Weil am Rhein Für ein Denkmal der Stadtgeschichte

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Das 25-jährige Bestehen des Freundeskreises des Museums Weiler Textilgeschichte ist bei einem Treffen gefeiert worden.                                                                                                   Foto: zVg/Barbara Brutscher

Die Museumsfreunde des Weiler Textilmuseums blicken auf 25 Jahre zurück. Dieses Jubiläum wurde jetzt mit einem gemeinsamen Mittagessen im Kulturcafé Kesselhaus gefeiert. In diesem Rahmen lobte OB Wolfgang Dietz das jahrelange Engagement des ehrenamtlich tätigen Kreises.

Weil am Rhein. Das Textilmuseum auf dem Areal der ehemaligen Seidenweberei Schwarzenbach ist ein Zeitmonument der einst blühenden Friedlinger Textilindustrie, heißt es in einer Mitteilung. Als die Friedlinger Betriebe aufgrund der weltweiten Krise der Textilbranche aufgaben, kaufte die Stadt das Areal der Seidenweberei Schwarzenbach. 1994 wurde das Museum Weiler Textilgeschichte in den ehemaligen Werkstatträumen unter Kulturamtsleiter Tonio Paßlick als Teil des Weiler dezentralen Museumskonzepts eröffnet.

Einsatz für das Museum

Im Februar 1997 stand die Schließung des jungen Museums im Raum. Aus wirtschaftlichen Gründen befürwortete die Stadt zunächst ein Festhalten an der Außenstelle des Basler Museums für Gestaltung, das kurzzeitig dort untergebracht war. Vier Friedlinger Gemeinderäte Dieter Buchheimer (U/FW), Heinz Nüsslein (Grüne), Siegfried Stiasny (CDU) und Daniel Wölfle (Junges Forum) widersetzten sich dem Vorhaben der Stadt.

Gemeinsam mit Friedlinger Bürgern und ehemaligen Textilarbeitern sollte ein Konzept zum Erhalt des Museums erarbeitet werden. Dem öffentlichen Aufruf der vier Gemeinderäte zu einer Diskussionsrunde am 11. März 1997 im Café Emporio (heute: Kulturcafé Kesselhaus) folgten 15 Teilnehmer. Zusammen sprach man sich dafür aus, auf zunächst ehrenamtlicher Basis das Museum zu erhalten. Unterstützung kam auch von Seiten des Landesdenkmalamts Baden-Württemberg, das in einem Schreiben vom 13. Dezember 1996 an die Stadt explizit den Erhalt befürwortete.

Freundeskreis gegründet

Infolgedessen wurde der Freundeskreis des Museums ins Leben gerufen. Die Mitglieder übernahmen einmal pro Monat am Sonntag den Aufsichtsdienst. Als eingesessene Friedlinger und ehemalige Mitarbeiter in einer der hiesigen Textilbetriebe erzählten sie Museumsbesuchern die Geschichte aus erster Hand. Der Freundeskreis pflegte auch das Schauschmieden an der noch einsatzbereiten Esse in der Schmiedewerkstatt. Ein besonderer Höhepunkt war der Schmiede-Workshop anlässlich des Museumsjubiläums 2019, bei dem die Besucher selbst Eisen schmieden konnten.

Industrieerbe bewahren

Dank des Bürgerengagements sind die Schlosserei- und Schreinereiwerkstatt mit ihrem originalen Maschinenbestand aus den 1920er-Jahren heute ein Erlebnisort. Mit dem historischen Transmission-System lassen sich die Maschinen teilweise noch betreiben. Die alte Esse ist ebenfalls betriebsbereit und zahlreiche Werkzeuge ergänzen die Ausstattung. Im Ausstellungsraum der ehemaligen Schreinerei beherbergt das Museum die Textilgeschichte unter anderem mit Bildmaterial, Lohn- und Kassenbücher, Stoff-Musterbücher, Lochkarten, Webschiffchen und Garnrollen. Außerdem kann der Film „Friedlingen – im Wandel der Zeit“ von Dieter Zöbelin angeschaut werden.

Wechselnde Ausstellungen

Mit regelmäßigen Sonderausstellungen wurde die Attraktivität des Museums gesteigert. Einige Beispiele: „Von Schnupfnasen und Frauentränen. Kleine Kulturgeschichte des Taschentuchs“ (2011); „Urban Knitting“ – die Kunst des modernen Strickens als eine Form der Street Art (2016), „Bakuba Design“ Textilkunst aus Afrika mit originalen Leihgaben von Karlheinz Niechoj (2017/2018); „Genug Stoff für Neues!?“ eine Darstellung der Epoche nach dem Ersten Weltkrieg in Friedlingen (2018) und „Knopf dran! Eine Kulturgeschichte der Knöpfe“ (2019/2020). Derzeit werden Stoffe und Kunstobjekt von Karola Kauffmann präsentiert, die eine der letzten Handweberinnen ist. Ende des Jahres wird es eine Foto-Ausstellung zum Thema Rhein, eine Netzwerkkooperation mit dem Triangle und dem Fotoclub du Haut-Rhin geben. Die grenzübergreifende Ausstellung steht auch dafür, dass es einst viele Textilarbeiter auch aus dem Elsass gab.

Betreuung und Aufsicht

Nachdem Dieter Buchheimer verstorben, und Heinz Nüßlein sowie Daniel Wölfle aus Weil am Rhein verzogen sind, hält Siegfried Stiasny mit weiteren Mitstreitern den ehrenamtlichen Einsatz aufrecht. Seit 2018 werden nun auch die Museumsaufsichten des Weiler Kulturamts im Textilmuseum eingesetzt, sodass die Öffnungszeiten ausgeweitet werden konnten und das Museum nun jeden Sonntag für Besucher zugänglich ist. Der erste Sonntag des Monats wird aber weiterhin von Mitgliedern des Freundeskreises betreut und beaufsichtigt.

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