Weil am Rhein Flohmarkt erwacht zu neuem Leben

Ingmar Lorenz

Weil am Rhein - Eine Frage hat Rolf Ludin in den zurückliegenden Monaten häufig gehört: Wann geht es endlich wieder los? Umso größer war die Freude dann im April. Denn vor etwas mehr als vier Wochen stand fest: Die Tische können aufgebaut werden, der Flohmarkt auf dem Berliner Platz erwacht zu neuem Leben. Damit hat Weil nun eine echte Institution zurück.

Der Neustart im April sei noch etwas verhalten angelaufen, legt Ludin dar. Das liege aber nicht an den Nachwehen der Corona-Krise, sondern hatte einen einfacheren Grund: Es hat geregnet. Deshalb ruhen die Hoffnungen nun auf dem kommenden Samstag, wenn es bei – hoffentlich – schönem Wetter von 7 bis 13 Uhr in die zweite Runde nach Corona geht.

Der Flohmarkt am Berliner Platz, bei dem vor allem Rentner und Kinder ihre Waren anbieten, ist Ludin eine Herzensangelegenheit, seit er die Veranstaltung vor bald 15 Jahren aus der Taufe gehoben hat. Es ging seinerzeit darum, den Platz zu beleben und etwas für die Rentner und Kinder auf die Beine zu stellen, erinnert er sich. Ein Flohmarkt sollte es sein, bei dem sich jeder, der möchte, völlig unbürokratisch und spontan beteiligen kann. „Es ist der einzige Flohmarkt weit und breit, bei dem keine Standgebühren erhoben werden“, betont der 89-Jährige, der im Jahr 2008 von der Stadt die Erlaubnis erhielt, den Markt zu organisieren.

Rechte und Pflichten

Dieses Recht ist zugleich mit Pflichten verbunden: „Ausschließlich Privatpersonen dürfen teilnehmen“, erklärt Ludin. Er muss dafür Sorge tragen, dass keine gewerblichen Anbieter ihre Waren verkaufen. Dabei sind ein gutes Gespür und profunde Kenntnisse gefragt, denn nicht immer ist auf den ersten Blick ersichtlich, ob es sich um einen privaten oder einen gewerblichen Verkauf handelt. Kommt jemand, der in Massen produzierte Waren dabei hat, ist zwar sofort klar, dass es sich um eine gewerblichen Anbieter handelt, wie aber sieht es aus, wenn ein potenzieller Verkäufer zum Beispiel selbst hergestellten Honig an den Mann bringen will? Das, so erklärt Ludin, sei auf dem Flohmarkt auf dem Berliner Platz nicht möglich. Würden nämlich Erzeugnisse angeboten, sei die Grenze hin zum gewerblichen Verkauf bereits überschritten. Eine Ausnahme seien selbst gebastelte Artikel, allerdings nur dann, wenn diese nicht „im großen Stil“ angefertigt werden. Es zeigt sich: Ludin muss den Markt im Auge behalten, bringt den nötigen Sachverstand mit und trägt eine Menge Verantwortung.

Zwangspause durch Corona

In den vergangenen Monaten hieß es zunächst abwarten, bis der größte Teil der Corona-Maßnahmen aufgehoben wurde. Erst dann konnte Ludin wieder grünes Licht für den Flohmarkt geben. Andernfalls hätten im Zuge eines Hygienekonzepts Zugangskontrollen stattfinden müssen, erklärt der Initiator. Dazu wiederum wäre es nötig gewesen, das Areal abzusperren. „Das hätte unsere Möglichkeiten überstiegen.“ Denn in dem Fall wären erhebliche zusätzliche Kosten angefallen, die Ludin dazu gezwungen hätten, Standgebühren zu erheben. Vor dem Hintergrund der Idee des „Flohmarkts für alle“ war das keine Option. Und so kam die Veranstaltung – nachdem sie im Sommer 2020 kurzzeitig nochmals stattfinden konnte – zunächst zum Erliegen.

Weit über die Stadt hinaus bekannt

Nun aber soll es wieder losgehen. 20 bis 30 Erwachsene und ebenso viele Kinder gehörten vor Corona zu den „Marktbeschickern“. Ludin geht davon aus, dass dies auch in Zukunft wieder der Fall sein wird, denn die Veranstaltung ist – trotz der Corona-Zwangspause – in Weil am Rhein etabliert und weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. Und so werden wohl auch künftig an jedem zweiten Samstag im Monat die Tapeziertische aufgebaut und die Teppiche ausgelegt, wenn auf dem Berliner Platz von Kleidern über Lockenwickler bis hin zum Kinderspielzeug wieder allerhand angeboten wird.

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