Weil am Rhein Es wird ruhiger in den Lokalen

Weil am Rhein - Das Coronavirus trifft auch Weiler Gastronomen in aller Härte. Die Ausnahmesituation hat zum Teil drastische Auswirkungen auf die Betriebe, die auch wirtschaftliche Folgen mit sich bringen.

Unsere Redakteurin Saskia Scherer  war in verschiedenen Häusern unterwegs und hat Gäste und Wirte zur aktuellen Situation befragt.

Doreen Schmidt, Pächterin der Vereinsgaststätte „Piccolo Paradiso“ des FV Haltingen: „Seit August bin ich hier Pächterin. Die Qualität der Küche hat sich schnell herumgesprochen und für diese kurze Zeit entwickelte sich der Betrieb sehr gut. Seit Corona ist es ruhiger geworden. Das Virus beziehungsweise die Angst vor einer Ansteckung ist merkbar. Wobei, die Stammgäste kommen nach wie vor. Ich habe die Hoffnung, dass die Situation bald in den Griff bekommen wird, so dass sich ein normales Leben wieder einstellt.“

Alice-Sophie Renk, Gast im „Piccolo Paradiso“: „Ich stelle fest, es kommen weniger Gäste – nicht nur hier, sondern überall. Glücklicherweise bin ich kein Risikopatient, daher sehe ich das Ganze mit relativer Gelassenheit. Beruflich habe ich mit vielen Menschen aus dem ganzen Dreiland zu tun, daher halte ich mich an die Hygienevorschläge. Ich versuche, das Risiko zu minimieren, ohne dabei in Panik zu verfallen. Die extreme Angstmacherei erschwert definitiv das soziale Miteinander. Meine Devise lautet: Respekt ja, Panik nein.“

Andreas Ott, „Ott’s Hotel Leopoldshöhe“: „Das, was derzeit passiert, ist die Steigerung von Tod. Das Hotel verzeichnet einen 90-prozentigen Rückgang, im Restaurant sind es 30 Prozent. Zwar ist ein großer Teil der Stammkunden treu geblieben. Sie wissen, was sie vorfinden und sie haben Vertrauen. Es ist damit zu rechnen, dass in nächster Zeit die Restaurant geschlossen werden, wie es bereits in Österreich geschehen ist. Dennoch hoffe ich sehr, dass es bei uns nicht dazu kommt. Ab nächster Woche werde ich Kurzarbeit einführen müssen. Ich persönlich halte das alles für eine übertriebene Panikmache, die ihre Eigendynamik entwickelt hat.“

Markus Manthey, Gast im „Ott’s Hotel Leopoldshöhe“: „Ich gehe jeden Tag zur Arbeit und als Fahrlehrer habe ich mit vielen Menschen zu tun. Der Besuch im Restaurant ist für mich nach wie vor selbstverständlich. Ich habe keine Berührungsängste. Dies schon vor dem Hintergrund, dass es für mich auch vor Corona selbstverständlich war, die Hygiene in meinem Leben zu integrieren. Auch meine Freunde gehen locker mit der derzeitigen Situation um. Aufgefallen ist mir, dass weniger Verkehr herrscht. In Friedlingen und auf der Autobahn ist dies leicht festzustellen. Wenn ich eine Botschaft formulieren dürfte, würde ich sagen: Leute, lasst euch nicht verrückt machen.“

Simon Fritz, Bäckerei und Café Fritz: „Die Lage ist sehr kritisch. Dass die Schulen und Kindergärten als Kunden wegbrechen, das merken wir schon deutlich. Die laufenden Kosten, ich habe 38 Mitarbeiter, sind enorm und gleich geblieben. Es wird mehr Brot gekauft, denn das lässt sich bekanntlich einfrieren. Als Antwort auf Corona haben wir die Hygienestandards noch einmal deutlich erhöht. Ich habe viele ältere Kunden. Daher will ich gewährleisten, dass den Kunden nichts passiert.

