Weil am Rhein Gemeinsam viel bewegen

Weiler Zeitung

Junge Menschen, die sich für Mitmenschen einsetzen: Der Leo-Club mit Sitz in Weil am Rhein macht mit einer Vielzahl von Aktionen auf sich aufmerksam. Nachwuchssorgen gibt es trotzdem.

Von Marco Fraune

Weil am Rhein. Die Friedlingerin Olivia Artemenko ist in den mittlerweile als Vorzeige-Verein zu bewertenden Club „reingestolpert“. Im Alter von 15 Jahren, also vor neun Jahren, begann alles mit einem Engagement bei der Schülerzeitung. Es folgten monatliche Ausflüge zu Bewohnern des Markus-Pflüger-Heims in Schopfheim-Wiechs. „Man merkt, dass man gebraucht wird“, erinnert sich die heutige Leo-Club-Präsidentin. Jeder habe seine Aufgabe gehabt, Treffs innerhalb und außerhalb der Schule standen an.

Eine entscheidende Rolle spielte bei diesen Aktionen seinerzeit ihr damaliger Lehrer Gerhard Laux. Als dieser dann 2009 die Schule wechselte, sollte das Engagement Bestand haben. Daher wurde der Leo-Club gegründet, der unter der Patenschaft des Lions-Clubs Weil am Rhein stand. Laux selbst bezeichnet sich mit einem Augenzwinkern als „Hebamme“, wobei der Abnabelungsprozess folgte. „Die Beziehungen sind dann gewachsen, was nicht selbstverständlich ist“, freut er sich über die folgende Entwicklung.

Die offizielle Gründungfeier stand am 19. September 2009 im Pflegeheim Markgräflerland in Weil an. Zusammen mit Mitgliedern des Lions-Clubs hatte das junge Ehepaar Leyla und Murat Kükner ein Gründungskonzept entwickelt, wobei Leyla Kükner als erste Präsidentin gewählt wurde, ihr Mann folgte ein Jahr später. Nunmehr steht Olivia Artemenko nach 2015 zum zweiten Mal für zwölf Monate an der Spitze, nachdem sie zwischenzeitlich aus privaten und beruflichen Gründen anderweitig gebunden war.

Vor fünf Jahren ist die heute 24-jährige Friedlingerin wieder in den Leo-Club eingetreten – „weil meine Freunde auch drin waren“, erzählt sie. Seitdem hat nicht nur diese Freundschaft Bestand, sondern auch neue Freundschaften sind entstanden. Unterschiedliche Aktionen wie die jährliche Hausbootfahrt, die auch für dieses Jahr wieder geplante Halloweendicso im Markus-Pflüger-Heim oder auch der verschiedene Besuche und Fahrten standen seitdem auf dem Programm. „Das sind Erlebnisse, die man sonst nicht hätte.“ Hinzu kommen noch die monatlichen Treffen.

Trotzdem sorgen sich die junge Präsidentin und der Leo-Beauftragte des Lions-Clubs Weil am Rhein, Claus Peter Pietruk, um den Leo-Nachwuchs. „Wir können in sechs Jahren nicht mehr Leos sein, wir brauchen Nachwuchs“, blickt Artemenko auf sich und ihre Freunde, die Gründungsmitglieder Markus Thamerus, Sophia Gutmann und auch Valentin Tesche.

„Die Leos kennt fast keiner“, glaubt die Friedlingerin. Zwar werde mit dem Verkauf von Crêpes, wie zuletzt beim Brückenfest der Fall, Aktionen, Spenden und das Vereinsleben finanziert, doch neue Interessierte kommen danach kaum. Auch bei Facebook und Instagram sind die Leos präsent. Doch, so Artemenko: „Man muss nach uns suchen, um uns zu finden.“ Daher hat sie das Gefühl, dass die Präsenz in den sozialen Netzwerken wenig bringt.

Weite Wege für mögliche Leos, die von den Schliengener Lions weitergelotst werden könnten, stellen einen weiteren Knackpunkt dar. Nach Weil mit dem Rad oder abends mit dem Zug wird es schwierig.

Hinzu kommt, dass es auch bei den anderen Leos in den verschiedenen Lions-Distrikten Nachwuchssorgen gibt, da es die jungen Leute in die weite Welt zieht. In den Uni-Städten gibt es zwar Leo-Clubs als neue Anlaufstelle, doch es fehlen insgesamt noch einige, blickt Pietruk über Südbaden hinaus.

„Es gibt wenige, von denen wir wissen, dass sie sich engagieren wollen“, ergänzt der Leo-Beauftragte. Denn es handelt sich zwar um einen Club, der zugleich ein Freundeskreis ist. Doch die Freunde wollen sich für die Mitmenschen einsetzen, diverse Aktionen planen und umsetzen. Mehr als 100 waren es schon seit der Clubgründung. Das Zeitbudget von Gleichaltrigen sei begrenzt, weiß die Leo-Präsidentin. „Und das einzige, was man braucht, ist Zeit.“ Das kann Pietruk nur unterstreichen, der den Club nicht für elitär hält. „Das einzig elitäre ist: Wir tun was.“

Als Leo-Beauftragter habe er wenig an Betreuung zu leisten. „Viel eingreifen muss man nicht. Es läuft im Wesentlichen.“ So gebe es auch viele gemeinsame Aktionen von Leos und Lions, wie beim Brückenfest der Fall, als Jung und Alt am Backeisen standen.

Wichtig sei einfach, gemeinsam an einem Strang zu ziehen. „Man merkt, dass man gemeinsam viel bewegen kann.“ So würden die Aktivitäten verbinden. „Und die Häufigkeit der Aktionen sind vorbildlich“, lobt der Leo-Beauftragte den möglichen Lions-Nachwuchs.

Bei der Gewinnung von neuen Mitgliedern schöpfen die Aktiven zumindest etwas Hoffnung. Zwei 14-jährige Mädchen wollen noch Mitglied werden. Durch die gemeinsamen Aktionen sei der Altersunterschied von zehn Jahren auch nicht mehr zu spüren. „Die neuesten Mitglieder fühlen sich als Teil des Teams.“

Während ihrer Präsidentschaftszeit will Artemenko daher auch dafür sorgen, dass die Weichen für die Zukunft ein wenig gestellt werden. „Für den Lebensweg ist es toll, die Erfahrungen zu sammeln“, wirbt Pietruk zudem unter anderem mit dem Verweis auf nationale und internationale Treffen von Leos.

Ganz oben auf der Prioritätenliste stehen für die Leos aber die lokalen Aktionen, und hier ganz besonders die Fortführung des Engagements im Markus-Pflüger-heim, also die Unternehmungen im Rahmen des übernommenen früheren Schulprojekts Begegnungen mit behinderten Menschen. Aber auch die Erweiterung des Projektes mit Kisel (Kinder suchtkranker Eltern) steht auf der Agenda.

 Das nächste Leo-Treffen findet am Freitag, 13. Oktober, ab 19 Uhr im Pflegeheim Markgräflerland, Römerstraße, in Weil am Rhein statt.

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