Weil am Rhein Hilfsgüter gehen auf die Reise

Saskia Scherer

Reger Betrieb herrscht am Donnerstagvormittag beim Sammellager für Sachspenden bei der Firma Dermata in Märkt. Ein Laster wird mit tonnenweise Hilfsgütern beladen, die dann direkt in die Ukraine transportiert werden.

Von Saskia Scherer

Weil am Rhein. Schon beim Abbiegen auf die Straße „Im Wörth“ macht ein Schild auf das Lager aufmerksam, ein zweites ist an der Zufahrt zur Firma angebracht. Auf dem Hof steht ein Laster, der Stück für Stück beladen wird – mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln und Medikamenten. Aber auch Matratzen, Lattenroste, Schlafsäcke und Isomatten finden sich unter den Hilfsgütern. Es handelt sich schon um den zweiten Laster, der sich von Märkt aus auf die Reise machen wird, weiß Nikolai Prokoptschuk von der sozialen Einrichtung „S’Einlädele“ in Freiburg, über die das Hilfsprojekt läuft. Am Freitag kommt der nächste Lkw.

Hilfe von allen Seiten

Vor Ort ist auch der Weiler Apotheker Thomas Harms, der zudem Vorsitzender des Vereins „Kinderhilfe Kiew“ ist und die Spendensammlung initiiert hat. Firmenchef Friedemann Theil stellte dafür sein Lager kurzfristig zur Verfügung, so dass überhaupt gesammelt werden konnte. Harms freut sich riesig über die große Spendenbereitschaft. Weil mittlerweile auch die Deutsche Apothekerzeitung auf die Aktion aufmerksam gemacht habe, erreichten ihn sogar Spenden aus Frankfurt und Bremerhaven. „Eine Familie hat 5000 Euro überwiesen“, erzählt der KiHev-Vorsitzende. Er hebt auch das Engagement der Firma Hieber hervor, und die Firma Koch aus Weil habe eine Tonne Reis geliefert. 2000 Euro, Kleider, Schlafsäcke und Decken gab es vom Weiler „Dunnschtig-Stammtisch“ – um nur einige Spender zu nennen. Und nicht zu vergessen die Benefiz-Aktion am Samstag in der Innenstadt, bei der 11 000 Euro zusammenkamen.

Rund 50 Helfer

Eine der freiwilligen Helferinnen ist Nadine Süss aus Rheinfelden. Sie ist über einen Post bei WhatsApp auf die Aktion aufmerksam geworden und seit der ersten Woche dabei – seit drei Wochen wird in Märkt gesammelt. „Wir sortieren die Sachen und packen sie in Kisten ein, die dann entsprechend beschriftet werden“, erklärt sie. Anschließend geht es ans Beladen. Die WhatsApp-Gruppe umfasst mittlerweile rund 50 ehrenamtliche Helfer. Gearbeitet wird in zwei Schichten. Prokoptschuks Sohn Daniel hat eine Tabelle erstellt, in die jeder eintragen kann, wann er Zeit hat. Außerdem startete er selbst einen Aufruf im Freundeskreis. Das Weiler Ehepaar Renate und Erich Ludin bringt jeden Morgen selbstgebackenen Kuchen, Muffins und Waie für die Helfer.

Nach dem Beladen geht es mit dem Laster auf die Waage und zum Zoll, für die Ausfuhrerklärung, erklärt Nikolai Prokoptschuk. Wenn die Papiere fertig sind, führt die Fahrt direkt in die Ukraine, „so weit rein wie möglich“. Dort werden die Waren dann entgegengenommen und zum Teil direkt in kleinere Lieferwagen umgeladen. Das Verfahren beim Zoll sei vereinfacht und vergünstig, freut sich Prokoptschuk. Als der Krieg begann, war er übrigens selbst gerade zu Besuch in der Ukraine.

Es wird weiter gesammelt

Nach wie vor werden Hilfsgüter – außer Kleidung – benötigt. „Es hört ja nicht auf“, sagt Harms. Noch etwa bis zum Monatsende werde das Lager bei Dermata genutzt. „Wir wollen Herrn Theil ja nicht ewig auf die Pelle rücken.“ Eine Alternative hat der Apotheker bereits im Blick. Zum Abschied sagt er zu Nikolai Prokoptschuk: „Wenn Sie etwas brauchen – ich finde immer einen Weg.“

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