Weil am Rhein Lieblich bis impulsiv

Anna (v. l), Lisa und Wolfram Rehfeldt bezaubern mit intimem Konzertprogramm Foto: Willi Vogl

Weil am Rhein - Der ehemalige Rottenburger Domorganist Wolfgang Rehfeldt und seine Töchter Anna und Elisabeth (Gesang) konzertierten am Samstag in St. Peter und Paul unter dem Motto „Musik – ein Tor zum Himmel“. Veranstalter Albrecht Klär freute sich mit diesem zweiten Konzert während der Corona-Pandemie in seinem Grußwort „auf richtige Livemusik“.

„Wir lassen uns die Kultur nicht vermiesen“, bekundete auch ein leidenschaftlicher Konzertbesucher, der mit dem Fahrrad extra aus Grenzach gekommen war. Musik kann nicht nur als ein „Tor zum Himmel“ wahrgenommen werden, sondern wirkte in diesem Konzert somit auch als klingendes unverzichtbares Lebensmittel in der diesseitigen Welt.

Auf dem Programm standen Bearbeitungen und vertraute Originalwerke des 18. bis 20. Jahrhunderts französischer, deutscher und englischer Provenienz. Eröffnet wurde der intime Klangreigen mit John Rutters „I will sing with the spirit“. Ganz an die melodiebetonte englische Chortradition anknüpfend, entwickelte Rutter hier ein frisches Melos, das von Anna und Elisabeth Rehfeldt in schönster Intonation zur Geltung gelangte.

Sängerinnen überzeugen durch gut abgestimmte Artikulation

Mit Kontrasten zwischen markanter und kantabler Klanglichkeit setzte Wolfram Rehfeldt in einem Allegro von Johann Gottfried Walther auch solistisch an der Orgel einen erinnerungswürdigen Auftakt. Im weiteren Konzertverlauf bestachen die beiden Sängerinnen immer wieder durch gut abgestimmte Artikulation und weitgehende Angleichung in den Klangfarben. So konnte man in Felix Mendelssohns „Veni, veni Domini“ frei schwingende Phrasierungen genießen oder in Léo Delibes tänzerisch bewegten Blumenduett „Dome épais“ lieblicher Homogenität lauschen.

Auch solistisch überzeugten die jungen Stimmen. So vernahm man in Georg Friedrich Händels „Oh, Had I Jubals lyre“ Annas geschmeidig bewegte Melismen über einer pulsierenden Orgelbegleitung. Mit ihrem anheimelnden Timbre veredelte Lisa Jehan Alains „Ave Maria“ zu einer meditativ warmen Lobpreisung.

Zwischen den Gesangstiteln bezauberte Wolfram Rehfeldt mit tänzerisch federnder Artikulation in Alexandre Guilmants Verset, mit wohlig mäanderndem Melos über pochenden Harmonien in Gabriel Faurés Andantino und mit silbrig einlullender Triolenthematik in Johann Sebastian Bachs „Jesu bleibet meine Freude“. Eine fröhlich impulsive Toccata mit eigenwilliger tonaler Farbgebung aus der Feder des Organisten bildete das Ende des gedruckten Programms.

Die etwa 80 Zuhörer erklatschten sich in diesem berührenden Konzert mit Engelbert Humperdincks „Abends wenn ich schlafen gehe“ und Josef Rheinbergers „Bleib bei uns, denn es will Abend werden“ zwei Zugaben.

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