Weil am Rhein Kunst in Kuben beim Kunstraum Kieswerk

Krokodil im Grünen. Aus bearbeitetem Treibholz ist diese Installation entstanden. Foto: Beatrice Ehrlich

Weil am Rhein - Kunst muss gesehen werden. Mit immer neuen Formaten ringt das Künstlerpaar Ania Dziezewska und Volker Scheurer darum, auch in schwierigen Zeiten sichtbar zu bleiben. Lange haben sich die beiden Gedanken gemacht, wie man trotz Betretungsverbot und Corona-Verordnung auch in diesen Zeiten Kontakt halten kann mit dem interessierten Kunstpublikum, Freunden und nicht zuletzt Kunden. Zu den wöchentlichen Kunstschauen im Internet, immer sonntags um 19 Uhr, kam nun erstmals wieder eine echte Vernissage – wenn auch der besonderen Art.

Aufgrund städtischer Vorgaben darf die ehemalige Transportbetonmischanlage, in der die beiden arbeiten und leben, schon länger nicht mehr für öffentliche Veranstaltungen genutzt werden. Mithilfe rollbarer Ausstellungskuben hat Volker Scheurer Abhilfe geschaffen. In gebührendem Abstand zueinander aufgestellt und hell ausgeleuchtet, bilden die weißen Kunst-Kuben einen vergänglichen Ausstellungsraum vor dem eigentlichen Kieswerk-Gelände. Kunstintressierte haben am Freitagabend die Gelegenheit wahrgenommen, dort neue Werke des Künstlerpaars kennenzulernen. Die warme Sommernacht lud ein, hier länger zu verweilen.

Volker Scheurer überrascht in seinen Werken immer wieder mit neuen, teils aufwendig bearbeiteten Materialien. Die in transparentem Epoxydharz zu bizarren Formen erstarrten roten Pigmente und organischen Substanzen, zum Beispiel Holz, wirken wie Stücke toten Fleisches und scheinen unter der künstlichen Beleuchtung regelrecht zu erglühen.

Ania Dziezewskas vorwiegend in kühlen, grünen und blauen Farbtönen gehaltenen Bilder wirken dazu wie ein ruhender Gegenpol. An ihren großformatigen Werken arbeitet die Künstlerin aus Danzig oft Jahre lang: Durch Abkratzen alter Schichten und erneuten Farbauftrag entstehen vielschichtige Bilder, deren reliefartige Struktur an eine Landkarte denken lässt, in der Höhen und Tiefen genau festgehalten sind. Durch die Gestaltung der Oberfläche, stellenweise überzogen mit einem transparenten Lack, an anderen Stellen offen und rau, erzeugt die Künstlerin Lebendigkeit und Tiefe.

Farblich deutlich zurückhaltender in eisgrau ist ihre Darstellung eines über der Erde schwebenden großen Objekts in Anspielung auf drohende Gefahren, etwa durch den Klimawandel.

In der „universalen Kapelle“, einer begehbaren Skulptur mit wechselndem Inhalt, treten Arbeiten der beiden Künstler in einen Dialog. Eine aus einem großen Stück Treibholz und Bronzeapplikationen gestaltete Figur, die mitten im Raum hängt, windet sich wie ein hungriges Krokodil zwischen Dziezewkas flaschengrünen Farbflächen. Ein Gemeinschaftswerk sind auch die beiden nach beiden Seiten zu öffnenden farbigen und von außen schwarzen (Altar-)Tafeln, in deren Mitte eine von Scheurers typischen, schlanken Frauenfiguren steht.

Dass nach der langen Zeit wieder Menschen den Weg zu ihnen an den Kunstraum Kieswerk gefunden haben, freut die beiden Künstler außerordentlich. Aufgrund der positiven Resonanz soll die Outdoor-Vernissage am kommenden Donnerstag, 13. August – und nur bei gutem Wetter – wiederholt werden.

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