Weil am Rhein Kleinod mit verwunschenem Garten

Weil am Rhein - In der dritten Folge unserer Sommerserie „Lebensader Hauptstraße – Von der Grenze bis zum Rhein“ widmen wir uns dem Altweiler Schlössli, einem idyllischen Kleinod. Seine Geschichte, wenn auch noch weitgehend ungeklärt, reicht weit zurück.

An der Weiler Hauptstraße 48, am Eingang zur Gasse und gegenüber dem Brunnen gleichen Namens, liegt das Altweiler Schlössli. Seit dem Jahr 2004 wird es von Erich und Renate Ludin gepflegt, die den Garten des Schlösslis auch mehrmals im Jahr für Besucher öffnen. Das nächste Mal ist es am 8. September soweit, am „Tag des offenen Denkmals“.

Dabei ist das, was heutzutage als Schlössli firmiert, eigentlich nur das Gesindehaus des einstigen Anwesens, also derjenige Teil, in dem das „Gesinde(l)“, die Mägde und Knechte, lebten. Die Geschichte des einstmals feudalsten Anwesens in Weil am Rhein liegt aber noch weitgehend im Dunkeln. Unklar ist etwa, wann und durch wen es einst erbaut wurde. Der Basler Johann Jakob Reuttner war der erste, im Jahr 1563 urkundlich erwähnte Besitzer und nannte sich „Reuttner von Weyl“.

Misswirtschaft und Verschuldung

Durch Misswirtschaft und hohe Verschuldung musste der Sohn Reuttners das Gut 1623 veräußern. Christof Danon aus Basel erwarb das Schlössli. Wie lange es sich in seinem Besitz befand, ist nicht bekannt. Ein Plan aus dem Jahr 1643 zeigt das Schlössli mit Ecktürmen in der Mitte des Geländes, wie Renate Ludin erläutert. Als gesichert gilt weiterhin, dass das Gebäude im Jahr 1716 einem Tonjola aus Basel gehörte. In der Folge waren weitere Basler Bürger Eigentümer des Schlösslis, so Lovis, Samuel Burckhardt und Samuel Merian.

1723 sollte das Schlössli zugunsten eines Weingartens abgerissen werden, doch standen „Mauern und Dach“ laut einer historischen Quelle auch in der Zeit danach noch. „Feststellen lässt sich weiterhin, dass das eigentliche Schlössli in der Zeit von 1746 bis 1788 errichtet wurde“, berichtet Erich Ludin.

Im Jahr 1788 hat Franz Glattacker das Anwesen erworben. Die 1824 geborene Maria Barbara Glattacker heiratete 1854 Johann Jakob Enderlin, die Großeltern von August Enderlin und seiner Schwester Luise, die das Gesindehaus bis zu ihrem Tod bewohnten. Das Schlössli ging danach in den Besitz ihres Neffen Erich Ludin über.

August Enderlin – der „Mann mit dem Velo“

August Enderlin ist in Alt-Weil noch heute als „Mann mit dem Velo“ bekannt. Er war der letzte, der das Schlössli bewohnte, und war bis ins hohe Alter mit dem Fahrrad in der Stadt unterwegs. Der im Jahr 2003 verstorbene „Enderle-August“ war ein höchst intelligenter Mensch, der belesen war und Schiller, Goethe sowie den Heimatdichter Johann Peter Hebel schätzte. Zudem trat er vehement für den Erhalt seines Besitzes ein. Er kämpfte mit drei Anwälten und Sachverständigen vor Gericht mit der Stadt Weil, die das Anwesen wegen Baufälligkeit am liebsten abgerissen hätte.

Rosen, Beete und Bienen

Heute ist der mehr als 5000 Quadratmeter große Garten – das entspricht einem guten halben Fußballfeld – mit mehr als 150 historischen und englischen Duftrosen, Buchskugeln und Beeten bepflanzt.

Erich Ludin besitzt auch 16 Bienenvölker, von denen er den Schlösslihonig gewinnt, von dem Besucher bei „Tagen der offenen Tür“ kosten dürfen. Im Dachgeschoss des Gesindehauses brüten zudem Turmfalken ihre Eier aus. „Der Garten ist für uns ein kleines Paradies, in dem man runterkommen und herrlich entspannen kann“, erklären die Eheleute Ludin.

Am Sonntag, 8. September, öffnen sie dieses Kleinod in Alt-Weil auch wieder für die Besucher, bei denen die Führungen durch den Garten gut ankommen. „Manchmal sind 300 oder 400 Leute da“, freut sich Renate Ludin.

Unter dem Titel „Lebensader Hauptstraße“ steht die Sommerserie unser Zeitung. Vier Wochen lang blicken wir von Montag bis Samstag darauf, welche interessanten Personen, Plätze und Gegebenheiten es zwischen dem Zoll in Alt-Weil bis zur Dreiländerbrücke in Friedlingen gibt.

Bereits erschienen:

Folge 1, 12. August: Zollamt

Folge 2, 13. August: TAM

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