Weil am Rhein Imaginationen der Natur

Blick in die AusstellungFoto: Gabriele Hauger Foto: Weiler Zeitung

Von Gabriele Hauger

Weil am Rhein. Papier ist ein faszinierendes Material, das in der Kunst schon lange seinen Platz hat, in jüngster Zeit jedoch zunehmend in die Öffentlichkeit rückt. Seine filigrane Beschaffenheit, die dennoch fast alles erlaubt, ist Herausforderung und Inspiration zugleich.

Von der Malerei kommend, hat sich Hannelore Weitbrecht aus Kirchheim unter Teck dem Material zugewandt. Viel beachtet war ihre jüngste Ausstellung im Sommer im Hans-Thoma-Museum in Bernau anlässlich der Verleihung des Naturenergie-Förderpreises. 2018 war sie an einer Ausstellung im Lörracher Dreiländermuseum beteiligt. Nun zeigt die in Waldshut geborene Künstlerin unter dem Titel „Naturimagination“ Papierarbeiten und Installationen im „Underground – Frei Raum für Kunst“ von Rolf Frei in Haltingen.

Ihre Arbeiten spiegeln einen intensiven Dialog mit der Natur wider. Die Prozesse des Wandels, des Wachsens und Vergehens, aber auch die Bedrohung der Natur inspirieren die Künstlerin. Sie sieht in dem Werkstoff Medium und Informationsspeicher. Ihre Arbeiten zeigen organische Formen voller Schönheit, die das Keimen und Ernähren assoziieren. Eine große Installation, bestehend aus Dutzenden, an Krabbeltiere erinnernden Objekten aus Papier, Draht und Farbe, die die Einladungskarte ziert, kann aufgrund technischer Details zwar nicht gezeigt werden. Doch auch ohne diesen Hingucker erstaunt die Schau mit ihrer Vielschichtigkeit der mit viel Akribie und Hingabe geschaffenen Arbeiten.

Blüten, Fruchtstände, Zweige, vielfach in Weitbrechts Garten gesammelt, den sie als Kosmos im Kleinen wahrnimmt, dienen der Künstlerin als Materialien. Der Rhythmus der Natur spiegelt sich in ihren Werken ebenso wie deren Bedrohung durch Monokulturen und den unbedingten Willen des Menschen, sich die Natur, ihr Wachsen, Gedeihen, ihre Nutzbarkeit zu eigen zu machen.

Symmetrisch an die Wand gehängte schwarze Schalen beinhalten keimende Samen und werden zur Installation angeordnet. Sie sprechen von Landschaftsstrukturierung und Eingrenzung. An anderer Stelle wachsen Äste durch lamellenartig angeordnete Buchseiten, verweisen auf die Dualität der großen Weisheit der Natur und dem angelesenen, angelernten Wissen des Menschen. Getrocknete Blüten werden von papiernen Horizontalen eingegrenzt, geometrisch angeordnet, wie es die Natur niemals tun würde – gleichzeitig faszinierend schön. Holz-Spaliere umkreisen getrocknete Blüten; eine glänzende papierne Pyramide wiederum widmet sich ganz der wunderbaren Gestaltungsmöglichkeiten, die Papier bietet. Deckenhoch eine Säule aus Papierscheiben, während sich Mohnkapseln auf Papierstelzen zu filigranen Wesen mit tentakelartigen Armen formen.

Im Untergrund, sinnigerweise in einem ehemaligen Kohlenkeller platziert, warten große pechschwarze Schöpfkellen darauf, befüllt zu werden – eine kraftvolle, markante Installation, die einen Kontrast zu den organischen Formen bildet, die von üppigem Wachstum sprechen. In Schaukästen kombinierte Naturmaterialien lenken den Blick auf das Säen, Keimen und Ernten. Weitbrecht begibt sich mit ihren Arbeiten in einen schöpferischen Prozess, macht sensibel für die Kraft und Poesie, aber auch die Bedrohtheit der Natur.  bis 15. November, Fr und So, 14 bis 18 Uhr oder Tel. 07621/1612672, Eimeldingerweg 16, Weil-Haltingen

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