Weil am Rhein Menschliche Schicksale an der Grenze

Uwe Kühl (links) und Wolfgang Dietz eröffneten die Ausstellung. Fotos: Marco Fraune Foto: Weiler Zeitung

Tragische und erfolgreiche Fluchten in den Jahren 1942 bis 1945 stehen im Mittelpunkt einer Ausstellung, die am Dienstagabend im Rathaus-Foyer eröffnet wurde. Der Weiler Geschichtsverein nimmt diese zum Anlass, um nach weiteren Zeitzeugen und Dokumenten zu suchen.

Von Marco Fraune

Weil am Rhein. Die Gemeinschaftsausstellung des Kreisarchivs Lörrach und der Dokumentationsstelle Riehen zum Thema „Endstation Grenzzaun? Flucht zwischen Rettung und Tod“ war zuletzt zwar schon im Lörracher Landratsamt zu sehen (wir berichteten ausführlich), doch Weil am Rhein ist ein passender weiterer Ausstellungsort, wie die große Besucherresonanz bei der Eröffnung zeigte. „Grenzstädte waren immer die Betroffenen von Grenzziehungen“, erklärte OB Wolfgang Dietz. „Wenn das Thema Grenzzaun irgendwo seine Berechtigung hat, dann hier in der Grenzstadt“, schilderte er dann Erlebnisse aus seiner Kindheit, da Dietz nur wenige Meter von der Schweizer Grenze im Schlipf aufwuchs. Heute sei die Lage viel entspannter. „Aber nichts auf dieser Welt ist garantiert“, unterstrich der OB, dass diese Werte weiter errungen werden müssen.

Uwe Kühl, Vorsitzender des Weiler Vereins für Heimatgeschichte und Volkskunde, ist es zu verdanken, dass die Ausstellung nun im Rathaus zu sehen ist. „Die Ausstellung fügt sich dabei ein in die Bemühungen unseres Vereins, die Zeitgeschichte unserer Stadt, insbesondere auch die Jahre 1933 bis 1945, stärker aufzuarbeiten.“ Kühl hofft, dass mit der Ausstellung noch mehr Informationen über Fluchthilfe in Weil gewonnen werden können.

In Vertretung des Kurators der Ausstellung, Ulrich Tromm, machte der Heimatvereinsvorsitzende besonders auf das Schicksal von Adelheid Suger aufmerksam. Sie wurde in ihrer Wohnung im dritten Stock der Turmstraße 19 in Weil von drei Gestapo-Beamten verhaftet. Es folgte ein Verhör in der Gestapo-Zentrale in der südlichen Villa im Aichele-Park in Lörrach. Eingeliefert wurde die über 50-jährige Witwe ins Lörracher Gefängnis am 10. Juli 1944. Am Vormittag des gleichen Tages waren ihre „Mittäter“, das Ehepaar Luzia und Wilhelm Schaub aus der Gartenstraße 65 und der Zollgrenzwächter Xaver Beck, ebenfalls verhaftet worden. Sie sollen ab Herbst 1942 Berliner Juden zur Flucht nach Basel geholfen haben.

Der Weiler Heimatverein sucht nun nach weiteren Zeitzeugen sowie Informationen über Adelheid Suger und das Weiler Fluchthilfenetzwerk. Von der Fluchthelferin liegt bis heute kein Foto vor. Klar ist, dass Adelheid Suger wegen des Kriegsendes am 24. April 1945 in ihre Weiler Bleibe und ihr hiesiges Umfeld zurückkehren konnte.

Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnung durch Isabella Leitherer und Joel Mayer.

Eine öffentliche Führung durch die Ausstellung wird für Montag, 19. Februar, angeboten. Beginn ist um 16 Uhr mit dem Kurator Ulrich Tromm. Dabei besteht auch nochmals Gelegenheit, das dokumentarische Film- und Bildmaterial zum Bau des Grenzzauns aus dem Jahr 1942 anzusehen.

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