Von Veronika Zettler

Weil am Rhein. Für Guy King war es am Dienstagabend das zweite Konzert hierzulande. Deutschland-Premiere hatte er am Abend zuvor im Gasthof Waldhaus in Schweigmatt gefeiert. Seine französischen Kollegen dagegen kennen die Gegend bereits: Cédric Le Goff am Stagepiano, Antoine Escalier (Bass) und Fabrice Bessouat (Schlagzeug) spielten im Herbst mit Bluesröhre JJ Thames unter anderem in Fahrnau, Murg und Weil am Rhein.

Das Soulbag Magazine nennt Guy King einen der „größten zeitgenössischen Blues-Musiker“. Seine Vita liest sich indes nicht unbedingt wie die eines klassischen Bluesers. In Israel geboren und aufgewachsen, verliebte er sich 16-jährig während eines Schulchor-Aufenthalts in die USA. Nach dem Militärdienst kehrte er dorthin zurück, spielte unter anderem in der Band des großen Willie Kent, machte Chicago zur Wahlheimat. Gleichwohl blieb das Reisen – geografisch wie musikalisch – wichtigster Impulsgeber für ihn: Überwiegend als Autodidakt saugte er Klassik, Jazz, Soul, Rock und Pop in sich auf und verwob diese Einflüsse mit dem, was ihn schon in der Kindheit am meisten faszinierte: Blues.

Im Kesselhaus stellte Guy King unter anderem Stücke seiner vierten und jüngsten CD mit dem Titel „Truth“ vor, entstanden in Zusammenarbeit mit Koryphäen wie David Ritz und Dick Shurman, zudem nominiert für den Blues Music Award 2017. Es wurde ein mitreißendes Konzert, das mit mehreren Zugaben endete.

Vom ersten Stück an, B.B. Kings „Bad Case Of Love“, ließ sich das Publikum von der spielfreudigen Band immer wieder zum Mitklatschen und Mitsingen animieren. Ebenfalls ab dem ersten Stück quittierten die Zuhörer Guy Kings zahlreiche exzellente Soloeinlagen mit Zwischenapplaus.

Im Laufe des Abends überzeugte der Gitarrist als moderner Meister und Liebhaber der dynamisch-dramatischen Steigerung. Seine überaus elegante Technik, die mal die warmen Klangfarben der Gibson auslotete, mal mit funkigen Einschlägen im Stil von Johnny Guitar Watson davongaloppierte, mündete immer wieder in exzessive Licks und Riffs, die denn auch einen Saitenwechsel erforderlich machten.

Kings ausdrucksstarke, kraftvolle Stimme tat ein Übriges. Den Part der Background-Sängerinnen, die auf der CD zu hören sind, übernahmen beim Konzert übrigens die Mitmusiker.

Logisch: Guy King erweist nicht nur namentlich, sondern auch technisch-spielerisch den drei großen Kings – B.B, Freddy und Albert – seine Referenz. Zum Glanzlicht geriet die Hommage an eine weitere Ikone, die ihn nach eigenem Bekunden schon in jungen Jahren schwer beeindruckte. Ray Charles und seine Version von „Georgia On My Mind“. Und auch die soulige Ballade „My Happiness“, die Guy King beflügelt von „some happy thoughts“ und „in nur zehn Minuten“ für eine soeben kennengelernte Frau schrieb, kam an. „Heute sind wir verheiratet und haben eine neun Monate alte Tochter“, verriet er – und bekam abermals Applaus.

„Die technische Exzellenz, aber auch das Vermögen, typisches Blues-Feeling rüberzubringen“, hatten Klaus Deuss und Rolf Pessel vom Verein „Jazz und Blues Südbaden Exbluesive“ eingangs hervorgehoben – genau diese beiden Faktoren hinterließen beim Publikum Eindruck.