Weil am Rhein Lkw-Stau und die Probleme

Von Siegfried Feuchter

Das Lkw-Aufkommen nimmt stetig zu, und die Situation vor der Gemeinschaftszollanlage spitzt sich zu. „Es muss sich etwas ändern“, sagt Thomas Müller. Der Leiter des Verkehrskommissariats in Weil am Rhein hat denn auch eine Vision: Ein Schwerverkehrszentrum nördlich des Autobahndreiecks würde die langen Lkw-Staus vor der Grenze mit all ihren Problemen lösen.

Weil am Rhein. „Wir sind eine Drehscheibe Europas“, sagt Thomas Müller im Gespräch mit unserer Zeitung und belegt seine Aussage auch mit Zahlen. Im Schnitt passieren auf dem Weg in den Süden täglich bis zu 1800 Lastwagen den Autobahngrenzübergang in Weil am Rhein, weitere 800 Lkw den Autobahngrenzübergang Rheinfelden. Und der Schwerverkehr nimmt jährlich um bis zu drei Prozent zu. Damit auch die Probleme. Denn an immer mehr Tagen reicht am Morgen die entlang der A 5 auf dem Standstreifen stehende Lkw-Schlange über das Autobahndreieck hinaus. Denn die Kapazität des Lkw-Stauraums vor der Grenze ist längst ausgereizt. Oft ist während des Berufsverkehrs am Morgen nur noch eine Spur für den übrigen Verkehr frei. Für Müller ist das ein unhaltbarer Zustand. „Die Lastwagen müssen runter von der Autobahn“, sagt der Leiter des Verkehrskommissariats und fügt hinzu: „Die Autobahn ist kein Parkraum.“

Aber genau das ist das Problem, mit dem die Polizei zu kämpfen hat. Sobald der Fahrer eines Schwertransporters die Fahrspur wechselt, es zu Ausweichmanövern kommt oder Pendler zu überholen versuchen, bilden sich sofort lange Rückstaus – mitunter bis auf eine Länge von zehn Kilometern. Ebenso entstehen chaotische Verhältnisse, wenn es im Stau zu einem noch so kleinen Unfall kommt. „Dass das Autobahndreieck überstaut ist, kann nicht angehen“, sagt Müller mit dem Hinweis, dass die Benutzung des Standstreifens als Fahrspur seinerzeit aus der Not heraus geboren worden ist. Doch diese Lkw-Vorsortierung ist bei dem in den zurückliegenden Jahren stark gestiegenen Schwerverkehrsaufkommen längst an ihre Grenzen gekommen.

Vorschläge zur Realisierung eines Vorstauraums im nördlichen Bereich bei Efringen-Kirchen oder Bad Bellingen sind bislang am Widerstand der betroffenen Gemeinden gescheitert oder aber am mangelnden Gelände, bedingt durch ein Naturschutzgebiet oder wegen des Hochwasserrückhaltebeckens.

Doch Thomas Müller hält einen solchen Vorstauraum oder gar den Bau eines Schwerverkehrszentrums langfristig für unablässig, um die Probleme vor der Gemeinschaftszollanlage in den Griff zu bekommen. Dabei verweist er auf das funktionierende Beispiel vor dem Gotthardtunnel, über das er sich vor Ort informiert und das ihn beeindruckt hat. Etwa 25 Kilometer vor dem Tunnel besteht in Erstfeld auf einem 80 Hektar großen Gelände mit 700 Parkplätzen ein solches Schwerverkehrszentrum mit sanitären Anlagen für die Lkw-Fahrer. 70 Millionen Schweizer Franken hat es gekostet und funktioniert bestens. Dort werden die Lastwagen auch gewogen und kontrolliert. Nach den Vorstellungen von Müller könnten in einem solchen Schwerverkehrszentrum auch die mitgeführten Waren verzollt werden, so dass die Lkw bereits abgefertigt die Grenzübergänge passieren könnten.

Und wo sollte solch ein Schwerverkehrszentrum gebaut werden? Thomas Müller hat die Idee, die alte Zollanlage bei Ottmarsheim zu nutzen. Davon könnte dann das gesamte Dreiländereck profitieren. Der Leiter des Verkehrskommissariats weiß, dass zuerst die Politik gefordert wäre, um einem solchen Vorschlag den Weg zu ebnen.

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