Weil am Rhein Kleinode aus Bachs Kantatenschatz gehoben

Stimmlich und gestisch ein überzeugender Bach-Interpret: Hanno Müller Brachmann beim Kantatenabend unter Leitung von Piotr Borkowski in der Alt-Weiler Kirche.      Foto: Walter Bronner Foto: Weiler Zeitung

Von Walter Bronner

Weil am Rhein. Es war nicht zu viel versprochen, das Abschlusskonzert der Reihe „Markgräfler Musikherbst“ als Hörereignis von außerordentlicher Güte anzukündigen. Denn die drei in der Alt-Weiler Kirche dargebotenen Solokantaten für Bass, Streichorchester, Chor, Soloinstrumente und Basso continuo von Johann Sebastian Bach erfuhren hier eine klangliche und textliche Ausdeutung, die Herz und Sinne zutiefst berührte.

Und das lag zu einem wesentlichen Teil, jedoch nicht allein am prominenten Sänger Hanno Müller-Brachmann, der als „Artist in Recidence“ wieder einmal seiner angestammten Heimat besondere Reverenz erwies.

Staunenswerte Modulationsfähigkeit der voluminösen Stimme

Dabei entfaltete er die Qualitäten seiner voluminösen Stimme mit staunenswerter Modulationsfähigkeit und atemberaubend perfekter Koloraturtechnik und unterstrich zugleich mit ausdrucksintensiver Gestik und Mimik sein in jeder Hinsicht überzeugendes persönliches Selbstverständnis von reifem, reflektiertem Bach-Gesang.

Den gehörigen Zusatzanteil an der faszinierenden Gesamtwirkung dieses Abends leistete indes auch das vorwiegend aus jungen Kräften formierte Streichorchester der „Markgräfler Musikherbst Festival Strings“, die unter der (ohne Taktstock) sensiblen Zeichengebung von Piotr Borkowski mit interpretatorischer Sorgfalt und schmiegsamer klanglicher Transparenz begeisterten.

Ebenso die von Rheinfeldens Kantor Rainer Marbach sorgfältig präparierten Sängerinnen und Sänger des Kammerchors Markgräflerland, die sich durch Reinheit der Intonation, klare Diktion und ergreifende melodische Linienführung profilierten.

Solchermaßen fesselnd und überzeugend erlebte die überaus große Hörergemeinde die 82. Kantate des Bach-Werke-Verzeichnisses, „Ich habe genug“. Zugrunde gelegt sind ihr die Worte des alten Simeon in der biblischen Erzählung von der Darstellung Jesu im Tempel Jerusalems. Seine große Popularität verdankt dieses Sakralwerk nicht zuletzt der wunderbaren Arie „Schlummert ein ihr matten Augen“, die hier in vollendeter Schönheit erklang.

Die darauffolgende Kantate „Der Friede sei mit dir“ (BWV 158) gehört dagegen zu den selten aufgeführten Sakralkompositionen Bachs, ist instrumental nur mit Continuo-Quartett (Violine, Cello, Kontrabass, Orgelpositiv) besetzt und hat ihre am stärksten berührenden Momente in der chorisch untermalten und von der Geige virtuos umspielten Bass-Arie „Welt ade, ich bin dein müde“.

Den Überdruss am Dasein im irdischen Jammertal thematisiert auch die abschließend dargebotene Kantate „Ich will den Kreuzstab gerne tragen“ (BWV 56), die – auch textlich ein Meisterwerk barocker Dichtkunst – mit Ausnahme des Schlusschorals „Komm, o Tod, du Schlafes Bruder“ den Gesangspart durchweg dem Bass zuweist.

Besonderer Höhepunkt hier die von der Solo-Oboe effektvoll flankierte Aria „Endlich, endlich wird mein Joch“.

Als kongeniale instrumentale Partnerin des Sängers brillierte hier Anja Tritschler, die schon bei der ersten Kantate die Eingangs-Aria mit blühender Tongebung virtuos bekränzte.

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