Weil am Rhein Geheimnisvoller, kostbarer Glanz

Bernd Warkentin (links) und Rainer Grünzner in der Ausstellung. Foto: Gabriele Hauger

Weil am Rhein - Einen Warkentin erkennt man: 25 Marmor-Arbeiten des Lörracher Künstlers sind derzeit in der Weiler Stadtbibliothek ausgestellt – gemeinsam mit den seideschimmernden Werken von Grünzner. „Reflexionen in Marmor und Seide“ ist die Schau untertitelt.

Die kostbar weiß glänzenden, von mäandernden Linien durchzogenen Marmor-Skulpturen von Bernd Warkentin stehen auf Sockeln im Raum verteilt. Darunter viele bekannte, auch ältere Arbeiten; Abstrahiertes, aber auch ganz Aktuelles findet sich hier, organische Formen und Blumen, die die gleiche Haptik ausstrahlen wie fast alle Skulpturen des Künstlers. Ausgestellt sind auch menschliche Figuren, die er aktuell wieder stärker in den Vordergrund rückt.

Seiner Arbeitsweise, Skulpturen aus unterschiedlichen, wieder abnehmbaren Blöcken zusammenzusetzen, ist der Lörracher Künstler treu geblieben. Davon zeugt der erst letztes Jahr entstandene „Stammbaum“, der sich aus mehreren, maskenartigen Gesichtern zusammensetzt. Die „Verzweigung“ (2017) besteht aus vier unterschiedlich geformten Etagen, durchzogen von wunderbaren Verästelungen. Ein liegendes, einander zugewandtes Paar ist „Im Gespräch“ (2009) und schließt den Betrachter aus seiner intensiven Zweisamkeit aus. „Buch Anna Amalia“ aus Onyx ist ein aufgefaltetes Buch mit Spuren der Zerstörung, sich dennoch tapfer behauptend. Es sind arbeitsaufwendige Arbeiten, für die Warkentin zumeist wertvollen Statuario-Marmor aus Pietrasanta verwendet.

Figürlich sind auch seine kleinformatigeren Bronze-Skulpturen, oftmals als Paarung oder Gruppe: Hühner, Stiere, Katzen, mattgolden schimmernd.

Konzentrierte Beobachtungsgabe

Konzentrierte Beobachtungsgabe erfordern auch die von ihm gezeigten Bilder in Mischtechnik. Flechten, die Warkentin bei einer Wanderung auf dem Belchen entdeckte, inspirierten ihn zu Kohle- und Kreide-Zeichnungen auf verdünnter Acrylfarbe, was den Arbeiten einen zauberhaften Schimmer verleiht. Zeichnerische Akribie erforderte der gezeichnete Zeitungsstapel, Zeugnis von Vergangenem.

Eine sichere Hand und viel Geduld erfordern auch die sehr speziellen Seide-Arbeiten von Rainer Grünzner. Der Lörracher hat vor fast 40 Jahren diese sehr spezielle Technik entwickelt. Fäden, zwischen zwei und vier Millimetern Stärke, werden einzeln gedreht und aufgeklebt. Bei Kreisformen von innen beginnend, bei quadratischen von außen, setzt Grüzner Faden neben Faden, so akkurat, dass es wie maschinengefertigt wirkt. 70 Umdrehungen benötigt allein ein kleines Viereck, Korrekturen sind zwar möglich, aber höchst aufwendig. Mindestens drei Monate sitzt Grünzner an einem Bild. Der Effekt der dicht aneinandergereihten Seidenfäden, die unterschiedlich hell und dunkel schimmern, ist verblüffend. Je nach Position des Betrachters, wirken die Arbeiten anders, schälen sich Kopfkonturen oder Muster unterschiedlich heraus. Diese Vorgehensweise und Materialbeschaffenheit ermöglichen es Grünzner sogar, einfarbige Bilder zu kreieren. Auf Bewunderung stießen Grünzners Werke sogar im traditionell seideverliebten China. Laut Aussagen des Künstlers, ist es noch keinem gelungen, die Technik nachzuahmen.

Seine Motive findet Grünzner bei den Surrealisten, sie sind angereichert mit symbolischen Motiven, religiösen Anspielungen, Körper werden angedeutet, man sieht geometrische Formen oder spiegelbildlich ausgearbeitete Kreise – vieldeutig und geheimnisvoll. Entscheidend für die farbintensiven Werke ist der Einfall des Lichts. Im lichttechnisch nicht bestens ausgestatteten Ausstellungsraum, hat Grünzner daher eigens konstruierte Lichtquellen dazugesetzt.

Die Doppelschau zeigt als verbindendes Element den kostbaren Glanz des Materials, mit hohem Arbeitsaufwand geschaffen. Während Grünzer sich jedoch in konzentrierte Feinarbeit vertieft, lässt Warkentin mit Hammer und Meißel grobe Kräfte wirken. Zur vertieften Betrachtung fordern indes beide auf.

  • bis 16. März, Öffnungszeiten: Di und Fr ,13 bis 18, Mi von 10 bis 16 Uhr, Do von 13 bis 19 Uhr; 1. und 3. Samstag 10 bis 12 Uhr

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