Weil am Rhein Kunstrasen statt Winternaturrasen

Auch über den Einsatz von Düngemittel wurde diskutiert. Foto: Marco Fraune

Weil am Rhein - Die Positionierung der Verwaltungsspitze für einen Winternaturrasen auf dem Trainingsplatz des FV Haltingen hat die überwiegende Mehrheit des Gemeinderats nicht umstimmen können: Mit 16 zu neun Stimmen ist die Entscheidung für einen Kunstrasen ausgefallen. Knapp zwei Jahre nach der Präsentation des Sportkonzepts wurde damit ein umstrittener Punkt im Sinne des Haltinger Fußballvereins geklärt.

Die Frage, ob ein Kunstrasen oder ein Winternaturrasen die Öko-Bilanz mehr belastet, beschäftigte den Gemeinderat – nachdem in verschiedenen Ausschüssen, Gemeinderatssitzungen, bei Treffen mit Vereinsvertretern oder auch bei Besichtigungen von anderen Rasenplätzen die Meinungsbildung vorangetrieben wurde. Mit einer persönlichen Stellungnahme zu Beginn der vorerst letzten Diskussion zur Frage des Spielbelags warb Oberbürgermeister Wolfgang Dietz noch einmal für den Winternaturrasen bei den Gemeinderäten und zugleich um Verständnis für seine Position bei den Vereinsvertretern. „Es fällt mir sehr schwer, eine Fläche von mehr als 5000 Quadratmetern mit Kunststoff belegt zu sehen, wo unsere Gesellschaft an anderer Stelle den Kampf gegen Plastik aufgenommen hat.“

Für den Kunstrasen

Ebenfalls mit dem Argument der Ökologie, doch mit dem Blick auf den Wasserverbrauch, positionierte sich Eugen Katzenstein (UFW). Gerade im Sommer werde Wasser knapper und daher hält er es nicht für vertretbar, dieses auf den Winternaturrasen zu bringen. Hinzu komme, dass dieser nur eine Kapazität von 750 Trainingsstunden habe, der FVH aber mehr als 1000 Stunden aufweise. Konzeptionell beachtet werden müsse, dass mit einem Kunstrasen auch Trainingszeiten für andere Vereine frei würden. „Ökologie, Investition und Folgekosten halten sich die Waage, daher soll die Eigenleitung des Vereins honoriert werden.“ Wie berichtet, will dieser als Bauherr auftreten, womit Zuschüsse vom Badischen Sportbund abgerufen werden können, und Eigenleistungen in Höhe von 50 000 Euro einbringen. Es wäre daher laut Katzenstein nicht fair, solch eine einzufordern und dann nicht abzurufen.

Die Chance, dass sich der Verein engagiert, wollte SPD-Fraktionschef Johannes Foege wahrnehmen. Dass das Projekt so intensiv von der Verwaltung bearbeitet wurde und es eine starke Einbeziehung von beteiligten Akteuren wie dem Verein gab, hob er positiv hervor. Langfristig müsse man die ökologische Komponente im Auge behalten. „Kunstrasen ist nicht mehr das, was es vor 20 Jahren war“, erkennt Foege hier positive Veränderungen.

Das Vereinsengagement bewertete Martin Fischer (Grüne) höher als die Auslegung von Kunstgrün. Denn auch der Winternaturrasen sei kein klassischer Naturrasen. „Es gibt dort keine ökologische Vielfalt, der wird gedüngt und gewässert.“ Den Rasenschnitt könne man noch nicht einmal mehr als Kaninchenfutter verwenden.

Wolfgang Roth-Greiner erinnerte daran, dass man dem FVH den Kunstrasen auch in Aussicht gestellt habe und der Ortschaftsrat fast einstimmig dafür votierte. „Ich hoffe, dass wir endlich das Sportkonzept hinter uns bringen.“

Pro Winternaturrasen

Grünen-Stadträtin Ingrid Pross lehnte hingegen den Kunstrasen ab. „Es ist nicht ökologisch, für mehr als einen halben Hektar Plastik zu produzieren und auszulegen.“

„Manche schwarze CDU-Politiker sind grüner als Grüne“, sprach sich Julia Lindner (CDU) wie Dietz für den Winternaturrasen aus. Das Engagement des FVH schätze sie, doch die Ökologie sei der wichtigere Aspekt. Mikroplastik sieht sie als eine völlig unterschätzte Gefahr. „Ein Kunstrasen ist aus ökologischen Gründen nicht vertretbar.“

Der Düngereinsatz

Dass die CDU für Friedlingen einem kleineren Kunstrasen als Zweitplatz zustimme, führte Katzenstein vor Augen. Außerdem würden eineinhalb Tonnen Dünger auf einem halben Hektar Trainingsplatz landen, rechnete Katzenstein für den Haltinger Trainingsplatz vor, was durch Erster Bürgermeister Christoph Huber nicht unkommentiert blieb. „Es wird nach Bedarf gestreut“ – und es sei nicht eine solch große Menge. „Wir sind clean“, ergänzte er hinsichtlich der eingesetzten Dünger, es gebe also keine glyphosathaltigen Mittel.

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