Weil am Rhein Gesund bleiben und sich wohlfühlen

Weiler Zeitung
Die Moderatorin und Gesundheitsfördererin Patricia König zeigt den Schülern, wie wichtig gesunde Ernährung und Bewegung sind. Fotos: zVg Foto: Weiler Zeitung

Weil die Kindheit prägend für den späteren Lebensstil ist, soll mit dem Programm „Klasse 2000“ schon in der Grundschule Gesundheitsförderung und Prävention betrieben werden. Rektor Reiner Kaiser hat mittlerweile in allen Klassen der Grundschule Vorderes Kandertal die Kompetenzstärkung in den Stundenplan eingetragen.

Von Marco Fraune

Weil am Rhein/Binzen. Die Kinder sollen zu starken und gesunden Persönlichkeiten entwickelt werden. „Das braucht die Gesellschaft“, ist der Pädagoge überzeugt. Diese Erkenntnis ist nicht neu, sondern schon vor vier Jahren wurde hier das erste Kapitel der heute als Erfolg gewerteten Geschichte geschrieben.

Mit einer zweiten Klasse gestartet

Unterstützer bei dem Anliegen, den Gesundheitsaspekt in die DNA seiner Schule zu implementieren, fand der Rektor in Karsten Pabst und Christian Baumann, den aktuellen Präsidenten des Lions-Clubs Schliengen und seinem Vorgänger. Nachdem seinerzeit mit der zweiten Klasse begonnen wurde, hat der Club der Schule mit der Förderung die Treue gehalten, sodass mittlerweile die gesamte Schule in den Genuss des bundesweit größten Programms zur Gesundheitsförderung, Sucht- und Gewaltvorbeugung im Grundschulalter kommt. „Wenn wir was machen, dann machen wir es richtig“, freut sich Baumann über diese Entwicklung. 19 Klassen sind es aktuell, die damit an der Grundschule Vorderes Kandertal gefördert werden.

Zentrale Themen mit Lehrplan verbunden

Fünf große Themen werden mit „Klasse 2000“ behandelt. Dazu zählen „Gesund essen und trinken“ (Wasser als Durstlöscher und fünf mal täglich Obst und Gemüse essen), „Bewegen und entspannen“ (regelmäßige Bewegungspausen und Atementspannung), „sich selbst mögen und Freunde haben“ (eigene Stärken kennen, freundlich miteinander umgehen), „Probleme und Konflikte lösen“ (Strategien im Umgang mit Angst und Wut entwickeln) sowie „Kritisch denken und Nein-Sagen“ (zu Tabak, Alkohol und bei Gruppendruck).

„Das Programm lässt sich sehr gut in den Lehrplan integrieren“, sieht der Rektor praktische Vorzüge. Doch auch inhaltlich ist er überzeugt. So handele es sich um ein pädagogisches Konzept, das mit einer klaren Struktur hinterlegt ist.

Gesundheitsförderin unterstützt die Schule

Die ständige Evaluation sowie die praktischen Anwendungsmöglichkeiten schätzt der Binzener Schulleiter ebenfalls. Hinzu komme, dass nicht nur Lehrer bei der Vermittlung mithelfen, sondern auch ein Experte von außen. In Binzen ist es die Moderatorin und Gesundheitsförderin Patricia König, die zwei Mal im Jahr in die Klassen sowie zu Elternabenden geht und Lehrer mit neuem Input versorgt.

Eine „Klaro“-Figur soll bei den Kindern das Gesundheitsbewusstsein wach halten. Begleitendes Unterrichtsmaterial hilft zudem den Pädagogen bei der ansprechenden und nachhaltigen Vermittlung. Diese entscheiden auch, welche Aspekte aus dem Programm für sie jeweils zielführend sind, was in den Unterricht passt.

Schwierigkeiten zu Beginn gemeistert

Als die Grundschule Vorderes Kandertal mit ihren aktuell 375 Schülern und 31 Lehrern an vier Standorten gestartet ist, musste der Bildungsplanbezug als erste kleine Hürde erst einmal überwunden werden. Als etwas schwierig erwies sich beispielsweise, wenn die Atmung im Programm schon frühzeitiger vorgesehen war als im Lehrplan. Doch darüber könne man durchaus hinweg sehen, findet Rektor Kaiser. „Durch die spätere Wiederholung findet auch ein Lerneffekt statt“, sieht er die positive Seite. Mittlerweile hätten sich solche Punkte zudem eingespielt. Dies liege auch daran, dass das gesamte Kollegium vom Programm überzeugt sei und mitziehe.

Zahlreiche Klassen werden unterstützt

Allein im Bereich des Lions-Clubs Schliengen werden rund 30 Klassen beim Programm unterstützt, der Weiler Lions-Club sorgt ab Januar dafür, dass in der Rheinschule das Programm in drei Klasse umgesetzt werden kann, und der Lörracher Lions-Club finanziert zwei Klassen an der Hellbergschule in der Lerchenstadt. 220 Euro pro Klasse und pro Jahr fließen als Förderung. „Wichtig ist aber, dass die Leitung der Schule von dem Konzept überzeugt ist“, unterstreicht Baumann. Es müsse eine Offenheit bestehen, das Thema weiterzuentwickeln.

Jede Schule sei für „Klasse 2000“ geeignet, erläutert der Binzener Rektor. Dass es in seinem Bildungshaus eine „heile Welt auf dem Land“ gibt, sei nicht der Fall. Auch hier hätten einige Kinder Probleme mit dem sozial-emotionalen Lernen. „Einige Kinder genießen nicht mehr die Erziehung im Elternhaus.“ So würden deren Eltern diese Arbeit an die Schule abgeben wollen. Daher obliege es dann schon den Kindergärten und später der Schule, darauf hinzuwirken, dass die Kinder in einer größeren Gruppe ihren Platz finden. „Das Programm enthält auch das soziale Miteinander“, setzt Kaiser auf diese Vermittlung.

Evaluation zeigt positiven Effekt

Ob tatsächlich die Botschaft ankommt, dass die Kinder selbst etwas dafür tun können, gesund zu bleiben und sich wohlzufühlen, kann der Binzener Schulleiter schwer einschätzen. „Wir können das nicht überprüfen.“ Die Lehrer würden jedoch zurückmelden, dass die Kinder motiviert sind. Auch die Schüler handeln. Beim Sportunterricht gehen die Viertklässler mittlerweile sehr gut miteinander um, bemerkt Sportlehrer Kaiser Fortschritte im sozialen Lernen. „Die Kinder haben sich Kompetenzen angeeignet.“ „Klasse 2000“ sei hier ein kleines Modul, um zum Positiven beizutragen.

Außerdem zeigten Langzeitstudien, dass Kinder im Mittel viel gesünder leben, weniger aggressiv sind und mit Problemen umgehen können. Baumann: „20 Prozent sind weniger übergewichtig und gewalttätig sowie greifen weniger zu Drogen.“

Doch wichtig sei, ständig am Ball zu bleiben, setzt Kaiser auf die Kontinuität. Jedes Jahr würden schließlich neue Kinder eingeschult. Neben dem ganzheitlichen Ansatz sieht Baumann daher die Langfristigkeit als zentralen Punkt an. Die Grundschule Vorderes Kandertal will nun das entsprechende Zertifikat anstreben und die Gesundheitsförderung und Prävention im Leitbild verankern.

Umfrage

Altkanzler Gerhard Schröder

Was halten Sie davon, dass Alt-Kanzler Gerhard Schröder SPD-Mitglied bleiben darf?

Ergebnis anzeigen
loading