Weil am Rhein Mit den Einnahmen fest gerechnet

Der Fassanstich fällt 2020 aus: Auch mit der Absage des Straßenfestes sind finanzielle Einbußen für die Vereine verbunden. Foto: Marco Fraune

Weil am Rhein - Die Absagen von Veranstaltungen bedeuten nicht nur, dass auf die Geselligkeit verzichtet werden muss, sondern bringen auch finanzielle Einbußen mit sich. Wir haben uns bei verschiedenen Weiler Vereinen umgehört, wie sich die Situation für sie darstellt.

„Unsere Einnahmen sind auf null"

Nicht nur das Altweiler Straßenfest fällt für die „Wiler Rhy Waggis“ als Möglichkeit weg, Einnahmen zu generieren. „Wir hätten auch beim Kreistrachtenfest mitgewirkt, und für den 1. Mai hatten wir eine kleine Bewirtung geplant“, berichtet Vorsitzender Lucian Levante im Gespräch mit unserer Zeitung. „Unsere Einnahmen sind auf null.“

Nun müssten die „Rhy Waggis“ auf Rücklagen zurückgreifen, schließlich haben sie für den Unterhalt ihres Schopfs am Lindenplatz Sorge zu tragen. „Diese Rücklagen haben wir zum Glück für Notfälle bilden können.“

Falls die Fasnacht im kommenden Jahr über die Bühne gehen kann, seien aber keine finanziellen Mittel für Konfetti oder „Gutzis“ vorhanden. „Wir sind nun auf Spenden angewiesen beziehungsweise hoffen, dass der Weihnachtsmarkt stattfinden kann.“ Ansonsten könne man nur abwarten.

Nach Aufstieg in die erste Liga einiges an Finanzen nötig

Stets eine „eingeplante Einnahmequelle“ ist das Straßenfest für die ESV-Tischtennisspieler, wie Abteilungsleiterin Doris Spiess erklärt. „Wir haben dort jedes Jahr einen großen Stand.“ Das bedeute zwar viel Arbeit, aber lohne sich auch.

Die Tischtennisspieler sind kürzlich in die Erste Bundesliga aufgestiegen, nachdem sie jahrelang in der Zweiten Bundesliga spielten. „Da braucht man einiges an Finanzen“, so Spiess. Ein Teil des Geldes fließe auch als Gehalt dem Trainer zu, der hauptamtlich beschäftigt wird. Außer dem Straßenfest hatten die Tischtennisspieler keine Veranstaltungen geplant. „Drei Heimspiele mussten aber abgesagt werden“, berichtet die Abteilungsleiterin.

„Wir müssen nun schauen, was wir tun können. Einiges befindet sich noch in der Planung.“ So stehe beispielsweise noch nicht fest, ob in der neuen Saison wieder Heimspiele stattfinden können und unter welchen Auflagen. „Es ist eine ungünstige Zeit. Der Aufstieg ist auch mit Mehrkosten verbunden“, erklärt Spiess. „Aber das war nicht abzusehen. Wir müssen das Beste daraus machen“, gibt sie sich positiv gestimmt.

Alternativangebot gut angenommen

Zuversichtlich ist auch Birgitta Götzmann, Vorsitzende des Musikvereins Märkt, der sein dreitägiges Fischerfest absagen musste. Stattdessen werden Forellen an zwei Tagen verkauft, die Vorbestellung war bis zum 14. Juni möglich. „Das wurde sehr gut angenommen, wir waren selbst erstaunt“, freut sich Götzmann. „Dafür wollen wir uns auch ganz herzlich bedanken.“

Der Verein hoffe, dass die Besucher die Treue halten und im kommenden Jahr wieder ein richtiges Fischerfest erleben können.

„Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen dem Fischverkauf und dem Fischerfest, aber es ist eine Einnahme“, meint die Vorsitzende. Und der Verein habe derzeit – bis auf die Jugendausbildung – auch wenig Ausgaben. „Wir werden haushalten.“ Es seien ja alle Musikvereine im Umkreis betroffen.

„Wir stellen uns auf die neue Situation ein und blicken positiv voraus.“ Gerade sei es schwierig. „Aber das wird wieder“, meint Götzmann. „Ich hoffe einfach, dass wir alle gesund da rauskommen.“ Schritt für Schritt laufe der Betrieb wieder an. Eventuell könne bald geprobt werden. „Und wir hoffen auf unser Jahreskonzert.“ Bis zur Normalität werde es eben dauern. „Das betrifft ja alle Lebensbereiche.“

Kosten für Dirigenten fallen an, Veranstaltungen aus

Ein Minus am Ende des Jahres wird der Gesangverein Haltingen verzeichnen, wie Präsident Gustav Walliser berichtet. „Innerhalb der nächsten drei Monate werden wir sehen, wie wir das ausgleichen. Wir sind derzeit am Planen.“ Kosten für die Dirigenten fallen an, dafür fallen Veranstaltungen aus, die fest eingeplant waren und dies tragen sollten – das Winzerfest und die Maischenke.

„Wir sind guter Hoffnung, dass die Mitglieder etwas besteuern“, meint Walliser. „Anders geht es eigentlich gar nicht.“ Schließlich könne man nichts machen, auch keine kleineren Veranstaltungen. Der Aufwand sei angesichts der Auflagen zu hoch.

Für die Narrenzunft „Wiler Zipfel“ bedeutet die Absage des Straßenfests einen kleinen finanziellen Verlust. „Aber wir haben immer gut gewirtschaftet und konnten Rücklagen bilden, so dass wir das Jahr überstehen können“, berichtet Zunftmeister René Winzer. Die Narrenzunft habe aufgrund der aktuellen Situation schon vor der offiziellen Absage entschieden, dieses Jahr beim Straßenfest auszusetzen. „Aber wir hoffen auf nächstes Jahr, wir sind ja gerne dabei“, stellt Winzer klar.

Mit ähnlichen Gedanken spielten auch die „Rhy Waggis“. „Der Aufwand wäre vermutlich sehr hoch gewesen und auch die ausgelassene Stimmung hätte sicher gefehlt“, meint Levante.

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