufserfahrungen aufeinander, ich bin fast täglich Konfliktschlichterin.“

„Wir beobachten die Sicherheitslage und einiges mehr“

Das ist auch jetzt in ihrer neuen Position in der Mission so: Seit Februar 2019 arbeitet Christiane Buck als stellvertretende Teamleiterin für die Mission in Dnipro, die viertgrößte Stadt der Ukraine mit einer Million Einwohnern. Sie hat auch den Spitznamen „Rocket City“ (Raketenstadt), weil sie eines der wichtigsten Zentren der Kernenergie-, Waffen- und Raumfahrtindustrie der Sowjetunion war. Sie ist der Standort von KB Juschnoje, einem großen Entwickler, und Juschmasch, einem großen Hersteller von Raketen und Satelliten. Wegen der ansässigen Rüstungsindustrie wurde die Stadt geschlossen und blieb es bis in die 1990er Jahre.

Auch hier hat Christiane Buck die Aufgabe, ein kleineres Team strategisch mitzuleiten. „Wir beobachten hier die Sicherheitslage, aber auch die Lage der vielen Binnenflüchtlinge aus dem Osten, die Lage der nationalen Minderheiten, Waffenamnestie, die Frauenrechte, Pressefreiheit oder etwa Menschenrechtsverletzungen.“ Gepanzerte Fahrzeuge sind hier nicht nötig, auch Schutzwesten oder Helme sind nicht verlangt im Gegensatz zu ihrer vorherigen Aufgabe. Wegen der Nähe zum Osten (Dombass ist nur etwa drei Autostunden entfernt), sind viele Waffen im Umlauf – trotz Waffenamnestie. „Ab und zu gibt es in der Stadt nachts Schießereien, aber das ist in Berlin ja auch so viel nicht anders“, sagt die OSZE-Mitarbeiterin.

Das Leben in Dnipro fast normal, aber von Langeweile keine Spur

„Das Leben hier ist fast normal, das Hauptproblem war anfangs, eine Wohnung zu finden,“ sagt Christiane Buck. Langweilig wird ihr trotzdem nicht: „Nach der Arbeit gehe ich mehrmals in der Woche trainieren und lerne Russisch.“ Außerdem sei das Kulturangebot groß: Konzerte, Theater, allein dafür will sie große Fortschritte in Russisch machen.

Die Verbindung zur Heimat ist jetzt leichter geworden

Die Verbindung zur Heimat ist auch leichter geworden: Dnipro hat einen internationalen Flughafen, und Christiane Buck kann in viereinhalb Stunden in Berlin sein. „Das war meine einzige Bedingung an den Standortwechsel,“ sagt sie. Leider könne sie nicht so oft in Weil am Rhein sein, wie sie möchte. „Aber ich versuche, meine Eltern regelmäßig zu sehen, oder sie kommen mich in Berlin besuchen.“ Aber sie hofft nun auf Besuche in Dnipro: „Ich werde sie auf alle Fälle nach Dnipro einladen und auch Freunde – es ist schön und interessant hier.“ Und es gebe auch viel zu entdecken im Sommer, wie etwa die Seenlandschaften außerhalb der Stadt.

Zukunftspläne gibt es noch nicht. Sie ist jetzt zweieinhalb Monate in Dnipro. Mindestens ein Jahr will sie hier bleiben, „dann sehen wir mal“. Christiane Buck denkt auch über einen Einsatz mit den Vereinten Nationen nach, oder einfach mal eine Weile „eine Auszeit nehmen“.

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