Klar, es ist sinnvoll, das öffentliche Leben einzuschränken, um eine Verbreitung des Virus zu verlangsamen. Dies obwohl vielen, auch mir, ein wirtschaftlicher Schaden entsteht. Wehret den Anfängen, der Mensch kommt vor dem Profit, das ist meine Einstellung. Die wirtschaftliche und persönliche Angst der Mitarbeiter spüre ich ebenfalls. Wir versuchen jedoch, ruhig zu bleiben und mit alemannischer Gelassenheit abzuwarten. Daneben beobachte ich mit Interesse die Entwicklung und das Verhalten der Menschen.“

Nhung Nguyen, Gast in der Bäckerei Fritz: „Ich bin ehrlich, ich vermeide Besuche in Restaurants. Da ich noch zu Hause wohne, nehme ich Rücksicht auf meine Mutter, die in diesem Zusammenhang sehr empfindlich ist. Angst vor einer Ansteckung habe ich weniger. Ich sehe, die Panik der Menschen ist sehr groß. Meiner Ansicht nach steht sie in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Bedrohung. Die Medien mit den unterschiedlichsten Informationen tragen sehr zu dieser Panik und den damit verbundenen Ängsten bei. Das Ganze wird übertrieben und viele Informationen sind unwichtig. Andere wichtige Dinge, die auf dieser Welt passieren, wie der Hunger und die Armut in der Welt, die Bedrohung durch die Krankheit Krebs oder die Politik und die vielen Kriege, sind aus dem Bewusstsein der Menschen gewichen.

Wenn ich sehe, wie aus der Angst ein Geschäft gemacht wird, ist das erschreckend. So fand ich in einem Schaufenster ein Angebot über 300 Milliliter Desinfizierflüssigkeit zum Preis von 19,99 Euro. Erschreckend ist auch, was ich von Freunden mit ebenfalls asiatischem Aussehen gehört habe. Sie werden gemieden und es gibt Menschen, die sogar die Straßenseite wechseln. Mir ist das glücklicherweise noch nicht passiert. Das Verhalten der Menschen zeigt auf, dass es nicht nur Grenzen zwischen den Staaten gibt, sondern auch Grenzen in den Köpfen.“

Männi Kainz, Gastwirtschaft „Chläbi“: „Nach Fasnacht ist es immer etwas ruhiger bei uns, daher mache ich mir keine Gedanken. Zwei bis drei Gesellschaften haben abgesagt. Die Darstellung in den Medien zeigt sich schlimmer, als man es erwarten konnte. Jeder sagt etwas anderes, das ist verwirrend. Nach dem Motto ,China ist weit weg’ hat die Regierung zu spät reagiert. ,Bei uns wird es nicht so schlimm werden’, diese Aussage eines Politikers liegt mir noch im Ohr. Eigentlich entsteht der Eindruck, man war nicht auf ein derartiges Szenario vorbereitet. Keine Planung, kaum Infrastruktur und dies, obwohl vor zwei Jahren Sars grassierte. Auf jeden Fall wünsche ich unseren Gästen, dass sie gesund bleiben.“

Wolfgang Jubin, Gast in der „Chläbi“: „Ich persönlich finde diese ganze Hysterie übertrieben. Vorsicht, ja das ist in Ordnung. Meine Hände habe ich mir schon vor dem Virus regelmäßig gewaschen. Und wenn ich so diese Hamsterkäufe beobachte, so kann ich nur sagen, das ist Schwachsinn. Dass die Menschen informiert werden, ist richtig, aber die Fülle der Informationen, das Überschütten durch die Medien, das ist nicht gut. Am Ende weiß keiner mehr, was er glauben soll. Für mich gibt es keinen Grund, nicht in eine Wirtschaft zu gehen. Dass die Koordination in Sachen Corona Ländersache ist, das ist für mich unverständlich. Jedes Land entscheidet anders, hier müsse auf Bundesebene entschieden werden. Und, überhaupt: Jeder Tag, an dem ich aufstehe ist mit einem Risiko verbunden.“

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