Weil am Rhein Freizeitattraktion mit kurzer Dauer

Ein erfrischendes Bad im kühlen Flusswasser: Ende der 1920er Jahre tummelten sich an warmen Sommertagen Scharen von Badegästen aus der gesamten Region im Märkter Strandbad. Eine Top-Freizeitattraktion, die weit und breit ihresgleichen suchte, aber schon wenige Jahre nach der Eröffnung 1928 dem 1932 fertiggestellten Stauwehr Märkt weichen musste.

Von Jasmin Soltani

Weil am Rhein Märkt. Die Idee für ein „Rhein-Strandbad Märkt“ hatte ein Ingenieur namens Heinrich Schmitt. Er stammte aus Schwetzingen, wohnte aber in Weil und kannte den Wunsch der Menschen nach einem Freibad, das man in der Gegend seinerzeit vergebens suchte. Der weite Sandstrand bei Märkt – etwa auf Höhe der heutigen Staustufe – schien ihm gerade recht für ein solches Vorhaben.

Im Frühjahr 1928, die Weltwirtschaftskrise warf schon erste Schatten, stellte er den Antrag bei der Gemeindeverwaltung Märkt und stieß auf offene Ohren. Schon im Juni des selben Jahres war die neue Attraktion in Betrieb: Ein Strandbad samt Liegestühlen „wie in einem Seebad“, lobten bald darauf die „Basler Nachrichten“, und Kabinen mit Schaltern, so dass die Kleidung in einem Garderobenraum abgegeben werden konnte.

Eine wahre Marktlücke hatte der Ingenieur entdeckt: Nicht nur Deutsche aus dem nahen und ferneren Umland kamen, um ins kühle Nass zu springen oder am Strand zu entspannen, auch Basler Badegäste kamen in Scharen. Manche in Motorbooten, die im Pendelverkehr unterwegs waren, der überwiegende Teil allerdings mit der Bahn bis Eimeldingen, wo Landauer und Autos für diejenigen bereitstanden, die sich den 25-minütigen Fußmarsch bis Märkt sparen wollten und konnten. Der Andrang war so groß, dass schon im Eröffnungsjahr laufend neue Einzel- und Familienkabinen eingebaut werden mussten. Auch acht Wochenendhäuschen wurden errichtet, damit sich müde Städter eine längere Entspannung gönnen konnten.

Sanitätsposten und Strandwirtschaft

Es gab einen 100 Meter langen Bereich für Kinder und Nichtschwimmer, einen Sanitätsposten, Rettungsringe und eine „gut geführte und saubere Strandwirtschaft mit Musikpavillon“, die Erfrischungen „zu mäßigen Preisen“ bot (Basler Nachrichten, 1928). Auch allerhand Spektakel wurde geboten: ein Sommernachtfest mit Strandbeleuchtung und Promenadenkonzert am 12. August, ein internationales Stromwettschwimmen unter Beteiligung der Hüninger Stadtmusik (Startgeld: 1,50 Reichsmark) am 16. September mit unterschiedlichen Disziplinen. Und der schweizerische Samariterverein St. Johann Basel hielt seine „Große offizielle Sanitätsübung“ ab.

Einen findigen Marketing- und Eventmanager würde man Heinrich Schmitt, der in Anzeigen auch mit „Körper- und Schönheitspflege sowie mit Kneippschen Wasserkuren“ für die Märkter Einrichtung warb, heute wohl nennen. „Kronen“-Wirt Hagist kam mitunter mit dem Zubereiten der Fische nicht nach, so groß war der Besucherandrang. Und noch 1931, am 30. Juni, erließ der Märkter Gemeinderat eine Badeordnung für die Freizeiteinrichtung (siehe nebenstehender Bericht).

Doch das Vergnügen wehrte nicht lange. Nicht die Weltwirtschaftskrise, die auch Deutschland erfasst hatte, sondern der Bau des Stauwehrs Märkt, das mit dem Kraftwerk Kembs 1932 in Betrieb ging, setzte dem Strandbad nach nur wenigen erfolgreichen Jahren ein Ende.

Ein Ausflugs- und Naherholungsziel ist der Rhein bei Märkt gleichwohl geblieben. Der Leinpfad lädt zu ausgedehnten Spaziergängen und Radtouren am Rhein entlang ein, das Restaurant „Stauwehr“ bietet Einkehrmöglichkeiten, Rast- und Grillplätze beim Stauwehr und an der ehemaligen Kandermündung werden gerne genutzt.

Seit 1995 der Betriebssteg über das Stauwehr für Radfahrer und Fußgänger geöffnet wurde, bietet auch die Rheininsel zusätzliche Anreize, um Landschaft und Natur zu erkunden – vor allem seit sie im Zuge der Neuvergabe der Wassernutzungsrechte für das Kraftwerk Kembs im Jahr 2010 schrittweise renaturiert wurde.

Weil am Rhein-Märkt (jas). Der Zutritt zum Strandbad war während der Öffnungszeiten jedermann gegen eine Gebühr, die der Inhaber festsetzen konnte, gestattet. Kinder unter zehn Jahren mussten in Begleitung Erwachsener sein, Hunde hatten keinen Zutritt.

„Sitte und Anstand“ galt es bei der Bekleidung zu wahren, so war das Tragen von Sportbadehosen oder so genannter Dreieckshosen ausdrücklich verboten. An- und ausziehen durfte man sich nur an dafür bestimmten Stellen. Des Weiteren verboten waren: das Belästigen oder ins Wasser Schubsen von Badegästen, Lärmen, Schreien und anderes „ungebührendes Verhalten“, das Verunreinigen des Gewässers, das Befahren des Strandbads mit Fahrrädern und Motorrädern, das Anschwimmen und Besteigen am Ufer liegender oder vorbeifahrender Schiffe, in deren Kurs nicht hineingeschwommen werden durfte. Das Entfernen von Rettungsgegenständen war selbstredend nur im Notfall gestattet, und die Badegäste wurden darauf aufmerksam gemacht, dass der Talweg des Rheins durchaus gefährliche Strömungen vorweisen könnte.

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