Weil am Rhein Freude, Sorge, Zufriedenheit und Enttäuschung

Saskia Scherer und Beatrice Ehrlich
Der neue Gemeinderat wurde gewählt. Foto: Beatrice Ehrlich

Die Weiler Fraktionsvorsitzenden und die Oberbürgermeisterin geben Stellungnahmen zum Wahlergebnis in der 3-Länder-Stadt ab.

Weil am Rhein hat gewählt: Damit, dass gleich elf neue Räte mit von der Partie sein werden, wenn sich der Gemeinderat im Juli neu zusammensetzt, habe man wahrlich nicht rechnen können, hält die Oberbürgermeisterin und darüber hinaus mit über 9000 Stimmen in ihrem Amt bestätigte Kreisrätin Diana Stöcker fest. „Das ist eine interessante Konstellation. Ich bin gespannt, wie sich das auf das Zusammenspiel des Gremiums auswirkt.“ Ganz allgemein lasse sich feststellen, dass sich der bundesweite Trend auch auf Weil am Rhein niederschlägt, wo die AfD aus dem Stand drei Sitze errungen hat. „Sie profitiert von der Unzufriedenheit mit der Bundespolitik“, sagt Stöcker.

Eugen Katzenstein (UFW) bedankt sich im Namen der Partei zunächst bei den Bürgern für das erneute Vertrauen. „Die Freien Wähler von Weil am Rhein sind bei der Gemeinderatswahl wieder als stärkste Kraft herausgekommen. Wie in den vergangenen Jahren stellen wir auch wieder den Stimmenkönig“, freut er sich. „Insgesamt sind wir zufrieden, obwohl wir einen Sitz weniger haben und mit 25,2 Prozent auch nur knapp unter dem Ergebnis von 2019 liegen. Wir sind aber mit sechs Sitzen auch die stärkste Fraktion im Gemeinderat geblieben.“ Ebenso kommen mit Heidi Jakob-Frey und Kathrin Kumar zwei Frauen ins Gremium, hebt Katzenstein hervor. „Angesichts einer sechsten Partei für den Gemeinderat und dem in Prozent nahezu gleichen Ergebnis sehen wir dies als erneuten Vertrauensbeweis und als Bestätigung unserer guten Arbeit.“

Martin Fischer (Bündnis 90/Grüne), bisheriger Sprecher seiner Fraktion, verbirgt seine Enttäuschung nicht, dass es für ihn dieses Mal nicht gereicht hat. Weder im Gemeinderat noch im Kreistag wird er künftig vertreten sein, für ihn „eine komische Situation“. Für seine Partei, die Grünen, zieht er indessen eine deutlich positivere Bilanz, trotz der verlorenen zwei Gemeinderatssitze: „Es ist uns hier vor Ort gelungen, den Absturz bei den Europawahlen zu stoppen“, hält er fest. Mit 20,6 Prozent liege man im Gemeinderat deutlich über den Ergebnissen bei der Europawahl und im Kreis. Das liege sicher auch mit daran, dass die Grünen ein starkes Bewerberfeld aufwiesen: mit Bernhard Scharf, der sich auf Anhieb mit mehr als 5371 Stimmen an die Spitze der Fraktion gesetzt hat, gefolgt von Linn Fischer mit 3742 Stimmen. Dass die zwei verlorenen Sitze nun aber ausgerechnet von der AfD besetzt werden, ärgert Fischer.

„Es freut mich, dass meine Fraktion die Sitzplatzanzahl gehalten hat“, sagt Claus Weibezahl (CDU), der nicht mehr kandidiert hat. Sorge bereitet ihm allerdings die große Stimmenzahl der AfD. „Was mir außerdem aufgefallen ist: Wie viele Wähler Unsicherheiten haben, was die Begriffe kumulieren und panaschieren angeht, oder aber die zulässige Stimmenzahl. Auch das macht mir Sorgen für die Zukunft.“ Ansonsten bleibt Weibezahl noch zu sagen: „Nach der Wahl ist vor der Wahl.“ Er wünscht sich, dass die CDU-Kandidaten, die nicht gewählt wurden, bei der „Stange“ bleiben, aktiv mitarbeiten in den nächsten fünf Jahren, sich einbringen und bekannt werden. „Nicht den Kopf in den Sand stecken“, meint der Fraktionsvorsitzende. „Die Lage ist zu ernst und große Herausforderungen stehen vor uns.“

Thomas Harms (FDP/FB) freut sich, dass seine Fraktion sich wieder zu dritt präsentieren und an allen Informationen teilhaben könne. Dass die Sitze gehalten werden können, sei das Wichtigste. Zur Wahlbeteiligung meint er: „Es ist schade drum für jeden, der seine Stimme nicht abgegeben hat.“ Ansonsten sagt er: „Wir leben in einer Demokratie, da gibt es Dinge, die einem gefallen oder auch nicht, damit müssen wir leben.“ Den „Extremismus nach links oder nach rechts“ bedauere er. Ansonsten sei er zufrieden.

Matthias Dirrigl (SPD) teilt mit: "Wir möchten uns als erstes bei den Wählern und Wählerinnen für das Vertrauen bedanken. Es freut mich sehr, dass die SPD vier Sitze halten konnten. Wir freuen uns auf die neue Legislaturperiode." 

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