Weil am Rhein Stadt bürgt für Laguna-Kredit

Auf unbestimmte Zeit zu: Der Badespaß kann im Laguna weiterhin nicht geboten werden. Foto: zVg/Thomas Dix

Weil am Rhein - Das Laguna ist seit März geschlossen und bleibt es auch weiterhin. Weil damit keine Erlöse erzielt werden, muss Geschäftsführer Carl-Stephan Matti einen Kredit aufnehmen. Der Gemeinderat hat in nicht-öffentlicher Sitzung einer Bürgschaftsübernahme für die GmbH für das vierte Quartal zugestimmt, damit 750 000 Euro aufgenommen werden können.

Es ist kein Geld mehr in der Kasse, womit ein Kredit erforderlich wird, schildert Matti im Gespräch mit unserer Zeitung die aktuell triste wirtschaftliche Situation der städtischen Tochtergesellschaft. Zwar konnte der finanzielle Bedarf für das Bad von normalerweise 20 000 Euro auf 7000 Euro täglich gedrückt werden. Doch: „Wir sind auf Hilfe von außen angewiesen.“

Daher sei er sehr dankbar, dass die „Mutter“, also die Stadt, der Gesellschaft mit der Bürgschaft den Rücken stärkt. Weder vom Land noch vom Bund sei Geld beim Laguna angekommen. „Wir passen nicht unter den Rettungsschirm.“ Die liquiden Mittel seien aber schon im April aufgebraucht gewesen.

Tilgung ausgesetzt

Die laufende Tilgung und Zinszahlung habe die GmbH zumindest aussetzen können. Täglich 6500 Euro werden normalerweise fällig, wobei diese Summe aus der 2012/13 erfolgten Sanierung stammt, als man 20 Millionen Euro aufnehmen musste, um das Bad in Schuss zu bringen.

Zumindest befinde sich das Laguna auch in einem bislang noch nicht da gewesenen sehr guten Zustand, womit für nächstes Jahr keine Investitionen anstehen. „Diesen Druck haben wir nicht auf dem Rücken.“

Mitarbeiter wandern ab

Von den 106 Mitarbeitern, die vor der coronabedingten Schließung im März noch in dem Freizeitbad tätig waren, sind nur noch 77 Mitarbeiter beschäftigt. Aufgrund der mit der Kurzarbeit verbundenen deutlichen Einbußen beim Einkommen hätten mehrere Beschäftigte sich einen anderen Job gesucht, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können, weiß Matti. Er hofft zugleich auf Rückkehrer, wenn das Bad wiederöffnen wird.

Und auf eine Wiederaufnahme des Betriebs bereite man sich vor. Einen Termin gibt es aber nicht. Solange sich die maßgebende Corona-Bäderverordnung nicht ändert, bleibt das Bad zu. Selbst bei einer Wiedereröffnung würden sicherlich nicht 550 000 Jahresgäste unterm Strich stehen, sondern der Geschäftsführer rechnet dann erst einmal mit einem abgespeckten Angebot.

Kein Spaß im Bad

Der Spaß steht im Laguna an oberster Stelle. Doch dieser sei unter den gegebenen Bedingungen nicht möglich. Es fängt an mit der Registrierung, die Gäste dürften nicht duschen, Aufgüsse wären ebenso verboten wie Dampfbäder und vor der Sauna müsste eine extra Dusche aufgebaut werden, und wer auf Toilette gehen will, müsste sich vorher an- und danach abmelden, führt Matti einige Hemmnisse an. „Das passt mit unserer Philosophie nicht zusammen. Das ist nicht unsere Zielsetzung“, könne Spaß und Freude nicht gewährleistet werden.

Zugleich sind die potenziellen Badegäste in diesen Coronazeiten auch in Weil am Rhein vorsichtig unterwegs, womit massive Erlösverluste selbst bei einer Wiedereröffnung von Seiten der Geschäftsführung einkalkuliert werden. Solch begrenzte Besucherzahlen wie in der Nachbarstadt Lörrach kann sich Matti für Weil am Rhein nicht vorstellen, wo üblicherweise bis zu 4000 Gäste täglich kommen. „Wir sehen es nicht ein, das Bad für 100 bis 150 Personen zu öffnen.“ Weder seien die Anforderungen umsetzbar noch würden die Rahmenbedingungen passen, da auch Umkleideräume nicht groß genug sind. „Da geht der Spaß verloren.“

Blick in die Zukunft

Wichtig sei aber, für die Zukunft zu planen und den Mitarbeitern auch eine Perspektive aufzuzeigen. Daher sehe das Team die Bürgschaftszusage auch als Ansporn. Schließlich gebe es Beschäftigte, die schon seit einem Vierteljahrhundert im Bad tätig sind. Weiterhin wolle die Gesellschaft ein verlässlicher und fairer Arbeitgeber sein, und der Geschäftsführer will den Kontakt zu den Mitarbeitern eng halten.

Nach der Schließung im März habe jeder gedacht, dass in einigen wenigen Wochen das Laguna wieder öffnen kann. Matti: „Jetzt sind wir realistischer geworden.“ Nun werde von Quartal zu Quartal geblickt. So soll auch die Kreditaufnahme erfolgen. „Quartalsweise holen wir uns Geld“. Doch dieses müsse später auch wieder erwirtschaftet werden – „in kleinen Schritten“.

Verordnung „superscharf“

Die Verordnung sei noch „superscharf“, stört sich der Geschäftsführer in der Form, dass er sich wünschen würde, die Verantwortung mehr in die Hände der Bürger zu legen. Doch klar sei aktuell: „Wenn die Verordnung angewendet wird, wird sie bei uns angewendet.“

Und bei den Badegästen stoße man zu 99,9 Prozent auf Zustimmung, da sowohl der finanzielle als auch der gesundheitliche Aspekt Beachtung finde. Alle würden aber gerne wieder arbeiten, so Matti: „Jetzt müssen wir mit der Situation klar kommen und stellen uns der Aufgabe.“

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