Weil am Rhein Mit Optimismus trotzen fünf Bierfreunde der Krise

Beim Brauen ist Geduld gefragt. Foto: Marco Fraune

Weil am Rhein -  Im Friedlinger Kesselhaus entsteht seit dem Herbst vergangenen Jahres auch Bier mit einer besonderen Note: Die dort ansässige Brauerei hat sich auf handgemachte Craft-Biere aus biologischen Zutaten spezialisiert. Betrieben wird sie von fünf nebenberuflichen Bier-Enthusiasten, die durch die Corona-Krise kurzzeitig ausgebremst wurden.

Restaurants halten Treue

„Es wäre übertrieben, zu sagen, dass das Schlimmste bereits hinter uns liegt“, macht Siegfried Jülich-Tondini im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich. Aber: „Wir brauen weiter, und jene Restaurants, die uns schon vor Corona zugesagt haben, unsere Biere in ihr Sortiment aufzunehmen, halten uns auch weiter die Treue.“ Die fünf Kesselhaus-Brauer, zu denen neben Jülich-Tondini auch Michael Feldges, Christian Werner, Peter Gerst und Thomas Bromma gehören, würden ihre Lage also grundsätzlich als positiv bewerten.

Einige Interessenten

Zumal das Start-Up Anfragen aus verschiedenen Bereichen erhält. Ein Bierversand aus Freiburg hat bereits sein Interesse an dem Craft-Bier „Made in Weil am Rhein“ bekundet. Die Bieretiketten, die in Zusammenarbeit mit regionalen Künstlern gestaltet werden, finden ebenfalls guten Anklang. Auch die samstäglich angebotenen Brauerei-Besichtigungen finden ein kleines, aber treues Publikum. „Es ist kein Besucherstrom, aber Einzelne schauen immer wieder bei uns vorbei und sind bereits zu Stammkunden geworden“, freut sich Jülich-Tondini.

Transparenz ist wichtig

Beim Blick hinter die Kulissen zeigen die fünf Brauer neben ihren Gerätschaften im früheren Atelier des verstorbenen Künstlers Paul Kochka-Thevenet auch den darunterliegenden Kühlkeller. Transparenz ist ihnen wichtig, jeder Kunde soll auf Wunsch den Entstehungsprozess des Bieres nachverfolgen können. Auch bei den Zutaten legen Jülich-Tondini und seine Mitstreiter Wert auf höchste Qualität, was zur Folge hat, dass das im Kesselhaus gebraute Bier im oberen Preissegment anzusiedeln ist, zumal die produzierten Mengen nicht riesig sind.

Dafür gibt es Platz für Experimente. „Eine Gaststätte hat bei uns wegen eines Kirschbieres nachgefragt, und wir haben jetzt zehn Testbiere angesetzt“, berichtet Jülich-Tondini. Es sei vorstellbar, dass man das Kirschbier als saisonales Produkt anbiete.

Gerade in Corona-Zeiten sei es ein Vorteil für die fünf Bier-Enthusiasten, dass sie nicht auf die Verdienste der Brauerei angewiesen sind. „Wir machen das alle nebenberuflich“, schildert Jülich-Tondini die Ausgangslage. Allerdings müssen auch die Rohstoffe sowie die Miete bezahlt werden, von der Zeit, die jeder der fünf in das Brauen und die dazugehörige Verwaltungsarbeit steckt, ganz zu schweigen. „Wir wollen mittelfristig etwas Geld verdienen, auch wenn vermutlich keiner von uns reich werden wird“, sagt Jülich-Tondini schmunzelnd.  Weitere Informationen gibt es unter www.brauereiimkesselhaus.de.

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