Weil am Rhein „Kinder, bringt euch ein!“

Michaela Rimkus an ihren Arbeitsplatz: Sie freut sich über Anregungen von Kindern und Jugendlichen, wie man die Stadt besser gestalten könnte. Foto: Siegfried Feuchter Foto: Weiler Zeitung

Von Alexandra Günzschel

Weil am Rhein. Als eine von wenigen Städten in Deutschland macht Weil am Rhein bei dem vierjährigen Pilotprojekt „Kinderfreundliche Kommune“ mit. Die Initiative von Unicef und dem Deutschen Kinderhilfswerk wird auch vom Familienministerium in Berlin unterstützt. In einer ersten Phase geht es nun darum, den „Status quo“ zu ermitteln.

Projektleiterin ist Michaela Rimkus, die nach einer längeren Familienpause seit Anfang Februar wieder bei der Stadt arbeitet und sich dort voll und ganz dem Thema Kinderfreundlichkeit widmet. Mit Kindern sind bei diesem Projekt alle Einwohner unter 18 Jahren gemeint.

„Wir haben schon einen großen Teil an Informationen zusammengetragen“, sagt Michaela Rimkus nach dem ersten halben Jahr. Als Beispiel dafür, warum dies auch dringend nötig ist, führt sie eine Umfrage der Stiftung für Zukunftsfragen unter 14-Jährigen an. Unter zehn europäischen Ländern bildete Deutschland da das Schlusslicht bei der Zufriedenheit der Jugendlichen. „Nur jeder siebte ist hier eigentlich noch zufrieden“, fasst Michaela Rimkus das Ergebnis zusammen.

Das Projekt „Kinderfreundliche Kommune“ ist in Europa nicht unbekannt. In vielen südeuropäischen Ländern, aber auch in der Schweiz wird es bereits durchgeführt. Oberbürgermeister Wolfgang Dietz erfuhr bei einem Besuch in Riehen von der Initiative und trug die Idee mit in die Verwaltung und den Gemeinderat. Das Projekt kam gut an, und die Stadt bewarb sich – offenbar genau zum richtigen Zeitpunkt – mit Erfolg. Am 31. Januar war die Auftaktveranstaltung in Berlin.

Regelmäßig finden nun Treffen der Verantwortlichen in den sieben am Pilotprojekt beteiligten Kommunen statt. Gemeinsam wollen sie an einer effizienteren Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention arbeiten. Im Fokus steht dabei der Artikel 12, der besagt, dass sich Kinder eine eigene Meinung bilden und diese auch äußern dürfen sollten. Die Vorstellungen der Kinder sollen dann nach Möglichkeit auch berücksichtigt werden.

Eine wichtige Aufgabe für Michaela Rimkus ist es daher, möglichst viele Minderjährige zu erreichen. Dafür spricht sie mit den Schulen, dem Jugendparlament und den Jugendzentren. Sie geht aber auch mit Streetworkern auf Achse und stellt sich den Jugendlichen, die sie dort trifft, vor. „Leute, wir wollen wissen, wie es euch geht und was ihr wollt“, lautet dabei ihre Botschaft.

Vor den Sommerferien erfolgreich abgeschlossen werden konnte eine Umfrage unter den bisherigen Weiler Fünftklässlern. Zwölf von 14 Klassen machten mit. Und von 296 Kindern, deren Eltern daraufhin angeschrieben wurden, erhielten 224 die Zustimmung zur Teilnahme. „Das ist ein Rücklauf von rund 75 Prozent“, freut sich Michaela Rimkus. Die Ergebnisse werden nun vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) in Frankfurt ausgewertet. In der anonymen Umfrage wird viel nach Mitbestimmungsmöglichkeiten in Familie, Schule oder Stadt, aber auch nach beliebten Freizeitbeschäftigungen gefragt.

In einem nächsten Schritt wird es dann darum gehen, aus den Ergebnissen einen Aktionsplan zu erstellen. Hierbei ist die Partizipation von Kindern und Jugendlichen ein wichtiger Aspekt. In Workshops sollen sie sich an der Ausarbeitung beteiligen.

Nach zwei Jahren, zur Halbzeit des Projekts, sollen einige sinnvolle Maßnahmen mit klaren Terminvorgaben beschlossen sein und dann auch zielstrebig umgesetzt werden.

Eine Anlaufstelle ist jedenfalls geschaffen, und Michaela Rimkus fordert alle jungen Einwohner der Stadt Weil am Rhein dazu auf: „Kinder bringt euch ein!“

An der auf vier Jahre angesetzten Pilotphase nehmen die Kommunen Senftenberg (26 177 Einwohner), Weil am Rhein (29 744 Einwohner), Hanau (90 762), Wolfsburg (121 237 Einwohner), Regensburg (135 520), Halle/Saale (232 963) und Köln (eine Million) teil.

Kontakt: Michaela Rimkus, Telefon 07621 / 704-154 oder E-Mail: m.rimkus@weil-am-rhein.de.

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