Weil am Rhein Kunden warten noch ab

Weil am Rhein - Seit Beginn der Corona-Pandemie ist Reisen nur eingeschränkt möglich. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Jens Spahn machen nun Hoffnung auf den Sommerurlaub auch für Ungeimpfte in den EU-Staaten. Unsere Zeitung hat bei Reisebüros in Weil nachgefragt, wie viel Reiselust bei den Kunden aktuell herrscht. Dabei wurde auch deutlich, dass die Verantwortlichen noch Klarheit vermissen.

„Die Sehnsucht wird von Woche zu Woche größer. Das spiegeln uns auch unsere Kunden“, berichtet Michael Seilnacht, Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens. Die zunehmende Impfgeschwindigkeit und die Planungen zu einem europäischen Impfnachweis würden das Reisen zumindest auf europäischer Ebene ab Sommer deutlich erleichtern, meint er. „Doch die Welt ist eben größer. Und hier bedarf es seitens der Politik noch klarerer Ansagen“, fordert Seilnacht.

Spezieller Versicherungsschutz für zusätzliche Sicherheit

Viele Reiseziele hätten die Zeit genutzt und Sicherheitskonzepte erarbeitet. Sogenannte Flex-Raten der Veranstalter und ein spezieller Versicherungsschutz würden den Kunden eine zusätzliche Sicherheit bieten.

Die Mobilität ist aber weiterhin in großen Teilen eingeschränkt. „Das ist kein Geheimnis.“ Dennoch sei es möglich, dem Wunsch nach Reisen nachzukommen, wenn man sich auf die aktuellen, sich teils auch mal schnell ändernden Gegebenheiten einlasse. „Das gilt für kurzfristige Urlaubsreisen wie für Reisepläne im Sommer oder Herbst.“ Auch langfristige Buchungen im Bereich von Kreuzfahrten seien gefragt.

Viele Urlaubswillige würden aber aktuell noch abwarten, bis es mehr Klarheit auch seitens der Politik gibt, weiß Seilnacht. Es gebe viele Fragen zu den jetzigen Reisemöglichkeiten. „Das politische Hin und Her in der Vergangenheit führte zu einer starken Verunsicherung unter den Reisewilligen. Das muss aufhören – denn Reisen (uneingeschränkte Mobilität) ist ein Grundbedürfnis und hilft uns allen, den trüben Corona-Alltag mal hinter sich lassen zu können und tut unserer Seele nach diesen vielen Monaten der Einschränkungen einfach nur gut.“

Staatliche Unterstützung federt Einbußen ab

Mit Hilfe der staatlichen Unterstützung sei es den Seilnacht-Reisebüros möglich, die mittlerweile fast 14 Monate andauernden Einbußen abzufedern. „Wir haben in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet und auch unsere Belegschaft hält zum Unternehmen und gibt alles für unsere Kunden.“

Das gehe nur mit einer großen Kraftanstrengung und einer Ausweitung der Überbrückungshilfen bis Ende des Jahres, da nur ein Teil des Reisens im Laufe des Jahres wieder nahezu uneingeschränkt möglich sein werde, meint der Geschäftsführer. „Aber natürlich ist unser Ziel, so schnell wie möglich wieder unserer Berufung nachgehen zu dürfen, unseren Kunden eine schöne Zeit zu vermitteln.“

Aron Stiefvater, Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens, erkennt noch keine Tendenz, wohin im wahrsten Sinne des Wortes die Reise geht. „Es fehlt noch viel Klarheit.“ Solange die Bedingungen nicht klar seien, gehe es noch nicht los. Wenn eine Testpflicht herrscht und sich Reisende unter Umständen in Quarantäne begeben müssen, sei die Reiselust zwar da, „kann aber eigentlich nicht umgesetzt werden“.

Der Kunde solle schließlich auch bekommen, was er bucht. „Kurzfristig geht das, aber langfristig können wir das nicht bieten. Dafür fehlt die Planungssicherheit“, erklärt Stiefvater. Deshalb hielten er und seine Mitarbeiter es auch aktuell für wirklich schwierig, für Urlaubsreisen zu werben. „Unser Endziel lautet, ein besonderes Erlebnis zu bieten, das ist unsere Aufgabe. Der Verkauf ist nur ein Teil. Das Thema ist erst nach der Reise erledigt. Das Gesamtpaket muss stimmen.“

Erwartungen an das "erste Mal nach Corona" sind hoch

Es entstehe auch eine Drucksituation. „Die Menschen möchten reisen, aber die erste Reise nach oder in der Pandemie soll zu einem schönen Erlebnis werden. Darauf liegt unser Fokus.“ Das sei vergleichbar mit dem ersten Restaurantbesuch, wenn ein solcher wieder möglich ist. Es gebe auch gewisse Erwartungen. „In unterschiedlichen Branchen und Wirtschaftszweigen erbringen die Verantwortlichen Höchstleistungen, um den Ansprüchen des Kunden gerecht zu werden“, betont Stiefvater.

Zur Zeit gebe es zwar zahlreiche Kunden, die Reisen an den indischen Ozean oder in die Emirate buchen, berichtet Stiefvater. „Manche arbeiten auch von dort aus im Home-Office.“ Aber es seien lang nicht so viele Reisende wie sonst. „Normalerweise schicken wir tagtäglich hunderte Menschen in den Urlaub.“ Es gelte, noch ein paar Monate zu warten, meint der Geschäftsführer, der optimistisch ist: „Das halten wir auch noch durch.“ Er denke langfristig.

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