Weil am Rhein Naturschutz in der Praxis erleben

Vorsitzender Armin Wikmann (rechts) und sein Stellvertreter Johannes Meyer führen den Streuobst-Klassenzimmer-Verein. Foto: Saskia Scherer

Das Streuobst-Klassenzimmer am Tüllinger Berg hat sich bereits fest als Ort der Umweltbildung etabliert – und wird weiter ausgebaut. Mit der Gründung eines eigenen Vereins ist nun ein weiterer Schritt gegangen worden. Vorsitzender Armin Wikmann und sein Stellvertreter Johannes Meyer informierten gestern vor Ort.

Weil am Rhein. Mit der Vereinsgründung soll die Zukunft des Streuobst-Klassenzimmers gesichert und die praktizierte Erhaltung, Schaffung und Vernetzung auf feste Füße gestellt werden. Alle Gründungsmitglieder haben einen praktischen Bezug zum Natur- und Artenschutz. Neben Armin Wikmann und seiner Frau Andrea, selbst begeisterte Naturgärtnerin, sind das Biologe Johannes Meyer aus Basel, Biologe Achim Müller aus Haltingen und Lehrer Matthias Stoltz aus Alt-Weil. Aber auch Umweltwissenschaftler Hannes Röske aus Freiburg und Raphael Böhm, Ranger im Landschaftspark Wiese, engagieren sich genauso wie Landwirt Trautwein Bachthaler und Winzer Johannes Schneider.

Zweck des Vereins

Zweck des Vereins ist die Förderung von Bildung und Erziehung, des Umwelt- und Landschaftsschutzes, der Heimatpflege und Heimatkunde sowie der Pflanzenzucht und der Kleingärtnerei. Umwelt- und Naturschutzbildung werden verwirklicht durch praktische Wissensvermittlung im Freien, verbunden mit sinnlichen Wahrnehmungen und aktivem Erleben für alle Schul- und Lehrbereiche, Vereine und Interessensgruppen sowie durch Führungen und Workshops. Der Verein soll aber auch zum Ausbau eines Netzwerks für Natur und Umwelt in der Region beitragen.

Ausgangslage

Am Tüllinger Berg ist aufgrund der Badischen Realteilung eine mosaikartige, kleinräumige Kulturlandschaft aus Feldern, Kleingärten, Reben, Wald und Streuobstwiesen geschaffen worden. Die Artenvielfalt führte im Rahmen des Natura 2000-Programms zur Ausweisung als Flora-Fauna-Habitat und als wichtiges Vogelschutzgebiet.

Aber der steigende Druck durch Freizeit- und Erholungsaktivitäten sowie durch Verwilderung und Vernachlässigung der Gärten und Streuobstwiesen macht auch vor diesem Gebiet nicht halt. Vor drei Jahren stand eine besondere Streuobstwiese kurz vor der Zerstörung. Gemeinsam konnte dieses 20 Ar große Gelände mit ökologisch wertvollem, jedoch total verwildertem Baumbestand erworben und für den Naturschutz gesichert werden.

Umsetzung

Initiator Wikmann brachte unter Mithilfe des Landschaftserhaltungsverbands Lörrach, der Fachwartvereinigung Markgräflerland, des Trinationalen Umweltzentrums, dem Naturschutzbund und weiteren freiwilligen Helfern die Streuobstwiese wieder in einen guten Zustand.

Seitdem hat es viele Projekte gegeben. Zusammen mit Schulen aus der Umgebung wurden Jungbäume nachgepflanzt, Nisthilfen für Fledermäuse, Steinkäuze und andere Vogelarten angefertigt und angebracht, Lebensräume für Acker- und Erdhummeln geschaffen sowie an Streuobsttagen Landschaftspflege und Obstverwertung betrieben. Auf dem Gelände des Streuobst-Klassenzimmers sowie auf benachbarten Flächen wurden außerdem mit Hilfe einer Gewerbeschulklasse sowie Landwirten und Winzern zehn Amphibienhabitate für Gelbbauunken und Schlingnattern angelegt.

„Der Samen wurde zur richtige Zeit gesät“, meint Wikmann. Der Bedarf sei da, viele Interessierte hätten sich eingebracht. „Das war auch der Zünder.“ Der Kontakt zur Materie bringe den Menschen unheimlich viel, ergänzt Meyer. „Sie sehen dann auch, dass kleine Eingriffe bereits eine Reaktion zur Folge haben. Das ist ein Erlebnis für sich. Man muss in die Praxis.“

In den vergangenen Wochen fanden auch bereits Lehrerfortbildungen vor Ort statt. „Das sind genau die Multiplikatoren, die wir brauchen“, erklärt Wikmann. „Da kamen auch tolle Fragen auf. Die Umweltbildung kommt immer mehr.“ Die Dinge selbst zu sehen sei auch ganz anders als eine Abbildung im Buch, meint Meyer. „Das sind Auszeiten, da nehmen die Kinder richtig was mit“, ergänzt Wikmann. „Es ist ein außerschulischer Lernort.“ Das Streuobst-Klassenzimmer sei dabei aber nicht nur auf einen Ort reduziert. Meyer besitzt etwa eine Blütenwiese. „Das ist eine ganz andere Art von Wiese“, betont Wikmann. Dort könne man ganz andere Dinge beobachten.

Nächste Schritte

Als nächstes Ziel ist eine größere Trockenmauer geplant, welche neben integrierten Nisthöhlen für den Wiedehopf auch Lebensraum für Eidechsen, Amphibien, Wildbienen und Kleinsäuger bietet. Des Weiteren sind auch extensiv bewirtschaftete Kleingärten im Fokus, dort könnten zusammen mit Schulklassen naturnahe Refugien geschaffen werden.

Eine Internetseite wird momentan aufgebaut. Dort soll neben aktuellen Beobachtungen auch ein Kalender mit Veranstaltungen im Natur-, Arten- und Umweltschutz zu finden sein. Erreichbar ist die Seite bereits unter www.streuobst-klassenzimmer.de. Dort finden sich auch Kontaktmöglichkeiten.

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