Weil am Rhein Mögliche Vorteile richtig nutzen

Steuerberater Johannes Müller (r.) und der Rechtsanwalt und Fachanwalt für Erbrecht, Björn Tesche, informierten. Foto: zVg

Weil am Rhein - Der zweite Vortrag der WWT-Reihe „Info Kompakt“ ist auf große Resonanz gestoßen. Die Reihen im Theater am Mühlenrain waren komplett besetzt. Thematisch ging es um das Thema „Übertragung von Privatvermögen wie Immobilien- beziehungsweise Kapitalvermögen oder betrieblichem Vermögen unter Nießbrauchvorbehalt“.

Steuerberater Johannes Müller und Rechtsanwalt und Fachanwalt für Erbrecht Björn Tesche sprachen rund zwei Stunden lang über die steuerlichen und rechtlichen Aspekte des Nießbrauchs. Und dabei gab es eine ganz klare Erkenntnis, wie es im Nachgang in einer Mitteilung heißt: Nießbrauch ist nicht gleich Nießbrauch.

Bei der Übergabe von Immobilien kann sich der Übergeber den Nießbrauch und damit die Fruchtziehung vorbehalten: Das kann zum Beispiel eine Eigennutzung sein oder auch Einkünfte aus Vermietung. Damit größere Instandhaltungsmaßnahmen von den Einkünften abgesetzt werden können, sollte bereits im Übergabevertrag vereinbart werden, dass der Übergeber auch solche Kosten zu tragen hat, hieß es beim Vortrag. Bei der Schenkungssteuer wird der vorbehaltene Nießbrauch als Gegenleistung berücksichtigt, er mindert also den Schenkungswert und damit auch die Schenkungssteuer. Je früher die Übergabe erfolgt, also je länger die statistische Lebenserwartung des Übergebers bei der Übergabe ist, desto größer der steuerliche Effekt, so Steuerberater Müller.

Beim Zuwendungsnießbrauch verhält es sich genau anders herum: Das Vermögen bleibt und das Recht auf Fruchtziehung, also die Erträge werden übertragen. So können etwa Einkünfte auf Familienmitglieder mit einer geringeren einkommensteuerlichen Progression verlagert werden.

Rechtsanwalt Tesche informierte über die Absicherung des Nießbrauchs im Grundbuch sowie über die gesetzlichen und vertraglichen Rückforderungsrechte und deren Absicherung, um das Familienvermögen vor unerwarteten Entwicklungen zu schützen wie Insolvenz, Scheidung oder dass der Übernehmer vor dem Übergeber stirbt. Darüber hinaus sind erb- und pflichtteilsrechtliche Punkte zu beachten.

Die Übergabe ist laut Tesche neben den rechtlichen Aspekten auch stets ein emotionales Thema, das nicht zu unterschätzen sei. Denn die Substanz, beispielsweise die Immobilie ist erst einmal „weg“ und die Verfügungsmacht ist ebenfalls nicht mehr da. Umschichtungen sind dann nur noch unter Mitwirkung des Beschenkten möglich. In manchen Fällen bieten sich daher statt einem Nießbrauch Alternativen an, etwa gesellschaftsrechtliche Lösungen.

Fazit beider Referenten: Der Nießbrauch bietet hohe steuerliche Vorteile, jedoch sollte der Gestaltung eine fundierte steuerliche und rechtliche Beratung vorausgehen.

Nach den Vorträgen beantworteten die Referenten die Fragen aus dem Publikum. Der Abend klang nach einem Apéro aus. Die Eintrittsgelder kommen der Bürgerstiftung Weil am Rhein zu Gute. Aufgrund der großen Resonanz sucht die WWT nach einem Wiederholungstermin nach den Sommerferien.

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