Weil am Rhein Existenzängste: Händler lehnen Fußgängerzone ab

Blicken auf eine mögliche Fußgängerzone: die Weil-aktiv-Spitze um Wolfgang Raithel, Bernd Hörenz und Jürgen Rühle (v.l.). Foto: Marco Fraune

Weil am Rhein - Ein deutliches Stimmungsbild: Viele Einzelhändler in der Innenstadt sehen sich in ihrer Existenz bedroht, sollte die Hauptstraße in der Innenstadt zur Fußgängerzone werden. Gleichzeitig sprechen sich die meisten für eine bessere Aufenthaltsqualität aus.

Das sind die beiden zentralen Ergebnisse einer Umfrage, die von der Händlervereinigung Weil-aktiv vorgenommen wurde.

"Für eine lebendige Innenstadt auf ortsverbundene Geschäfte vertrauen"

Insgesamt 40 Geschäfte kamen für dieses Stimmungsbild in Betracht, doch die zehn Filialisten haben sich mit einer Ausnahme nicht daran beteiligt, präsentierte Weil-aktiv-Vorstandsmitglied Bernd Hörenz gestern die Rückmeldungen. „Die Ketten schauen nur auf die Zahlen und haben keinen Bezug zur Weiler Innenstadt.“

So handelt es sich bei den Rückmeldung fast ausnahmslos um inhabergeführte Geschäfte. Allein dies sei schon „eine spannende Erkenntnis“, so Hörenz. „Es zeigt, wie wichtig es ist, für eine lebendige Innenstadt auf inhabergeführte und ortsverbundene Geschäfte zu vertrauen.“

71 Prozent fürchten im Falle einer Fußgängerzone um ihre Existenz

71 Prozent fürchten laut Umfrage um ihre Existenz, wenn nur noch Fußgänger und Radler zwischen Schlaufenkreisel und Sparkassenplatz sowie der Lieferverkehr unterwegs sein darf – die Motorräder, Autos und Lastwagen hingegen nicht mehr dort verkehren dürfen. 13 Prozent der Geschäftsleute, die sich an der Befragung beteiligt haben, sehen ihre Existenz zudem gefährdet, sollte es zu einer Einbahnregelung kommen.

Lediglich vier Prozent unterstützen die Fußgängerzone. Weitere machten keine Angaben. Hörenz: „Das ist das aktuelle Stimmungsbild.“ Keiner wisse so recht, was angesichts des länger im Bau befindlichen Einkaufs-Tempels an der Hangkante und des Sparkassen-Dienstleitungszentrum-Baus auf dem Messeplatz noch passiere.

"Die Voraussetzungen für eine Fußgängerzone stimmen noch nicht.“

Das Stimmungsbild decke sich mit einer Befragung, die vor etwa acht Jahren schon einmal vorgenommen worden sei, erinnerte Weil-aktiv-Vorstandsmitglied Jürgen Rühle.

Weiterhin sei es für die Einrichtung einer Fußgängerzone wichtig, dass es zwei Frequenzbringer gebe, auf der einen Seite sei dies die „Dreiändergalerie“, doch auf der anderen Seite in Höhe des Sparkassenplatzes fehle ein solcher Magnet. Auch vermisst Rühle dringend erforderliche innenstadtnahe Parkplätze in diesem Bereich. „Die Voraussetzungen für eine Fußgängerzone stimmen noch nicht.“

Bessere Aufenthaltsqualität wichtig

Die momentane Regelung beibehalten, jedoch mit einer besseren Aufenthaltsqualität, dafür sprechen sich 67 Prozent der Befragten aus. Eine Einbahnregelung können sich zirka 47 Prozent vorstellen.

Ideen und Anregungen aus der Umfrage gab es aber auch. Eine Auswahl: Neuansiedlung attraktiver Einzelhandelsgeschäfte, Verlängerung der Tramlinie bis zum Läublinpark, Alleinstellungsmerkmal kostenloses Parken vor den Geschäften, Schaffung zentraler Parkplätze als Ausgleich für den Messeplatz, Sofortmaßnahmen mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf zehn km/h und zusätzliche Kontrollen, gemeinschaftliches Erscheinungsbild (Markisen, Bodenbelag und mehr) fördern mit einer Schnittstelle zur Stadt wie Citymanager, gute Anbindung an das neue Center und weitere Anbindung von Friedlingen an die Kernstadt (Südumfahrung).

Stadt investiert in nächster Zeit kein großes Geld für die Aufwertung der Innenstadt

Die gestern der Presse vorgestellten Umfrage-Ergebnisse sind am Montag bereits der Stadtspitze im Rahmen eines nun wieder vier Mal im Jahr stattfindenden Dialoggesprächs dargestellt worden. Die nächsten drei Jahre werde kein großes Geld für die Aufwertung der Innenstadt in die Hand genommen, hat Raithel aus dem Treffen mitgenommen. Grund sei, dass man die Entwicklung der Tram-Verlängerung abwarte, Stichwort: Bezuschussung durch die Schweiz über das Agglomerationsprogramm. Nur kleinere Veränderungen werde es geben.

„Wir werden das Thema aber weiter verfolgen“, erklärt der Weil-aktiv-Vorsitzende. Die Planung der Innenstadt sei schließlich nicht innerhalb eines Jahres erledigt. Klar sei auch: „Die Innenstadt einfach für den Verkehr dicht zu machen, das funktioniert nicht.“ Die Händlervereinigung will außerdem mit Befragungen von Kunden und Bewohnern nachlegen. „Dann haben wir ein vollständiges Bild.“

Der Dialog mit der Stadt habe sich verbessert. Ob diese Weil-aktiv auch ernst nimmt? Raithel: „Die Stadt muss die Händlervereinigung als solche akzeptieren und die Gespräche und Inhalte in ihre Zukunftsüberlegungen mit einfließen lassen.“ Man habe schon einen gewaltigen Schritt nach vorne getan.

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