Weil am Rhein Hingucker, Botschaft und Mahnmal

Jürgen Scharf

Von Jürgen Scharf

Weil am Rhein - Ein eindrückliches Environment steht im Garten vor den Fenstern der Galerie Stahlberger: ein Schiff aus Plastikkanistern, zusammengesetzt im Maßstab 1:50 nach einem realen Containerschiff. Nicht nur ein Hingucker für die Passanten, sondern ein Mahnmal, eine Botschaft und ein künstlerisches Manifest. Mit dem zeitkritischen Statement „Plastic Ocean“ weist Niels Tofahrn sehr passend auf die Verschmutzung der Meere hin.

Tofahrn ist einer von drei Kunstpreisträgern der Sparkasse Markgräflerland, die unter dem von Galeristin Ria Stahlberger vorgegebenen Ausstellungstitel „Auswege“ Thematisches beitragen und Auswege aus den gegenwärtigen misslichen Situationen und Krisen suchen.

Jeder Künstler hat seinen eigenen Raum. Nachdem man im Vorraum allen dreien, Patrick Luetzelschwab, Konstantin Weber und Niels Tofahrn begegnet ist, steht man im ersten Raum vor den spannenden Cyanotypien und Fotodrucken Tofahrns. In der Serie „Fluid“ sind mit der Panoramafunktion der Handykamera Kirchenmotive, etwa das Basler Münster und die Klosterkirche Schöntal, in der vertikalen Bewegung festgehalten.

Als Bildhauer wollte Tofahrn diese kombinierten, hinter Plexiglas gelegten Fotoarbeiten objekthafter haben und hat darum die Fehlstellen ausgesägt, was den „barock anmutenden Architekturfotomontagen“ (Kunsthistorikerin Heike Piehler) Konturen und mehr Räumlichkeit gibt.

Zauberhaft sind Tofahrns Cyanotypien, eine alte fotografische der Belichtungstechnik, bei der das Malerische hinzutritt. Magische Schwarzwaldlandschaften wirken dadurch fast surreal. Ein aufwändiges Verfahren wendet Tofahrn in Selfies im Miniformat an, indem er seinen Kopf mit Schädelformen von Röntgenaufnahmen kombiniert – mit dem Ergebnis ausdrucksstarker, wesenhafter, verfremdeter Gesichter. Ein Selfie mit Maske führt in den Raum zwei.

In der Siebdruck-Reihe „Tüllinger“ von Patrick Luetzelschwab taucht auf den neblig verhangenen Wegen schon mal eine verlorene blaue Maske auf – ein Menetekel der vergangenen und für Künstler schwierigen zwei Jahre. Der Grafiker und Maler hat die Pandemiezeit für Waldspaziergänge genutzt und fällt durch neue Ideen auf, die von der Materialität wirkungsvoll sind.

Komplexes Thema

Die Serie „Am Hohfelsen“ zeigt sich von der Behandlung des Materials radikal neu. Bäume, abgestorbene Stämme, Äste werden auf Holzfurnier gedruckt und mit Rakeltechnik überarbeitet. Die fotografischen Motive, die auf den Siebdruck übertragen werden, erscheinen so malerischer und mehrschichtiger.

Jeder der drei Künstler ist mit dem komplexen Thema individuell umgegangen. Ob der Mann im Anzug auf einem großen Ölbild von Konstantin Weber wirklich einen „Ausweg“ durch den dunklen Tann ins helle Licht findet, ist noch die Frage. Weber hat die männliche Gestalt von hinten gemalt, es ist ein „Durch Nacht zum Licht“-Motiv, das man, wie die Referentin, in der Tat mit Caspar David Friedrichs Rückenfiguren in Verbindung bringen kann.

Eine nächtliche bizarre Szenerie ist Webers „Serenade“ mit einem Streichquartett im fahlen Licht, das halb im Wasser versunken ist. Der vehemente und dynamische Pinselgestus unterstreicht die wogenden Wellen und die irreale Atmosphäre dieser „Wassermusik“. Webers kleine Serie schöner Schwarzwaldlandschaften mit fein erfasster Stimmung ist ebenfalls sehr sehenswert – wie die ganze Ausstellung.  Bis 17. Juli, Di-Sa 16-18 Uhr

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