Das Nahwärmenetz hat mittlerweile die Größe einer Fernwärmeversorgung erreicht – und der weitere Ausbau ist bereits vorgezeichnet. In den nächsten Monaten kommt es auf die Weiler Bürger an, welche Dimensionen die von den Stadtwerken gelieferte Heizwärme haben wird. Die Hausbesitzer auf der Leopoldshöhe und in Friedlingen sind am Zug.

Von Marco Fraune

Weil am Rhein. Das Neubaugebiet „Hohe Straße“ wird die bisherige Leitungslänge fast verdoppeln. Bei der Übernahme des Wärmenetzes durch die Stadtwerke im Oktober 2015 gab es gerade einmal 835 Meter. In diesem Jahr werden es bereits 2,1 Kilometer sein, die bis zur Schillerstraße/Goethestraße reichen. Hinzu kommen etwa eineinhalb Kilometer im Neubaugebiet, wo es für die dortigen Bewohner dann einen von der Stadt festgelegten Anschluss- und Benutzungszwang der Fernwärme geben wird.

Johannesquartier, Wohnbau und mehr

Die evangelische Johannesgemeinde sowie die Amann Wohnbau, die aktuell auf dem vormaligen Kirchengrundstück vier Wohnhäuser errichtet, wollen auf alle Fälle angeschlossen werden. Auch die städtische Wohnungsbaugesellschaft mit der Breslauer Straße 21, 23 und 25 ist mit im Boot. Wer außerdem noch neu dabei ist, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. „Einige Anfragen“ gebe es im Rahmen des Quartierskonzepts Leopoldshöhe bereits, erklärt Bürgermeister Rudolf Koger, der auch Kaufmännischer Werksleiter der Stadtwerke ist, im Gespräch mit unserer Zeitung. Zahlen will er nicht nennen, doch es seien „eher überraschend mehr“ Anfragen. „Es besteht Interesse, insbesondere bei Hauseigentümern mit älteren Heizungsanlagen.“ Die beauftragte Firma Endura Kommunal aus Freiburg nimmt in diesem Jahr weiter Kontakt mit den Eigentümern auf der Leopoldshöhe auf, um mit ihnen weitere Lösungen zu erarbeiten.

Quartierkonzepte für Leopoldshöhe und Friedlingen

Dies ist eingebunden in das Quartierskonzept Leopoldshöhe, das als Fortsetzung des Pendants für Friedlingen gelten kann. Hier sei man mit der Kontaktaufnahme mit den Hauseigentümern zwar weiter, so Koger, doch von der Planung her auf dem gleichen Stand.

Dabei geht es nicht nur um die mögliche Verlegung von weiteren Wärmeleitungen, sondern Teil des Quartierkonzepts ist dort auch die energetische Sanierung von Gebäuden. Mit Wärmebildkameras wurde bereits vor Augen geführt, wo Defizite bestehen, also Energie verschwendet wird. Fassaden und Fenster spielen also eine Rolle. „Die Heizung ist nur ein Thema.“

Ob in Friedlingen das Wärmenetz in diesem Jahr ausgebaut wird, steht laut dem Kaufmännischen Werksleiter der Stadtwerke noch nicht fest. Die Wirtschaftlichkeit werde geprüft. „Die ist noch unklar.“

Auch auf der Leopoldshöhe hänge es von der Interessenslage ab, wie weit es geht. Ins Auge gefasst ist jedenfalls, das Netz bis zum Rathaus auszubauen und möglichst auch bis zum Kant-Gymnasium.

Blockheizkraftwerk

und Pufferspeicher

Zur Infrastruktur gehören dann das Blockheizkraftwerk im Keller der Gemeinschaftsschule an der Egerstraße samt dem Pufferspeicher hinter dem Gebäude und dem Gaskessel, der im Winter die Spitzenlast abdeckt, sowie eine mögliche Biomassenzentrale am Kant-Gymnasium und eine schon fest eingeplante an der Römerstraße, um hier das Neubaugebiet zu versorgen. Eine Leistung von 1500 Kilowatt soll diese dritte Heizzentrale aufweisen. Diese wird mit einem CO2-neutralen Brennstoff betrieben. Auch feuchte Holzhackschnitzel können hier verfeuert werden, um etwa 150 Häuser zu versorgen.

Damit im Sommer nicht zu viel Energie erzeugt wird, soll diese im Sommer abgestellt werden. Dann läuft nur das mit Gas betriebene Blockheizkraftwerk mit dem Spitzenlastkessel an der Egerstraße.

Noch stellt sich die Frage, wann man Leitungen von der Goethestraße bis zur Schillerstraße verlegt. Aktuell wurde in der Stadt schon kräftig gebuddelt. So reichen die Leitungen bereits über die Bühlstraße hinweg, der Anschluss der Amman-Bauten ist vorbereitet, und auch auf dem Messeplatz ist man dabei, Gebäude mit Nahwärme-Leitungen zu versorgen. Über die Breslauer Straße reicht das Netz mittlerweile.

Kilowattstunden

werden steigen

Das Mehr an Leitungen macht sich auch am Mehr der gelieferten Heizwärme bemerkbar. Diese betrug im vergangenen Jahr noch rund 5600 Megawattstunden. „Der Sprung wird erst in diesem Jahr erfolgen, da dann weitere Nutzer angeschlossen sein werden“, erklärt Abteilungsleiter Markus Indlekofer. Denn die mobilen Wohneinheiten der Anschlussunterbringung für Flüchtlinge auf dem Messeplatz, die Woge-Häuser Breslauer Straße 21,23 und 25 sowie an der Gustave-Fecht-Straße würden sich dann niederschlagen.

Stadt und Wohnbau sind noch die Hauptnutzer

Aufgrund der Historie zählen bislang die städtischen Einrichtungen und die Wohnungsbaugesellschaft zu den Hauptnutzern, also Schulen, die Flüchtlingsunterkunft, das Pflegeheim Markgräflerland sowie ein großer privater Abnehmer. Doch die Werbetrommel soll in diesem Jahr kräftig weiter gerührt werden. „Ich bin gespannt, was rauskommt“, kann auch Indlekofer noch schlecht abschätzen, wie viele Bürger sich begeistern lassen.

Die Energiegesetzgebung spielt der Stadt dabei zumindest in die Karten. So müssen Hausbesitzer auch einen bestimmten Anteil an regenerativer Energie nutzen, was durch die Fernwärme abgedeckt ist. Damit wollen die Stadtwerke bei den Bürgern punkten.