Weil am Rhein - Die Bürgerinitiative Lärmschutz Bahn (Bilb) hat gestern einen symbolischen Scheck in Höhe von 21 436,05 Euro an die Weiler Bürgerstiftung übergeben. Dabei handelt es sich um das nach der Auflösung im Juni verbliebene Vermögen. Die Bilb-Liquidatoren blickten zugleich auf erzielte Verbesserungen beim Bahn-Ausbau als auch auf den größten Misserfolg – die nicht erfolgte Tieflage.

Mit in den Anfangsjahren 2008/2009 insgesamt 1560 Mitgliedern hat sich die Initiative zehn Jahre lang für die Belange der Bürger an der Bahnstrecke eingesetzt. Ziel war ein verbesserter Schallschutz im gesamten Stadtbereich, wobei der Fokus auf einer Tunnellösung lag. „Das wäre die städtebaulich bessere Lösung als die Mauer gewesen“, bedauert der letzte Vorsitzende, Dieter Müller. Aktionen und Gespräche Verschiedene Aktionen wie Fackelumzüge und Mahnfeuer sowie zahllose Gespräche fanden statt. Viele Politiker waren am Haltinger Bahnhof, von denen einige Versprechungen gemacht hätten, die Müller mittlerweile mit einer Portion Sarkasmus als „Versprecher“ bewertet. Auch der als Hoffnungsträger angesehene Rüdiger Grube enttäuschte die Erwartungen der Bilb-Verantwortlichen.

Bahn bewegte sich nicht

Der Bilb-Initiator Wolfgang Roth-Greiner erinnerte daran, dass sich die Bahn im Jahr 2008 keinen Millimeter bewegt habe bei den Verhandlungen, eine „menschenverachtende sture Haltung“ an den Tag legte. Mit der stets parteiübergreifend angelegten Imitative sei man seinerzeit aber wohl zu früh dran gewesen, da sich Bundes- und Landespolitik etwas später eventuell mehr engagiert hätten, blickte Roth-Greiner zurück. Sein Mitstreiter Müller meinte hingegen, dass man auch davon sprechen könnte, zu spät dran gewesen zu sein. Doch erst einmal habe der Anlass bestehen müssen, um reagieren zu können.

Die Machbarkeitsstudie

Zumindest erreicht werden konnte laut Müller auf dem politischen Weg, dass die Stadt mit der Bahn eine Machbarkeitsstudie erarbeiten musste. Obwohl diese nach Einschätzung der Bürgerinitiative kein schlechtes Ergebnis hatte, habe die am 25. November 2008 vorliegende Studie keine Auswirkungen auf die abschließende Stellungnahme des Regierungspräsidiums gehabt. „Das war unser Grab.“

So folgte am 28. Januar 2010 die letzte relevante Sitzung des Projektbeirats, in der die Tunnelvariante abgelehnt wurde. Schon wenige Tage danach, am 1. Februar, wurde der Stadt der Planfeststellungsbeschluss zugestellt. Das Ergebnis habe offenbar schon länger vorgelegen, verwies Müller auf das 313 Seiten umfassende Werk.

Verbesserungen erreicht

Als „Zückerle“ bezeichnete Müller die dann doch erreichten Verbesserungen mit einem Umfang von zwölf bis 13 Millionen Euro. Dazu zählten die Baufeldfreimachung für die Tram-Brücke, der B3-Fußgängersteg in Haltingen und die verbesserten Lärmschutzwände sowie weitere Dinge wie leisere Weichen. Zudem sei der Lärmschutz zeitlich vorgezogen worden. Auch mit der Dachorganisation IG Bohr habe man etwas bewegen können.

Da nun politisch aber nichts mehr zu erreichen sei, entschied sich die Vorstandsspitze um Müller, Roth-Greiner und Kassierer Werner Sänger zur Auflösung der Initiative, die von einigen Vertretern der zuletzt 275 Mitglieder einstimmig im Juni beschlossen wurde. „Es war einfach die Luft raus“, erklärt Sänger. Und Müller bemerkt: „Die Bevölkerung hat sich mit der Situation abgefunden. Und die politische Fähigkeit, etwas zu bewegen, geht gegen null.“

OB dankt für Engagement

Dank richtete Müller abschließend an seine Mitstreiter, den früheren Vorsitzenden Eugen Katzenstein, Planer Albert Schmidt, den früheren Bürgermeister Klaus Eberhardt, den Bundestagsabgeordneten Armin Schuster und auch an OB Wolfgang Dietz. Dieser dankte für das eingebrachte ehrenamtliche Engagement. „Für die Stadtverwaltung war es sehr wichtig, einen in der Bürgerschaft organisierten Resonanzboden zu haben.“ Ohne die Bilb und die Bürger hätte es laut Dietz nicht so viele Verbesserungen gegeben, auch wenn diese im Vergleich zur Tieflage durchaus „Peanuts“ seien.

Stiftung erhöht Grundkapital

Der Vorsitzende der Bürgerstiftung, Jürgen Allweier, dankte für den Geldsegen, mit dem zum Teil das Grundkapital erhöht und zum Teil Projekte gefördert werden sollen. Zwar erhält auch die Stiftung aktuell wenig Zinsausschüttungen, doch: „Es werden hoffentlich andere profitieren“, setzt Allweier auf das langfristige Wirken.