Weil am Rhein Mit „Vielfalt und Rückgrat“

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Josha Frey (Bildmitte) schaute als Mitglied des Arbeitskreises Soziales und Integration im Friedlinger Mehrgenerationenhaus vorbei. Foto: Adrian Steineck Foto: Weiler Zeitung

Von Adrian Steineck

Weil am Rhein. Der heimische Landtagsabgeordnete Josha Frey (Grüne) hat als Mitglied des Arbeitskreises Soziales und Integration der grünen Landtagsfraktion mehrere soziale Einrichtungen im Landkreis Lörrach besucht. Gestern Nachmittag schaute er im Mehrgenerationenhaus O.M.A. vorbei und erhielt Einblicke in das Potenzial von Friedlingen, wobei auch die Probleme nicht verschwiegen wurden.

Frey, der gemeinsam mit anderen Vertretern des Arbeitskreises den Landkreis bereiste, bescheinigte dem Weiler Stadtteil eine sehr gute gelebte Zivilcourage. „Friedlingen steht für Vielfalt und Rückgrat“, sagte der Grünen-Politiker mit Blick auf ausländerfeindliche Umtriebe, denen in den vergangenen Jahren stets entschieden begegnet worden sei. „Friedlingen ist lebendig und dynamisch“, machte auch Michael Schmitt-Mittermeier, Geschäftsführer des Diakonischen Werks im Landkreis Lörrach und damit auch „Hausherr“ des Mehrgenerationenhauses, deutlich.

Konzept hat Fahrt aufgenommen

Volker Hentschel vom Diakonischen Werk legte dar, dass das Konzept des im Jahr 2006 begründeten Mehrgenerationenhauses in den vergangenen Jahren Fahrt aufgenommen habe. Ob mit der Gründung des heute rund 110 Mitglieder zählenden Stadtteilvereins im Jahr 2014, in dem Hentschel selbst als zweiter Vorsitzender aktiv ist, oder mit der bereits Anfang der 1990er-Jahre ins Leben gerufenen Stadtteilrunde: „Das Interesse am zivilgesellschaftlichen Engagement wird in Friedlingen durch niederschwellige Angebote gefördert“, sagte er.

Für manche Anstöße, wie etwa das Quartiersmanagement, brauche es allerdings einen langen Atem. Dass Friedlingen ein solches Quartiersmanagement erhalten soll, dass bei der städtischen Wohnbau angegliedert ist, hat der Kultur-, Sport- und Verwaltungsausschuss im September nach jahrelanger Vorarbeit beschlossen.

Hentschel ging auch auf die zahlreichen Veranstaltungen ein, welche der Stadtteilverein auf die Beine stellt. Beispielhaft nannte er das jährliche Stadtteilfest „Miteinander“, das sich wachsender Beliebtheit erfreue.

UFW-Stadtrat Andreas Rühle legte dar, dass er sich als einziges in Friedlingen wohnendes Mitglied des Gemeinderats doch keineswegs alleingelassen fühle. „Friedlingen hat zwar gefühlt von jeher einen schlechten Ruf, aber es ist ein Zuzugsgebiet, und die Menschen, die hierherkommen, nehmen den Stadtteil ganz anders wahr“, zeigte er sich überzeugt. Die afghanische Pädagogin Nilufar Hamidi bestätigte Rühles Einschätzung und schilderte die positiven Erfahrungen beim internationalen Frauencafé, wo ein reger Austausch gepflegt werde. Auch beim Musiktreff für Frauen würden Besucher „von null bis 90 Jahren“ ins Mehrgenerationenhaus kommen und sich zwanglos amüsieren.

Dass es in Friedlingen mit seinem hohen Anteil an Migranten – an der Rheinschule etwa liege der Anteil an Migranten laut Rühle bei mehr als 90 Prozent – leicht sei, sich in einer Parallelwelt einzurichten, wurde ebenfalls nicht verschwiegen. „Es gibt Menschen, die seit 20 Jahren oder länger hier leben und praktisch kein Wort Deutsch sprechen“, sagte Manfred Grupp vom Stadtteilverein. Daher gelte es, auch Sprach- und Integrationskurse weiter zu fördern.

Frey und Thomas Poreski, der Vorsitzende des Arbeitskreises Soziales und Integration, zeigten sich von dem Gehörten sichtlich beeindruckt.

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