Weil am Rhein Mischung aus Chronik und Museum

Arwen Stock

Die Info-Tafeln zur Historie Haltingens sind in Arbeit. Susi Engler hatte ihre Idee im Februar 2021 im Ortschaftsrat vorgestellt. Mittlerweile trifft sich regelmäßig die Gruppe um Ortsvorsteher Michael Gleßner. Aktuell recherchieren die Ehrenamtlichen zu den Stationen der Geschichtstour.

Von Arwen Stock

Weil am Rhein-Haltingen . Es war einmal ein kleines Bauerndorf. Dann kam der Ausbau der Eisenbahn: Haltingen wurde mit dem „Großherzoglichen Post- und Eisenbahnamt“ zur Endstation und zum Warenumschlagplatz vor der Schweizer Grenze. In der Folge wandelte sich das Dorf: Für die Eisenbahner wurden die Kolonie A und B gebaut. Doch Infrastruktur und weite Teile des Dorfs wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Für die 500 obdachlosen Haltinger errichtete man notdürftig Baracken in der Konstantin-Hierl-Siedlung, benannt nach dem Chef des Reichsarbeitsdiensts.

„Durch gepachtete Reben habe ich von den Besitzern viel von der Ortsgeschichte erfahren“, erzählt die Haltingerin Susi Engler wie es zu ihrer Stadtführung „Kindheit in der Konstantin-Hierl-Siedlung“ gekommen war. Zudem blickt die 49-Jährige aus dem Küchenfenster seit Jahren auf die Tafel am Haus schräg gegenüber: Dort beschreibt ihr Nachbar die Geschichte seines Hauses aus dem 16. Jahrhundert.

„Merk-würdiges Haltingen“ als Touristenattraktion

Die Info-Tafel inspirierte sie zur Idee „Merk-würdiges Haltingen“, die ihr nach der 1250-Jahr-Feier des Stadtteils keine Ruhe ließ. Zumal Haltingen als einziger Stadtteil bislang keine historische Attraktion hatte – ganz im Gegensatz zum Weiler Museum am Lindenplatz und dem Landwirtschaftsmuseum, Ötlingen mit der Dorfstube und Friedlingen mit seiner Textilgeschichte.

„Die Tour mit den Info-Tafeln sollen eine Mischung aus Museum und Ortschronik sowie eine Touristenattraktion sein“, erläutert sie das Geschichtsprojekt, das seit der Vorstellung im Rat unter der Leitung von Ortsvorsteher Michael Gleßner Schritt für Schritt in die Tat umgesetzt wird.

Dabei sind bislang sieben Haltinger, zu ihnen zählen neben Gleßner und Engler auch Katharina Hütter, Mona Stickelberger und Eugen Katzenstein. Von städtischer Seite sind Kulturamtsleiter Peter Spörrer, Stadtarchivar Thilo Baumgartner sowie Museumskuratorin Barbara Brutscher regelmäßig dabei. Außerdem arbeiten noch sachkundige Einwohner an dem Projekt mit. Und das Konzept der historischen Rundgänge mit Info-Tafeln lässt sich aufs gesamte Weiler Stadtgebiet erweitern.

Doch soweit ist es noch nicht. Für die Haltinger Ehrenamtlichen berichtet Engler: „Wir sind noch nicht so weit wie ursprünglich geplant.“ Das Recherchieren sei sehr aufwändig und immer wieder entdecken die Ehrenamtlichen um den Haltinger Ortsvorsteher neue Ortsmarken für ihre Liste. Entsprechend ist der Prozess auch noch nicht abgeschlossen, welche Gebäude und Objekte auf der finalen Liste stehen und eine Info-Tafel bekommen werden.

Nächstes Treffen ist am 9. November

„Es soll nicht zu viel Text auf die Tafeln“, betont Engler. Auch die Vernetzung mit QR-Codes ist geplant, sodass an manchen Orten auch Videos abgespielt werden können. Oder man per Klick eine Aufnahme der Kirchenglocken abspielen kann. Sicher sind Stationen zu den Themen Bahn, Kolonie, Brunnen und Gebäude, die es nicht mehr gibt. Eine solche aus der letztgenannten Kategorie ist beim Feuerwehrgerätehaus, wo einst ein Muni- oder Fahrenstall stand. Auch die Turnhalle, die im Dorf ab- und an anderer Stelle als Feldscheune zum Lagern von Heu und Stroh wieder aufgebaut wurde, bekommt eine.

„Der große Kastanienbaum beim Fahrradladen hat beispielsweise zwei Weltkriege überlebt“, berichtet Engler und findet: „Das ist auch ein Täfele wert.“ Bildlich sind die Radierungen vom bereits verstorbenen Kirchendiener Siebold Siebolts eine Quelle.

„Wir haben bereits eine gute Stoffsammlung“, betont auch Ortsvorsteher Michael Gleßner, „doch es geht noch lange, bis man etwas sieht.“ Also bis die Tafeln stehen. Das nächste Treffen des offenen Arbeitskreises ist für Mittwoch, 9. November, um 18 Uhr in der Festhalle geplant. Sollte bei Haltingern noch altes Bildmaterial vorhanden sein, dann betont Susi Engler: „Ja nichts wegschmeißen, sondern einfach melden.“ Mitstreiter seien immer willkommen.

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