Weil am Rhein Generationen von Künstlern beherbergt

Weiler Zeitung

Weil am Rhein - Die Einweihung der Ateliers im Kesselhaus mit dem Kulturcafé Kesselhaus hat sich am Mittwoch zum 25. Mal gejährt. Heute folgt der zweite Teil der Geschichte und Entwicklung (den ersten Teil lesen Sie hier)

Künstlergruppen organisierten von Anfang an ungewöhnliche Ausstellungsprojekte wie „Wasserwerke“ im Grenzbereich des Flusses Wiese oder regelmäßige Open-Air-Projekte beim Inzlinger Wasserschloss.

Der Tulpenkünstler Max Meinrad Geiger initiierte die Herausgabe eines Kunstpostkartenkalenders, Gaby Roter wurde eingeladen, das Treppenhaus der Basler Post künstlerisch zu gestalten. Von ihr stammt auch die „Himmelsleiter“, die bei der Eröffnung des Hüninger Kulturzentrums Le Triangle als Geschenk der Stadt Weil am Rhein übergeben wurde.

Durch die Initiative der Künstlerin Veronica von Mutzenbecher entstanden zusammen mit anderen Kesselhaus-Künstlern Ausstellungen in französischen Schlössern und einem Kloster oder Projektaufträge in Paris und Reims. Jakob Gebert war beim internationalen Wettbewerb „Design for Europe“ der herausragende Teilnehmer und gestaltete für Vitra den in Serienproduktion gefertigten Stuhl „Taino“. Heute ist er Professor an der Kunsthochschule Kassel.

Die kreative Ideenschmiede wurde durch Beiträge zu vernetzten Kulturprojekten dokumentiert: wenn etwa Anne Marie Catherine Wieland öffentliche Kunstwerke als Performance mit Kindergärten aus drei Ländern gestaltete, Ildikó Csápó konzeptuelle Beiträge zum Kulturprojekt „Friedlinger Frieden“ verwirklichte und Fabienne Dombois den Genius Loci der unmittelbaren Umgebung durch dauerhaft installierte Zeitfenster weckte. Stefan Pangritz wurde Gestalter zahlreicher Plakate im kulturellen Leben der Stadt und Leiter des einstigen Programmkinos im Kesselhaus.

Auch Kunstvermittler

Einige Künstler waren und sind zugleich Kunstvermittler. Die Zeichen- und Malkurse von Paul Kochka-Thévénet, dem Bildhauer aus Lyon, und Holger H. Kröner waren stark gefragt. Sie blieben bis zu ihrem Tod langjährige Symbole für die Künstler in den Ateliers – genauso wie die Schweizer Hansueli Bäbler, der mehrmals das Auslandsstipendium der Merian-Stiftung für Orangenschalen-Projekte in Australien nutzte oder einer der Graffiti-Künstler der ersten Generation Sigi von Koeding, der unter dem Künstlernamen „Dare“ auch die Colab Gallery aufgebaut hatte und internationales Renommé genoss. Beide sind früh gestorben.

Der Schwede Lasse Brander war mit seiner Galerie Altes Rathaus in Inzlingen Anreger eines Kulturaustauschs innerhalb der Ateliers geworden. Während Gaby Roter durch seine Vermittlung öffentliche Aufträge und Stipendien in Stockholm erhalten hatte, waren zahlreiche schwedische Künstler durch Ausstellungen in der Region bekannt geworden. Mit Godi Kessler wurde zudem ein künstlerisch produktiver Gastronom gefunden, der sein Atelier in Zürich mit dem Schwarzenbach-Areal vertauschte.

Große Projekte

Erika Seifert-Weissmann und Minka Strickstrock wurden wie andere Kesselhaus-Künstler nicht nur durch Themenausstellungen in der städtischen Galerie Stapflehus repräsentiert, sondern auch durch Kunstprojekte für die Landesgartenschau 1999. Kathrin Stalder war bis Dezember noch vertreten – sie hat mit ihren vielen Auslandskontakten nach Südafrika, Taiwan oder England immer wieder für internationale Gastkünstler gesorgt, die auch vom Kulturamt ausgestellt wurden wie Wei Lin aus Taiwan.

Videokünstler wie Jan Bossert, Maik Burkhart oder Andi A. Müller, immerhin Schüler von Nam June Paik, oder die bekannten Graffiti-Künstler Smash137 alias Adrian Falkner, Wolfgang Krell oder der aktuelle Kurator der Colab Gallery, Stefan Winterle, zählten genauso zu den Atelier-Künstlern wie die renommierten Wolfgang Kastenholz, Susanne Roewer und Josef Zapf.

Keiner von diesen ersten beiden Künstler-Generationen ist noch Mieter bei der WWT, die mit Peter Krause, Angelika Hoffmann, Evelyn Liebert und heute Evelyne Renkert engagierte Ansprechpartner für die Künstler aufbot.

Seit dem Sommer 2001 leistete sich das Kulturzentrum mit Hilfe der Merian-Stiftung und der Stadt Lörrach eine weitere Attraktion: Bruce Childs aus Clarksville in Amerika und Ville Niska aus Helsinki waren die ersten Bewohner der Austausch-Ateliers.

Mehrere Preisträger

Von den heute in den Ateliers arbeitenden Künstlern haben Dorothee Rothbrust, Niels Tofahrn und Ildiko Csapò bereits den Markgräfler Kunstpreis erhalten. Alle drei sind bereits seit vielen Jahren genauso wie Patrick Luetzelschwab, der am kommenden Dienstag den Kunstpreis erhält, Galionsfiguren der Ateliers. Auch Isa Schäfer, Gabi Moll (die Vorsitzende der Friedlinger Stadtteil-Initiative), Volker Bessel, Brunone Morandi, Elisabeth Veith, Natascia Scarpa oder die heutige Atelier-Sprecherin Annros Steinmann oder Nicole Franke und die beiden Landscape-Künstler sind schon seit einigen Jahren dabei.

Nachfrage immer da

In jüngster Zeit sind noch der Schweizer Claude Karfiol, der Amerikaner Amont Logan, der Italiener Guiseppe Masini, die deutsche Künstlerin Gabrielle Krüger und die Initiative Fotografische Gesellschaft Dreiland hinzugekommen. Seit Jahren trifft man sich im Kulturcafé von Olaf und Simone Zwieg.

Die Fluktuationen konnten bei den Atelier-Nutzungen ohne Pausen bewältigt werden, denn eine Nachfrage gab es bislang immer. Gemeinsame Feiertage waren in den 25 Jahren immer der erste Sonntag im Dezember beim Tag der offenen Ateliers, der häufig ergänzt wurde durch Atelier-Nächte oder weitere Aktionen. In Ausstellungen wurde das Kesselhaus oft als Gruppe präsentiert.

Mit Einrichtungen im Umfeld der Kesselhaus-Ateliers wie dem Kunstzentrum der Weiler Volkshochschule, der Firma „Showtime Movies“, der Tanzschule Cyranek, dem Trinationalen Umweltzentrum, grafischen Betrieben oder der Kesselhaus-Brauerei mit Craft-Bieren und dem aktuell ausgesetzten Kulturbetrieb des Kulturamts und des Vereins Kulturzentrum Kesselhaus erzeugen die Ateliers im Kesselhaus seit 25 Jahren eine überregional nachhaltige Ausstrahlung, freuen sich die Verantwortlichen.

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