Weil am Rhein Friedlinger, und stolz darauf

Beatrice Ehrlich
Hier hat er mit fünf Jahren mit dem Ringen angefangen, heute trainiert er mit den „Alten Herren“ des KSV: Andreas Rühle an der Turnhalle der Rheinschule. Foto: Beatrice Ehrlich

Mit über 8000 Stimmen ist Andreas Rühle als Stimmenkönig in seine dritte Amtszeit gewählt worden. Mit den Menschen zu reden ist dem UFW-Stadtrat besonders wichtig.

Als Treffpunkt für ein Gespräch hat Andreas Rühle die Turnhalle an der Rheinschule in Friedlingen vorgeschlagen. An diesem Ort kommen viele Dinge zusammen, die dem 59-Jährigen wichtig sind. Bei der Kommunalwahl in Weil am Rhein hat er eine Rekordstimmenzahl von 8008 Stimmen erreicht.

Mit fünf Jahren wurde er hier beim Kraftsportverein (KSV) zum Ringen angemeldet. Der Kampfsport begleitete in bis ins junge Erwachsenenalter. Schon damals sei der Weiler Stadtteil von einer Vielzahl von Nationalitäten geprägt gewesen. Für ihn seien das damals nicht Türken, Russen oder Jugoslawen gewesen, sondern Sportkameraden, erinnert er sich.

Sport als Schlüssel für Zusammenhalt

Als einige von ihnen wegen eines vorgegebenen „Ausländerkontingents“ nicht bei Wettkämpfen antreten konnten, seien auch bei ihm Tränen geflossen – „Wir waren Freunde“. Später, als Jugendtrainer, hat Rühle beobachten können, dass der Sport gerade für jene, die noch fast kein Deutsch sprechen, ein wichtiger Schlüssel zum Spracherwerb sein kann.

Gleich gegenüber, im heutigen Mehrgenerationenhaus, hat Rühle den Kindergarten besucht, später die Rheinschule. Diese ist für ihn bis heute ein sehr wichtiger Ort: „Dieser Bereich drückt Lebendigkeit aus“, sagt er. Bei allen Herausforderungen, die dieser Schulstandort mit sich bringe, werde hier viel gemacht. Es gebe viele Leute, die sich für das Wohl der Schule einsetzen. „Ich finde das phänomenal.“

Miteinander vieler Akteure

Auch das Mehrgenerationenhaus, heute eine Einrichtung der Diakonie, strahlt für ihn durch das Miteinander vieler Akteure ins Quartier hinein. Auf die Frage, ob er stolz sei, ein Friedlinger zu sein, antwortet Rühle mit einem klaren „Ja“.

Geboren und aufgewachsen ist Rühle als Jüngster von fünf Geschwistern im Stadtteil Friedlingen, wo er heute noch wohnt. Nach der Rheinschule hat er auf der Markgrafenschule seinen Hauptschulabschluss gemacht. Es folgte die Wirtschaftsschule und eine Banklehre bei der Volksbank Lörrach. Durch betriebsinterne Weiterbildung und ohne Abitur hat er es bis zum Diplom-Bankbetriebswirt gebracht und ist heute Bereichsleiter für das Filialnetz im Markgräflerland.

Die Zukunft der Stadt gestalten

Als Andreas Rühle vor seiner ersten Wahl in den Gemeinderat 2014 angesprochen wurde, ob er nicht kandidieren wolle, rannte der damalige Fraktionsvorsitzende der Unabhängigen/Freien Wähler, Heinz Kasper, bei ihm offene Türen ein. Für die Politik und das, was in seinem Umfeld passiert, hatte sich Rühle schon immer interessiert. Die Vorstellung, im Miteinander die Zukunft seiner Stadt gestalten, gefiel ihm gut. „Ich habe gern Leute um mich, die Lust haben, etwas zu bewegen“, hält er fest, übrigens auch aus anderen Fraktionen. Wenn er obendrein noch Zuversicht und Orientierung geben könne, so sei das „etwas sehr Schönes“. Auch wenn er Friedlinger sei, treffe er seine Entscheidungen stets als Weiler Gemeinderat, ist ihm wichtig.

Meinungen anhören und respektieren

Dazu gehört für Andreas Rühle Kommunikation auf Augenhöhe: Menschen ansprechen, ihre Meinung hören, und sie akzeptieren oder zumindest respektieren, wenn sie nicht mit seiner übereinstimmt. „Dinge voranbringen, die ich verändern kann“ will er im Stadtrat. Dort schätzt er die Vielfalt, den Disput, die Auseinandersetzung mit sachlichen Argumenten. Dass die AfD drei Mandate gewonnen hat, unter anderem mit vielen Friedlinger Stimmen, „stinkt“ ihm, aber es hat ihn aber nicht überrascht. „Es gibt Friedlinger, die unzufrieden sind, mit dem wie es ist“.

Mittlerweile hat Rühle schon viel Erfahrung sammeln können. Ein Beispiel: die Tram 8. Als die Basler Straßenbahn durch Friedlingen bis zur heutigen Dreiländergalerie gebaut wurde, saß er im Begleitgremium und führte unzählige Gespräche mit Anwohnern. Viele Dinge konnten auf diesem Weg geklärt werden, berichtet er.

Mit der Tram nach Basel, zu Fuß über den Rhein

Heute genießt er den Luxus, von der Tramhaltestelle nahe seines Hauses nach Basel zu „Em Bebbi sy Jazz“ oder zum Rheinschwimmen zu fahren. Nach Frankreich gehe er gerne zu Fuß, über die Dreiländerbrücke. Durch beide Bauwerke habe sich seine Heimat in die ganze Region hinein erweitert.

Auch die geplante Verlängerung der Tram nach Alt-Weil befürwortet er stark, „weil sie die Menschen mehr zusammenbringen kann“. Die Gegner müssten angehört und dazu befähigt werden, ihre Bedenken vorzutragen. Wichtig ist ihm aber auch, dass der Tram-Betrieb bezahlbar ist. Die Betriebskosten stehen bis heute nicht fest. „Wir müssen uns das leisten können.“

Die Leute ansprechen

Nicht weit vom Treffpunkt an der Rheinschule stehen Glas- und Kleidercontainer, um die herum an diesem Tag einiges an Unrat verteilt ist. Rühle hat dort kurz zuvor Personen angetroffen, die er gleich angesprochen hat. „Sie haben dort aber nichts abgeladen, sondern Kleider aus dem Container herausgeholt, um zu sehen, ob sie etwas davon brauchen können“, sagt er. Das wäre noch so ein weiteres Projekt, die SPD habe das vorgeschlagen. Ein Laden, in dem man Sachen abgeben und günstig erwerben kann - warum nicht gleich hier, in Friedlingen?

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