Weil am Rhein Mit Baufortschritt sehr zufrieden

Der Blick vom Haltinger Fußgängersteg in Richtung des mittlerweile abgerissenen Bahnhofsgebäudes zeigt: Der viergleisige Ausbau der Rheintalbahn kommt voran, wobei die Schweizer mit der Eröffnung des Ceneri-Basistunnels und dem gesamten Ausbau des Schienennetzes in der vergangenen Woche deutlich schneller unterwegs sind.

Von Marco Fraune

Weil am Rhein. Das Bahn-Großprojekt Karlsruhe-Basel erreicht in den verschiedenen Bereichen ein unterschiedliches Tempo, konkret auch im Streckenabschnitt 9 (Müllheim-Basel). Schon seit dem Jahr 2012 einen Erledigt-Haken können die Verantwortlichen an dem Abschnitt zwischen Schliengen und Eimeldingen machen. Der Katzenbergtunnel, ist seit dem Jahr 2012 fertiggestellt. Gebaut wird aktuell sowohl zwischen Müllheim und Auggen als auch auf Weiler Gemarkung, wobei sich in Haltingen eine Menge tut. „Die Baumaßnahmen gehen voran, mit dem Baufortschritt sind wir sehr zufrieden“, erklärt Projekt-Sprecher Michael Breßmer auf Nachfrage unserer Zeitung. Außerdem erwartet die Bahn im Planfeststellungsabschnitt Basel die Plangenehmigung von den Schweizer Behörden.

Güter über West-Trasse

Im Planfeststellungsabschnitt 9.0 „Müllheim–Auggen“ werden momentan mehrere Kreuzungsbauwerke realisiert und in dieser Woche die Fertigstellung der Fledermausüberführung an der Hügelheimer Runs bei Müllheim der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Inbetriebnahme des Abschnitts ist für das Jahr 2025 terminiert. Zumindest schon im April dieses Jahres ist die westliche Gleistrasse im Planfeststellungsabschnitt 9.2 „Haltingen – Weil am Rhein“ in Betrieb genommen worden. Breßmer: „Nun wird der gesamte Güterverkehr über diese neue Strecke gefahren.“ Damit werde es für die Bevölkerung von Haltingen und Weil am Rhein deutlich leiser.

Arbeiten in Haltingen

Doch nun ist der östliche Teil an der Reihe, wobei der Fokus hier auf dem Rückbau und der Realisierung dieser Gleistrasse liege. „Hier bauen wir am westlichen Teil der Heldelinger Unterführung, im Bereich zwischen Heldelinger Unterführung und dem Fußgängersteg wird an der Realisierung der Neubaustrecke gearbeitet.“ Im Bereich vom Gleis 4411, dort wo die zwei Stahlbrücken über das Gleis führten, laufen außerdem die Arbeiten zur Herstellung der neuen Stahlbetonbrücke. „Weiterhin finden sehr umfangreiche Oberbau- und Gleisarbeiten im Bereich östlich vom Bahnbetriebswerk Haltingen statt“, liefert Breßmer einen Überblick.

Zeitplan abhängig von 9.3

Die Inbetriebnahme von diesem Abschnitt hänge sehr eng mit der Fertigstellung des Nachbarabschnitts in Basel zusammen. Der Grund liege in baubetrieblichen Abhängigkeiten. Heißt: Die Inbetriebnahme des Abschnitts Haltingen – Weil am Rhein steht auch in Abhängigkeit mit dem Erhalt der Plangenehmigung vom Planfeststellungsabschnitt 9.3 Basel.

Dieser rund 3,1 Kilometer lange Planfeststellungsabschnitt befindet sich auf ganzer Länge auf Schweizer Gebiet. Das Genehmigungsverfahren erfolgt entsprechend nach Schweizer Recht und wird von den Schweizer Behörden durchgeführt, erinnert der Bahn-Sprecher. Der Abschluss der Plangenehmigung durch die Schweizer Behörden sei noch nicht erfolgt. Aktuell laufen bauvorbereitende Maßnahmen. „Eine Vergabe der Bauleistungen kann erst nach Bestandskraft des Planrechts aus der Schweiz erfolgen.“

Zwei Milliarden Euro

Welche Kosten-Dimensionen das Infrastrukturprojekt hat, zeigt ein Blick auf die Gesamtkosten für den Streckenabschnitt 9 Müllheim-Basel: Insgesamt belaufen sich die Kosten laut Bahn-Angaben hier auf rund zwei Milliarden Euro. Zeitlich hinkt die deutsche Seite hinter der europäischen Vision eines umweltfreundlichen Eisentransports von der Nordsee bis zum Mittelmeer hinterher. Fracht soll über die 1300 Kilometer lange Strecke von den Häfen Rotterdam (Niederlande) und Antwerpen (Belgien) bis nach Genua in Italien auf den Gleisen rollen. Wie in unserer Samstagsausgabe berichtet, konnte die Schweiz mit der Eröffnung des Ceneri-Basistunnels ihren Teil der Vereinbarung erfüllen. Aufgrund der zahlreichen Einsprachen dauert es für den Ausbau der 182 Kilometer langen Rheintalstrecke zwischen Karlsruhe und Basel auf vier Gleise vermutlich hingegen bis zum Jahr 2035.

Wand durchschneidet

Schon jetzt hat sich das Bild unmittelbar an der Strecke in Weil am Rhein und im Rebland stark verändert. Eine Tieferlegung konnte nicht erreicht werden, sodass Schallschutzwände Eimeldingen durchschneiden und demnächst auch Haltingen stärker trennen. Statt des dortigen Bahnhofs, der schon dem Erdboden gleich gemacht wurde, wird voraussichtlich an dieser Stelle nur noch eine historische Aufnahme an der Schallschutzwand das frühere Bauwerk in Erinnerung rufen.

Dahinter befinden sich dann nicht nur vier, sondern vielmehr sechs Bahngleise. Hintergrund ist, dass aus Eimeldingen kommend kurz vor Haltingen zwei alte Rheintalstrecke-Bahngleise und die zwei neuen Gleise der Neubaustrecke verknüpft und die dortigen Verkehre neu verteilt werden. Wie mehrfach berichtet, geht es hier um den Güterverkehr, den Personenfern- und den Nahverkehr. Mit zwei separaten Gleisen, die auch unterhalb der Neubaustrecke entlang führen, wird den Ansprüchen der vielen Pendler Rechnung getragen.

Erst einmal beschäftigt die Bürger besonders die Sperrung der Heldelinger Unterführung, die seit April eine Umleitung des Verkehrs erfordert. Zum Jahresende soll die neue Brücke für die Kanderstraße fertiggestellt sein, das Bahn-Bauwerk im Juli kommenden Jahres, wobei man hier im Zeitplan liege.

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