Weil am Rhein „Ex“ will Feuer in Wohnung legen

Die Verhandlung wegen Brandstiftung stand vor dem Schöffengericht an. Foto: sba

Weil am Rhein - Auf „schwere Brandstiftung“ lautete die Anklage gegen einen 57 Jahre alten Mann.  Viele Jahre hatte er mit seiner Lebensgefährtin in Efringen-Kirchen gelebt. Als sich die Frau trennen wollte, drehte der Mann durch.

Das Schöffengericht Lörrach verurteilte ihn gestern zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung.

Die Frau hatte sich im September 2017 eine Wohnung in Alt-Weil gemietet. Der Mann wollte den Umzug seiner Lebensgefährtin unbedingt verhindern.

Die Vorgeschichte

Um den Umzug unmöglich zu machen, verklebte der Mann die Wohnungstür der neuen Wohnung am 1. und 16. September 2017 mit Klebstoff. Ferner entwendete er am 6. September mit dem Zweitschlüssel das Auto der Partnerin und stellte ihn in Frankreich ab. Aus Rache bestellte er im November mehrere Sendungen im Internet auf den Namen seiner Ex-Partnerin.

Die Brandstiftung

In der Nacht zum 6. September gegen 2.30 Uhr fuhr er zu der künftigen, noch weitgehend leeren Wohnung der Frau. Mit dem entwendeten Zweitschlüssel konnte er sowohl die Haus- wie die Wohnungstür öffnen. In der zweigeschossigen Wohnung im Obergeschoss des Hauses verteilte er nach eigenen Angaben fünf Liter Brennspiritus auf dem Boden, den Wänden und auf einer Matratze. Sogar eine Spiritusspur zur Wohnungstür habe er gelegt. Anschließend setzte er von dort alles in Brand. Zuvor habe er noch ein Fenster geöffnet, damit es keine Explosion geben könnte. Dieses Vorgehen räumte der Angeklagte unumwunden ein.

Schneller Notruf

Der Hausbewohner unter dieser Wohnung war in dieser Nacht noch wach und arbeitete am Computer. Er habe zunächst eilige Schritte die Treppe hinunter und das Schlagen der Haustür gehört. Wenig später habe es einen hellen Knall gegeben und der Rauchmelder in der über ihm liegenden Wohnung habe angesprochen. Sofort habe er die Polizei verständigt, die genau wie die Feuerwehr sehr rasch vor Ort gewesen sei.

Wie der Brandermittler der Polizei und der technische Brandsachverständige ausführten, habe es Brandspuren im Wohn- und Schlafzimmer gegeben. Die Matratze aus Schaumstoff sei total verkohlt gewesen. Zunächst sei vermutet worden, dass der Parkettboden durchgebrannt sei. Dem widersprach der technische Sachverständige. „Eine horizontale Fläche brennt bei Spiritus, das einen niedrigen Energiewert hat, sehr schlecht. Ein Übergreifen des Feuers auf das Gebäude war hier nicht zu befürchten“.

Den hellen Knall verortete der Sachverständige weniger auf eine Explosion als mehr auf das Zuschlagen des Fensters durch einen durch das Feuer begründeten Druckanstieg im Zimmer. Der Schaden an der Wohnung belief sich auf rund 33 000 Euro, die von der Feuerversicherung übernommen wurden.

Öffentlichkeit bei Vernehmung des Angeklagten ausgeschlossen

Bei der Vernehmung zur Person des Angeklagten wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Es kämen „intime Details zu der Beziehung zwischen dem Angeklagtem und der Lebensgefährtin zur Sprache“. Demnach waren auch die Plädoyers von Staatsanwalt und Verteidigung nicht öffentlich.

Das Urteil

Da der Angeklagte nicht vorbestraft war und ein volles Geständnis abgelegt hatte, lautete das Urteil auf 16 Monate Freiheitsstrafe zur Bewährung. Wegen der langen Verfahrensdauer gilt davon ein Monat als verbüßt. Ferner muss der Angeklagte monatlich 200 Euro als Wiedergutmachung an die Feuerversicherung zahlen. Das Urteil ist rechtskräftig.

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