Weil am Rhein Gymnasiastinnen unterstützen jüngere Grundschüler

Bei der Spendenübergabe: (hinten v.l.) Kerstin Galinski, Alicia Jenner, Barbara Krumbein-Keller, Annette Huber, Jürgen Allweier (beide Bürgerstiftung) sowie (vorne v.l.) Leonie Fiebich, Raja Hollnagel und Mirjana Stifter. Foto: Marco Fraune Foto: Weiler Zeitung

Von Marco Fraune

Weil am Rhein. Ein besonderes Projekt ist in diesem Schuljahr in Weil am Rhein gestartet: Vier Elftklässlerinnen des Oberrhein-Gymnasiums kümmern sich jede Woche etwa eine Stunde lang um junge Schüler der Karl-Tschamber-Schule. Verschiedene Kompetenzen werden dadurch gefördert. Die Bürgerstiftung Weil am Rhein zeigte sich begeistert von dem Projekt „Balu und du“ und unterstützt es mit einer Spende.

Beachtenswerter als die Überreichung des symbolischen Schecks war gestern, was die vier Elftklässerinnen und die Projektleiterin Barbara Krumbein-Keller schilderten: Raja Hollnagel (16) verbringt ihre Zeit mit einer aus Vietnam stammenden Zweitklässlerin häufig in der Stadtbibliothek. Die Achtjährige bekommt etwas vorgelesen, beide unterhalten sich und die Sprachkompetenz steigt. Auch bei der Gymnasiastin, die schon einige Wörter Vietnamesisch kann. Zum Eis essen oder zum Radfahren geht es auch.

Sich gegenseitig annähern und gesellschaftliche Barrieren überwinden, sei ein Ziel, erklärte OGW-Schulleiterin Silke Wießner. Gegen Fremdenfeindlichkeit werde so damit auch vorgegangen. „Wir können lernen, von anderen zu lernen und Verständnis zu entwickeln.“

„Mein Mogli“ nennt auch Leonie Fiebich (17) ihre neunjährige Grundschülerin, die vor drei Jahren aus Syrien nach Deutschland kam. „Sie hat sich ziemlich schnell geöffnet“, freut sich die 17-Jährige nicht nur über die besseren Deutschkenntnisse. Die gemeinsamen Treffen und Spiele finden dabei an unterschiedlichen Orten statt.

Die Projektleiterin Krumbein-Keller liest in den von den Schülerinnen zu fertigenden wöchentlichen Tagebüchern davon und kommentiert die Einträge. Denn das schulübergreifende Projekt soll nicht nur das Selbstvertrauen der ausgewählten Grundschüler stärken, sondern den Gymnasiastinnen ebenso als besondere Lernleistung im Zeugnis zu Gute kommen.

Trennung der Tandems nach einem Jahr

Nicht ganz so einfach ist die Ortswahl aber für Alicia Jenner (16), die sich mit einem Achtjährigen mit russischen Wurzeln gerne in der Weiler Stadtbibliothek treffen würde, doch diese hat an ihrem festen Treffentag montags zu. Mal geht es daher zum Kaufring, um sich Spielzeug anzusehen, ein anderes Mal auf den Schulhof zum Fußballspielen. „Mit Jungen geht man zu anderen Orten.“ Zu teuer darf es nicht werden, da je Tandem nur zehn Euro monatlich gezahlt werden. Diese Erfahrung machte auch Mirjana Stifter (16), die sich um einen siebenjährigen albanischen Jungen kümmert: Fußball, Brettspiele oder Basteln stehen beispielsweise an.

Die vier Gymnasiastinnen haben aber schon gemerkt, dass eine Stunde recht kurz ist, weshalb sie gerne mal länger Zeit mit ihren „Moglis“ verbringen. Es entstehen durchaus freundschaftliche Bindungen. Klar ist aber, dass das Projekt auf ein Jahr angelegt ist und dann ein Abschiedsfest ansteht. „Das Leben besteht aus Abschieden. Das ist auch eine Erfahrung“, weiß Schulsozialarbeiterin Kerstin Galinski. Es werde aber sicher auch Gespanne geben, die sich später noch privat treffen, glaubt die Projektleiterin.

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