Weil am Rhein Mit einem „Volks-Brainstorming“

Insgesamt vier verschiedene Gruppen haben sich geführt zu Fuß auf den Weg durch Alt-Weil gemacht, um Anregungen vor Ort zu sammeln. Foto: Marco Fraune

Weil am Rhein - Die Altweiler haben sich am Mittwochabend im doppelten Sinn auf den Weg gemacht: Vier Gruppen sind durch den Ort gelaufen, um Defizite zu benennen und Ideen für Verbesserungen zu sammeln. Im Anschluss ging es an Thementische, um Stärken, Schwächen und Wünsche aufzulisten. Gleichzeitig ist damit der Weg hin zu einer Aufnahme in das Städtebauförderprogramm beschritten worden. Ob Alt-Weil den Zuschlag erhält und Zuschüsse fließen, ist noch offen.

Die Bürger in Alt-Weil schätzen den dörflichen Charakter ihres Ortsteils und wollen ihn erhalten, doch sie leiden auch unter der verkehrliche Belastung: Dieses Bild verfestigte sich bei den vier Rundgängen durch den Ort, an denen insgesamt mehr als 100 Interessierte teilnahmen. Die Führung übernahmen Experten der beauftragten Stadtentwicklungs GmbH (Steg) aus Freiburg sowie OB Wolfgang Dietz und Erster Bürgermeister Christoph Huber.

Am Oberbaselweg sollte Tempo 30 gelten, die Schleichwege im Ort genießen eine Wertschätzung und sollen eher noch verbessert werden, die Barrierefreiheit könnte insgesamt verbessert werden und die Strom-Oberleitungen entfernt sowie ein Flüsterbelag den alten Asphalt ersetzen – dies sind nur einige Anregungen, die beim Rundgang zur Sprache kamen und Eingang in die weitere Bearbeitung des Antrags für das Stadtsanierungsprogramm erhalten.

Ideen an Thementischen

An den fünf Thementischen ging es nach den Rundgängen um den motorisierten Verkehr, den ÖPNV, den Langsamverkehr, die Ortsbildgestaltung und den öffentlichen Raum, die Bausubstanz der Gebäude sowie um Grünflächen und Plätze. Die Anregungen reichten von einem Einbahnring Hauptstraße/Hinterdorfstraße, einem Stadtbus als Verbindung zur Kernstadt, Zebrastreifen und Fußgängerampeln, einem Radweg entlang der Hauptstraße, einem öffentlichen Treffpunkt über eine bessere Beschilderung für Touristen, mehr Bäume, eine Verbesserung der Nahversorgung, die Aufwertung von schäbig wirkenden Gebäuden bis zu einer natürlichen Entwicklung des Läublinparks und auch einer Aufwertung des Spielplatzes am Rümminger Weg.

Das weitere Prozedere

Was unter dem Stadtsanierungsprogramm zu verstehen ist, wer sich beteiligen kann, wie das weitere Prozedere ist und noch einiges mehr hatte OB Dietz vor den Rundgängen den Bürgern auf dem Platz vor dem Alten Rathaus gemeinsam mit Jasmin Rapphold, Projektleiterin Steg, geschildert. So geht es erst einmal darum, Mängel zu erkennen und Stärken zu verorten. „Dafür braucht es die Unterstützung der Bürger.“ Dies fließe dann in den Untersuchungsbericht ein, der an das Regierungspräsidium geschickt wird. „Je mehr Input wir bekommen, umso stärker können wir den Antrag formulieren“, setzte der OB auf das „Volks-Brainstorming“.

Schließlich gehe es darum, dass Finanzmittel aus dem Städtebaufördertopf nach Weil fließen, das in Konkurrenz mit zahllosen weiteren Kommunen steht. Energetische Sanierungen, Badsanierungen oder auch andere bauliche Maßnahmen seien für Private förderfähig. Dietz: „Es geht nicht darum, was die Stadt machen soll, sondern was die Bürger für ihren Bereich machen wollen.“

Ganzheitlich aufwerten

Sehr positiv bewertet schon einmal die Steg-Projektleiterin die Resonanz auf die Info-Veranstaltung unter freiem Himmel und später an Thementischen im Stapflehus und im benachbarten Waggisschopf. „Es geht darum, den Stadtteil ganzheitlich aufzuwerten“, was auch durchaus über zehn Jahre möglich sei.

Neben städtischen Maßnahmen zähle auch jede Einzelmaßnahe von Hauseigentümern. Ein direkter finanzieller Zuschuss oder indirekt über steuerliche Abschreibungen könnten die Bürger erhalten. Mindestens drei Gewerke müssen aber erfolgen, damit die Maßnahme förderfähig ist.

Der weitere Zeitplan

Voraussetzung ist die Bewilligung des Antrags, der sich derzeit in Arbeit befindet und im Oktober abgegeben werden soll, nachdem der Gemeinderat grünes Licht gegeben hat. Erst im Frühjahr nächsten Jahres erhält die Stadt den Bescheid, ob es klappt, da das Programm mehrfach überzeichnet ist. Keine Aussage konnte Rapphold machen, wie viel Geld womöglich in den nächsten Jahren nach Alt-Weil fließt. Jedes Jahr müssten wieder Mittel beantragt werden. „Wer nichts beantragt, bekommt aber auch nichts“, unterstrich der OB. Ohne vorherige Zusage dürften die Bürger jedoch nicht mit der Maßnahme beginnen. Die Stadt trete bei Bedarf etwas zurück, um Privaten eine Umsetzung zu ermöglichen.

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