Weil am Rhein Liedermarathon durchs Repertoire

Zu einem stattlichen Gesamtchor formierten sich Sänger aller beteiligten Vereine zum Finale des „Festivals“. Fotos: Walter Bronner Foto: Weiler Zeitung

Zum offiziellen Veranstaltungsreigen des Jubiläums „175 Jahre Gesangverein Ötlingen“ gehörte das „Festival der Chöre“ am Samstagabend zwar nicht, doch passte es perfekt dazu. Und wiewohl schon tagsüber die Kreisstadt beim „Stimmen“-Konzert „Lörrach singt“ in lauter Melodieseligkeit schwelgte, strömte auch zur abendlichen Serenade im „Dorf am Himmel“ mehr Publikum als erwartet.

Von Walter Bronner

Weil am Rhein-Ötlingen. Die aufgestellten Tischgarnituren hätten für 372 Gäste ausgereicht, gab Vorsitzender Joachim Buck bei der Begrüßung zu verstehen. Dass nachgestuhlt werden musste, sei daher ein gutes Zeichen. Acht Vereine mit neun Chorformationen bestritten den musikalisch und vom Sommerwetter ideal begünstigten Anlass.

Elsässer Sänger mit dabei

Diesen würdigte auch Ortsvorsteherin Helene Brombacher mit dem Hinweis, dass gemeinsames Singen „Freude vermittelt und Grenzen überschreitet“. Letzteres gerade in Ötlingen hör- und sichtbar durch den Choeur d’Hommes aus St. Louis in Sichtweite jenseits des Rheins, der sich mit dem Gastgeberchor den Dirigenten Markus Bertelsmann teilt. Die „zwar nur“ elf Elsässer Sänger begeisterten in der zweiten Konzert-Hälfte mit fünf Liedern französischer und deutscher Provenienz und sicherten sich mit ihrem kultivierten Schöngesang besonders starken Applaus.

Ötlinger geben Startschuss

Eröffnet worden war die Vortragsfolge von den Ötlinger Sängern mit „Lasst uns ein Stündlein fröhlich sein“ von Altmeister Melchior Franck. Es wurden dann gute zweieinhalb Stunden Hörvergnügen ohne eine Sekunde Langeweile daraus. Denn bei diesem klangsinnlichen Marathon sorgten die Vielfalt des Liedguts und die divergierenden Vortragsarten (Qualitätsschwankungen inklusive) für anhaltend gespannte Aufmerksamkeit.

Wollbacher und Binzener

Da konnte etwa nach den weiteren Begrüßungsliedern „Sierra Madre“ und „Abendstille in den Bergen“ der Gesangverein Wollbach (Leitung: Matthias Krüger, Klavier: Eveline Vinh-Marinelli) sich in neuerdings leicht erstarkter Besetzung präsentieren und mit „Freiheit“, „Über sieben Brücken“ sowie „Ein Freund, ein guter Freund“ profilieren. Der Frauenchor Binzen, von Heinz Breininger vom Klavier aus dirigiert, rührte mit „Let it go“ und „Memory“ die Hörerherzen an und sorgte mit „Wenn der weiße Flieder…“ für einen Hauch Operettenflair.

Kleinkems und Auggen

In nostalgische Schlagerzeiten entführten der „Rheinlust“-Chor Kleinkems (Leitung: Elke Keller, Klavier: Henrik Pollinger) unter anderem mit „Rot sind die Rosen“ und „Aber Dich gibt’s nur einmal…“, und der Gesangverein Auggen (Leitung und Klavier: Martin Klingler) demonstrierte mit Otto Grolls „Kosakenritt“, Cohens „Hallelujah“ und Uli Führes Vertonung des „Sonnenuhr“-Gedichts von Rudolf G. Binding sein Bestreben, ausgetretene musikalische Pfade zu meiden.

Desgleichen die heftig beklatschten Elsässer mit „La Jardiniere du Roy“ (Gärtnerin des Königs), „Ei du Mädchen vom Lande“ oder Rameaus „Hymne à la Nuit“. Beste Eindrücke hinterließen auch die Binzener Sänger (Leitung: Ibolya Barla, Klavier: Susanne Hagen) mit dem Udo-Jürgens-Hit „Ich glaube“, Dieter Bohlens „We have a dream“ und Otto Grolls „Freunde lasst uns singen“.

Finale mit Kanderner

Das gelungene offizielle Finale bestritten die beiden Kanderner Formationen unter Thomas Wiedenhofers Dirigat. Zunächst der bemerkenswert robust auftrumpfende Frauenchor „Candela“ mit Wiedenhofer-Arrangements von Chaplins „Smile“, einer konsequent auf „Schubidu“ umgetexteten Händel-Gavotte und dem Wiener Schmankerl „Ich trink den Wein…“. Alsdann noch der Männergesangverein mit Bearbeitungen von Reineckes „Je länger, je lieber“, dem Alpenländler „Fein sein, beinander bleibn“ und Ferdinand Raimunds unverwüstlichem „Hobellied“.

Joachim Bucks Aufruf, mit einem Gesamtchor das Festival zu krönen, wurde gerne befolgt und mit den Männerchorweisen „Ne Gsang in Ehre“, „Aus der Traube in die Tonne“, „Bajazzo“ und „Das Morgenrot“ höchst stimmungsvoll – und parallel zu einem prachtvollen Sonnenuntergang über den Südvogesen realisiert.

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