Weil am Rhein Mit greifbarer Leidenschaft

Weiler Zeitung, 12.01.2018 17:25 Uhr

Die acht Teilnehmerinnen haben sich entlang der beiden Ballettstangen verteilt und bereits mit einigen Dehnübungen begonnen. Jetzt strömt Musik durch den Saal, und die Körper der Frauen biegen sich im Takt. Geschmeidig und elegant sieht das aus. Ballettmeister Detlef Hoppmann ist zufrieden, er schnippt mit den Fingern die betonten Taktteile mit. Leise kommen seine Kommandos auf Französisch.

Von Dorothee Philipp

Weil am Rhein. Seit 40 Jahren unterrichtet Hoppmann in Weil klassisches Ballett, seit 1987 in Zusammenarbeit mit den Volkshochschulen Weil am Rhein und Grenzach-Wyhlen. Seine Elevinnen und Eleven – manchmal ist auch ein Mann oder ein Junge mit dabei in den Kursen – sind zwischen fünf und 50 Jahre alt, manchmal auch älter. Sie wissen, was sie an ihrem Ballettmeister haben, kann er doch selbst auf eine beachtliche Karriere auf den großen Bühnen der Welt zurückblicken.

Karriere beginnt im Alter von sieben Jahren

Mit sieben Jahren begann Detlef Hoppmann am Kinderballett der Deutschen Oper in Berlin mit dem Tanzen. Mit 16 legte er die Tänzerprüfung ab, und mit 17 hatte er sein erstes Engagement an der Berliner Oper als damals jüngster Tänzer der Gruppe. Schon ein Jahr später wurde er als Halbsolist eingesetzt, was bedeutete, dass er neben den Gruppenparts Soloparts tanzen durfte. „Das war natürlich auch eine Frage der Gage“, erinnert er sich. Eine Spielzeit lang tanzte er als Gastsolist beim Royal Winnipeg Ballett in Kanada. Die entsprechenden Zeitungsartikel von damals überschlagen sich vor Lob für den jungen Tänzer aus Deutschland. Hoppmann war der „Blaue Vogel“ in „Dornröschen“, der Prinz in „Cinderella“, „Schwanensee“ und „Feuervogel“, hatte Solorollen in weiteren bekannten Balletts. Seine Tourneen und Gastspiele führten ihn um den ganzen Globus: Südamerika, Mexico, Nordafrika, naher Osten, Russland, Hongkong, Japan. Zwei Spielzeiten tanzte er bei den Bregenzer Festspielen.

Ende der Karriere ist Anfang der Ballettschule in Weil Am 2. November 1977 gründete Hoppmann die Ballettschule in Weil, denn die aktive Karriere eines Balletttänzers endet meist mit Ende 30, Anfang 40. Hoppmann hatte seine letzte Vorstellung als aktiver Tänzer 1990 als Ballettmeister und Solotänzer beim Schweizer Kammerballett Basel.

Dorthin war er gekommen, weil er in Berlin ein Gastspiel der Basler unter dem legendären Waslaw Orlikowsky gesehen hatte. „In dieser Kompanie müsste man tanzen“, war ein Wunsch erwacht. Nach dem Vortanzen dauerte es einige Zeit, bis eine Stelle frei wurde, dann war Hoppmann Mitglied des „Basler Ballettwunders“, zu dem Orlikowsky die Sparte am Basler Theater mit seinen spektakulären, an der klassischen Moderne orientierten Choreografien gemacht hatte. Zu Orlikowskys Nachfolger, seinem ehemaligen Tänzerkollegen Heinz Spoerli, fand Hoppmann keinen rechten Zugang. Die Chemie habe nicht mehr gestimmt, berichtet er. Die Ballettschule entwickelte sich zu einem Dauerbrenner.

„Ein Leben lang

Ballettmeister“

Jetzt ist Hoppmann 76. Denkt er da nicht ans Aufhören? „Ein Ballettmeister ist ein Leben lang Ballettmeister“, sagt er, „Ballett ist für mich die kreative Form, Kraft und Ästhetik künstlerisch auszudrücken“. Und Ballett sei etwas, das nicht nur für die Bühne gelernt wird, da sind sich auch die Teilnehmerinnen seiner Erwachsenenkurse einig. „Ich liebe diese Kombination aus Koordination und Konzentration“, sagt beispielsweise Anja, die keinen der Montagabende im Untergeschoss des Weiler Kant-Gymnasiums versäumt. „Und der Unterricht ist gut“.

Hoppmann macht keine Kompromisse, was die Qualität der Stunden angeht. Penibel werden im ersten Teil die Exercises durchgearbeitet, da gibt es keine Durchhänger. Bei den Erwachsenen gefällt ihm der Ernst und die Konzentration, mit denen sie bei der Sache sind. Viele kennt er schon jahrelang.

Liebesgeschichte endet

mit der Heirat

Barbara Wäldele, die Sängerin und Tänzerin, die unter anderem als „Katze Victoria“ im Hamburger Musical „Cats“ Fachwelt und Publikum bezaubert hat, war zwölf Jahre alt, als sie in Hoppmanns Ballettstudio kam. 1985 begann eine Liebesgeschichte, die vor zwölf Jahren zur Heirat der beiden führte. Als Barbara Wäldele im Jahr 2000 den Markgräfler Kunstpreis der Sparkassenstiftung erhielt, fragte man Hoppmann, ob er die Laudatio halten wolle. „Auf einmal hatte ich Lampenfieber“, erinnert er sich. „Vor 4000 Leuten tanzen ist für mich kein Problem, aber vor hundert Leuten sprechen schon“. Natürlich habe er das seiner damaligen Freundin zuliebe schon gerne gemacht und auch extra dafür einen Smoking angezogen.

Weiter Kontakt zu alten Kollegen

Und hat er heute noch Kontakt zu ehemaligen Berufskollegen? „Wir treffen uns alle zwei Jahre am 1. Mai in Basel am Tinguely-Brunnen, wo das alte Stadttheater gestanden hat“, sagt er. „In diesem Jahr waren es 40 Leute aus der Orlikowsky-Ära, auch die Garderobieren und Fans von damals. Sie kamen von überall her, aus Wien, Koblenz, Bremen“.

 
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