Weil am Rhein Mit wenigen Mitteln mehr Schutz für Großvögel

Mit einem gebrochenen Flügel musste der Schwan nach der Kollision mit der Dreiländerbrücke zum Tierarzt. Foto: zVg Foto: Weiler Zeitung

Weil am Rhein (jas). „Das war schon der dritte Fall“, sagt Carmen Weitzel. Wieder hat die Vorsitzende des Schwanenschutz-Komitees Hochrhein einen schwer verletzten Schwan retten müssen, der gegen die Stahlseile der Dreiländerbrücke geflogen war und sich dabei einen Flügelbruch zugezogen hatte. Der Grund: „Schwäne sehen mit ihren leicht seitlich angeordneten Augen ein Hindernis erst in allerletzter Minute, wenn sie unmittelbar davor stehen“, sagt die Expertin. Zumal die Vögel mit Geschwindigkeiten von 50 bis 60 Kilometern pro Stunde unterwegs seien. Es gebe aber durchaus Möglichkeiten, solches Tierleiden zu verhindern.

Am vorigen Freitag wurde Carmen Weitzel von ihrer Stellvertreterin, der in Weil am Rhein wohnenden Sandra Ruprecht, alarmiert. Passanten hatten gesehen, wie das ausgewachsene Tier vom Hüninger Maissilo auf der französischen Seite über den Rhein geflogen kam, gegen die Seile der Brücke rauschte und auf die Brücke stürzte. Die Fußgänger riefen daraufhin den Weiler Tierschutzverein an, der mit den Frauen des Schwanenschutz-Komitees Kontakt aufnahm.

Carmen Weitzel fuhr von ihrem Wohnort in Rheinfelden an die Dreiländerbrücke. In der Zwischenzeit hatte die Freiwillige Feuerwehr Hüningen gemeinsam mit einem Vertreter des Weiler Tierschutzvereins versucht, den verletzten Vogel einzufangen – vergebens. Das Tier sei mit seinem hängenden Flügel auf der Brücke in Richtung Frankreich gelaufen und habe sich ins Wasser „gerettet“, erzählt Carmen Weitzel. Wenig später habe sie den verletzten Großvogel dann auf der deutschen Seite des Ufers aus dem Wasser ziehen können.

Bald darauf wurde das verletzte Tier von einer Tierärztin operiert. „Er hat die Operation gut überstanden“, freut sich Carmen Weitzel, die den Schwan nun zu Hause gesund pflegt, um ihn später in die Freiheit zu entlassen.

Dass solche Unfälle immer wieder vorkommen, müsste nach Ansicht der Schwanenexpertin nicht sein, wenn die Menschen, die den Lebensraum dieser und anderer Großvögel ohnehin durch starke Nutzung der Gewässer und ihrer Ufer immer stärker einschränken, einige wenige Fakten beim Brückenbau beachten würden. Zum Beispiel das Sehvermögen der Tiere. „Schwäne sehen am besten die Farben Weiß und Rot“, erläutert Weitzel. Weiß, weil die Artgenossen ebenso weiß seien und das weiße „Gegenüber“ auch ein Konkurrent sein könnte, und rot aus ganz ähnlichen Gründen, denn auch der Schnabelhöcker ausgewachsener Schwäne sei rot. „Deshalb sollten Hindernisse über Flüsse immer rot oder weiß signalisiert sein“, fordert die Gründerin des Schwanenschutz-Komitees. An der Dreiländerbrücke gebe es rot-weiße Signale nur an den Uferseiten, während an den Stäben der Bogenbrücke nur kleine Fähnchen hingen. Zu klein für die Schwäne, findet Carmen Weitzel. Eine Gefahr stellen die metallfarbenen Hindernisse vor allem für Durchzügler dar, denn die hier ansässigen Vögel würden mittlerweile die Hindernisse besser kennen.

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