Weil am Rhein (jas). Kinder haben das Recht, bei allen Fragen, die sie betreffen, sich zu informieren, mitzubestimmen und zu sagen, was sie denken. Um die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen umzusetzen, beteiligt sich die Stadt am Pilotprojekt „Kinderfreundliche Kommune“. Dabei sind gerade Kinder und Jugendliche gefragt, sich einzubringen. Im vorigen Jahr hatte es dazu unter anderem „Streifzüge“ mit ihnen durch Alt-Weil und in der Innenstadt gegeben. Nun geht es am kommenden Freitag durch Friedlingen. Über den Stand der Dinge und die nächsten Ziele des Pilotprojekts sprach Jasmin Soltani mit Projektleiterin Michaela Rimkus. Frau Rimkus, wie groß ist das Interesse der jungen Leute am Pilotprojekt „Kinderfreundliche Kommune“" Grundsätzlich ist es schwierig, Jugendliche zu erreichen, aber diejenigen, die dabei sind, bringen sich mit guten Ideen ein und haben auch den Eindruck, dass sich die Erwachsenen der Ideen annehmen. Das ist ein wichtiger Punkt. Denn eine Aufgabe des gesamten Prozesses ist es, den Jugendlichen klarzumachen, dass ihre Meinung gefragt ist. Das waren sie bislang eher nicht gewöhnt, außer bei Bauvorhaben der Stadt, wo sie bereits beteiligt wurden. Aber künftig soll das für alle Verwaltungsbereiche gelten – wenn Belange der Jugend tangiert sind. Bei den Workshops können sie die Erfahrung machen, dass ihre Beteiligung erwünscht ist und dass sie ernstgenommen werden. Sie sind also mit der bisherigen Entwicklung seit Beginn des Prozesses Ende Oktober 2012 zufrieden. Ich finde, wir stehen ganz gut da: Beim ersten Workshop haben 28 junge Leute mitgemacht, und auch beim kreativen Spiel „Stadtspieler“ gab es interessante Ideen, obwohl die Anmeldungen leider gering ausgefallen waren. Aber unsere Junior-Sachverständigen, Elene Brossard, Vanessa Becker und Yafet Zewde konnten an dem Samstag noch spontan drei Heranwachsende zur Teilnahme bewegen. Auf solche Situationen muss man sich einlassen, wenn man mit jungen Menschen zusammenarbeitet. Beim nächsten Workshop „Streifzüge“ geht es nach Friedlingen. Wie groß ist hier das Interesse" Wir haben enorm viel geworben, indem wir alle Schulen mit Infomaterial versorgt haben. Wir baten die Klassenlehrer, über das Vorhaben zu informieren. Bei den Grundschülern hat zusätzlich jedes Kind ein Anschreiben mitbekommen – mit einem Abschnitt zur Teilnahmeerlaubnis durch die Eltern sowie einem weiteren zur Bildfreigabe. Ab der fünften Klasse können sich die Schüler in eine Liste eintragen. Die Erklärung für die Bildfreigabe müssen sie zu Hause unterschreiben lassen. Rückmeldungen erwarte ich bis Mittwoch. Aber auch über die Jugendhäuser und das neue Jugendparlament haben wir für den Streifzug durch Friedlingen geworben. Haben Sie in Anbetracht der hohen Ausländerzahl in Friedlingen auch Flyer auf türkisch oder einer andren Fremdsprache verteilt" Nein, eben weil die Information im Wesentlichen über die Schulen lief und auch, weil die Schüler in der Regel der deutschen Sprache mächtig sind. Wohin wird es am Freitag konkret gehen" Wir starten im Mehrgenerationenhaus der O.M.A in der Riedlistraße mit einer Einführung und dann geht es in zwei oder drei Gruppen – je nach Zahl der Teilnehmer –­ durch die Gebiete nördlich und südlich der Hauptstraße bis zum Rheinpark. Anschließend geht es zurück ins Mehrgenerationenhaus, um die Erkenntnisse aufzuarbeiten. Wird es auch „Streifzüge“ durch die Stadtteile geben" Grundsätzlich ja. In Haltingen ist der Workshop in den Osterferien geplant. Für Ötlingen und Märkt stehen die Termine noch nicht fest. Wie geht es mit dem Pilotprojekt dann weiter" Ein Meilenstein wird der Aktionsplan sein, dessen Entwurf noch vor der Sommerpause des Gemeinderates formuliert sein sollte. Im September soll er dann fertig sein und beim Verein „Kinderfreundliche Kommune“ eingereicht werden. Darin werden wir dann formulieren, welche Ziele die Stadt als kinderfreundliche Kommune erreichen will, wer für die Umsetzung zuständig sein soll und welchen Zeitraum wir für die Realisierung der einzelnen Ziele vorsehen. Der Aktionsplan wird von der Sachverständigenkommission geprüft. Sollten wir das Siegel als „Kinderfreundliche Kommune“ erhalten, haben wir vier Jahre Zeit, um den Aktionsplan umzusetzen. Ist die Teilnahme am Pilotprojekt eigentlich auf Kinder und Jugendliche beschränkt" Grundsätzlich tritt die UN-Kinderrechtskonvention für die Rechte von Kindern ein. Für Weil am Rhein können wir sagen, dass wir auch schon einige junge Erwachsene hatten, die sich eingebracht haben. Und grundsätzlich ist jeder jederzeit willkommen. Wohin können sich Interessierte wenden" Sie erreichen mich im Rathaus unter Tel. 704-154 oder per E-Mail unter m.rimkus@weil-am-rhein.de