Weil am Rhein Manege frei für den Zirkus Kaiser

Saskia Scherer

Im Oktober 2020 war der Zirkus Edmund Kaiser zuletzt zu Gast in der 3-Länder-Stadt, jetzt ist er wieder da und bietet ab heute Vorstellungen auf dem LGS-Festplatz. Unsere Zeitung hat die Zirkusfamilie im Vorfeld besucht und in Erfahrung gebracht, wie es ihr seitdem ergangen ist.

Von Saskia Scherer

Weil am Rhein. „Es war schwierig“, sagt Angelina Kaiser, die als Seiltänzerin in der Manege auftritt. „Die vergangenen zwei Jahre waren die Hölle. Wir hatten mehr Stillstand, als dass wir unterwegs waren.“ Ohne die Hilfe der Bevölkerung, die für den Zirkus und seine Tiere gespendet hat, hätte dieser es nicht geschafft, meint die junge Artistin. Mehrere Monate an einem Ort ist für die Zirkusleute normalerweise undenkbar, sie sind sonst fast jede Woche an einem anderen Standort.

Seit einigen Monaten ist der Zirkus nun wieder auf Tour, sein Weihnachtsgastspiel gab er in Bruchsal. Allerdings schreckten 2G-Regel, Masken- und Testpflicht die Besucher ab, weiß Kaiser. „Sie sind stark ausgeblieben.“ Viele wollten nicht zwei Stunden mit Maske im Zirkuszelt sitzen. „Gerade Ältere können das vielleicht auch gar nicht.“ Umgekehrt führte die Auflage, dass nur 50 Prozent der normalen Besucheranzahl eingelassen werden durften, dazu, das auch mal Personen abgewiesen werden mussten.

Die Auflagen gelten nun seit einigen Wochen nicht mehr, seitdem kommen auch wieder deutlich mehr Menschen, die Zirkusluft schnuppern wollen. Das Zelt umfasst 700 Plätze. Man merke den Besuchern die Freude an. „Sie wollen raus und etwas erleben.“

Allerdings machen sich auch die Preissteigerungen bemerkbar, gerade beim Diesel. „Wir haben 20 Transporter, und bei den Platzwechseln müssen 100 bis 120 Kilometer zurückgelegt werden.“ Vor Ort werden die Miete für den Standort sowie Kosten für Strom und Wasser oder auch Werbung fällig. „Wir verzichten schon auf Mitarbeiter und machen so viel wie möglich selbst“, erzählt Kaiser. Die Zirkusfamilie umfasst 15 Personen. „Früher waren immer noch ein, zwei Artistenfamilien mit dabei, aber das kann man sich als kleiner Zirkus nicht mehr leisten.“ Dennoch sind sie zufrieden. Die Situation habe sich deutlich verbessert.

Von klein auf dabei

Die Artistin ist im Zirkus aufgewachsen und kann sich auch kein anderes Leben vorstellen. Sie zeigt unter anderem Akrobatik am russischen Netz und an Seidentüchern. Der Zirkus Kaiser wird bereits in der neunten Generation von der Familie geführt. „Meine kleine eineinhalbjährige Nichte ist schon in der Manege, seit sie vier Monate alt ist“, lacht Angelina Kaiser.

Der Zirkus Edmund Kaiser gastiert zum dritten Mal in Weil am Rhein. „Wir hoffen jetzt auf viele Besucher.“ Dass am morgigen Donnerstag ein Feiertag ist, sei gut, weil die Menschen Zeit für Unternehmungen haben. Seit Montag lief der Aufbau auf dem LGS-Festplatz. Von heute an werden täglich ab 16 Uhr Vorstellungen gezeigt, am Sonntag ab 14 Uhr – denn direkt danach wird abgebaut, bevor der Zirkus am Montag sein nächstes Ziel ansteuert.  Tickets können täglich zwischen 11 und 12 Uhr an der Zirkus-Kasse sowie unter der Tickethotline 0178/3637264 erworben werden.

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