Weil am Rhein Lust am Spiel mit Formen und Farben

Weiler Zeitung, 14.11.2017 00:00 Uhr

Weil am Rhein-Ötlingen (bn). Um Stilfragen macht sich Roswitha Reiss keine Gedanken. Ihre Bilder sind Resultate unbändiger Lust am Spiel mit Formen und Farben. Das leuchtende Kolorit hebt spontan auch die Stimmung des Betrachters, wenn er sich momentan in die Ötlinger Galerie Hanemann begibt.

Die in Rheinfelden lebende Ausstellerin findet ihre Sujets vor allem dort, wo die Sonne scheint, wo dörfliche Idyllen und pittoreske Stadtensembles, heitere Strandszenen und üppiger Blütenflor das Auge fesseln, wo Schafherden weiden oder ein älterer Zigeuner auf der Ruhebank genüsslich an der Zigarette zieht und seinen Hund streichelt.

Solche Szenen malerisch umzusetzen, teilweise gar in fotorealistischer Manier, sind heutzutage als Kunstthema eher verpönt. Roswitha Reiss kümmert das zum Glück nicht. Ihre Impressionen von Urlaubsreisen in mediterrane Regionen von Spanien bis Griechenland und via Vorderer Orient in nordafrikanische Küstenregionen sind von eigenartiger atmosphärischer Dichte, wie sie keine Ansichtskartenidylle festzuhalten vermag.

Was natürlich auch daran liegt, dass die Ausstellerin ihr Handwerk beherrscht und ihre Motive mit perfektionierter Gestaltungstechnik auf Papier und Leinwand oder andere Malgründe bannt. Ihre intensive Farb- und Lichtführung setzt auf eine stimmungsvolle und durchaus auch auf Effekt bedachte Malerei. Und soweit sie sich auf das Menschenbildnis einlässt, verleiht sie ihren Figuren natürliche Würde und individuellen Charme.

Etwa im meisterlichen Acrylgemälde „La Maison bleu“, auf dem sich ein weiterer Raucher mit Hund auf der Bank vor der blauen Hausfassade ausruht, oder das filigrane Pastellkreidebild eines offenbar gedankenverloren in sich hineinhorchenden Mädchens und nicht zuletzt das in Öl gemalte charakteristische „Selbstbildnis vor rotem Jeep“.

Als kreatürliche Charakterstudien schlagen einem vor allem ihre Katzenbilder „Die Stolze“, „Blaue Stunde“, „Kater Rocky“ und die ins Surrealistische weisenden „Katzenberg“-Kompositionen in ihren Bann, ebenso die in Ecoline (Farbtinte) ausgeführten Strandmotive aus Spanien und die Wachskreide-Arbeit „Stillleben mit Iris“.

Überhaupt geben die Blumenbilder der Ausstellerin beredtes Zeugnis davon, dass sich einem vermeintlich total ausgebeuteten Kunstthema noch bemerkenswert reizvolle neue Aspekte abgewinnen lassen. Zum souveränen Umgang mit ihren Gestaltungsmitteln beeindruckt Roswitha Reiss nicht zuletzt durch ihre stilistische Bandbreite, die neben realistischer Sachlichkeit auch in impressionistische und expressionistische Kunstbezirke vorstößt, da und dort mit einem surrealistischen Anhauch erstaunt und in etlichen Werken liebenswürdige Annäherungen an die naive Malerei aufweist.

Die schlüssige Hängung dieser wohltuenden Werkschau verdient übrigens das Prädikat: Besser geht’s nicht!

 
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