Weil am Rhein Neues Leben unter alten Dächern

Siegfried Feuchter

Neues Leben unter Shed-Dächern wird demnächst in der Südhalle des Kesselhauses in Friedlingen einkehren. Denn die ersten Mieter der unter Denkmalschutz stehenden Südhalle, deren Umbau und Neugestaltung derzeit noch in vollem Gange ist, werden im Januar einziehen. Auf der 1540 Quadratmeter großen Fläche werden insgesamt zehn Firmen und Dienstleistungsbetriebe unterschiedlicher Branchen Platz finden.

Von Siegfried Feuchter

Weil am Rhein. Dort, wo bis 2019 auf dem früheren Schwarzenbachgelände die TFL, ein Spezialist für Ledertechnik, 19 Jahre lang zuhause war, entstehen nun zehn Räume in der Größenordnung von 50 bis 400 Quadratmetern. „80 Prozent der Flächen und damit 1277 Quadratmeter haben wir vermietet“, sagt Peter Krause, Geschäftsführer der Weil am Rhein Wirtschaft und Tourismus GmbH (WWT) und städtischer Wirtschaftsförderer, im Gespräch mit unserer Zeitung. Kleinteilige Raumeinheiten seien am Markt gefragt.

Weil es nämlich nach dem Auszug der TFL schwierig war, für die gesamte Fläche einen Nachmieter zu finden, hatten sich WWT und Gemeinderat zu einem Umbau der Shedhalle Süd und einem neuen Konzept entschlossen. Und Krause sieht keine Schwierigkeiten, noch zwei Mieter für die letzten beiden kleinen Flächen zu finden. Dass sich seit dem Leerstand der Shedhalle die Vermietung der Räume etwas in die Länge zog, ist in erster Linie der Corona-Pandemie geschuldet.

WWT sorgt für den Grundausbau

Eine Besonderheit zeichnet den grundlegenden Um- und Ausbau aus, aus der die von der TFL eingezogenen Zwischengeschosse entfernt wurden: Die WWT sorgt für den Grundausbau in den hellen Räumen mit Fußbodenheizung, Brandschutzmaßnahmen und gemeinschaftlichen Sanitäranlagen. Allein der Brandschutz und die Elektrik dürften dabei mit gut 700 000 Euro zu Buche schlagen. In jedem Fall steht vor Ende der Bauarbeiten schon fest, dass das Kostenbudget für den kompletten Umbau eingehalten wird, freut sich der WWT-Geschäftsführer. „Die restlichen Maßnahmen müssen die Mieter übernehmen, die die Räume nach ihren Vorstellungen und Bedürfnissen einrichten können. Krause geht davon aus, dass dadurch nochmals gut eine Million Euro zusätzlich investiert wird. Bis spätestens Ende kommenden Jahres sollen alle Räume bezogen sein.

Die Südhalle des Kesselhausareals ist wie auch die Nordhalle an das Nahwärmenetz Friedlingen angeschlossen. Die Stadtwerke, die bekanntlich 4,4 Millionen Euro in das Nahwärme-Projekt Friedlingen investieren, werden zwei Gaskessel auf dem Kesselhausareal anschließen. Auch sind die baulichen Voraussetzungen geschaffen, dass die Betriebe die Möglichkeit haben, unter den drei Breitbandanbietern Telekom, Vodafone und Pyur zu wählen.

Räume mit einem besonderen Charme

Es entstehen lichtdurchflutete Räume auf dem ehemaligen Industrieareal Schwarzenbach mit seinem besonderen Charme. Sie bieten sich für Dienstleistungsbetriebe und Existenzgründer an. Zwar will der WWT-Geschäftsführer noch keine Namen von Mietern nennen, die längerfristige Verträge abschließen. In jedem Fall kommen alle aus der Region, zwei aus dem Raum Basel. Ein Architekt wird sich in der Südhalle ebenso niederlassen wie drei Fotografen in einem gemeinschaftlichen Fotostudio und ein Dienstleister für den Bereich Brandschutz. Hinzu kommt eine Firma aus der Kreativwirtschaft, und eine weitere widmet sich der Entwicklung und Produktion im Bereich des 3D-Drucks. Außerdem wird die bereits ansässige Tanzschule erweitern. „Es wird einen bunten Mix und eine Bereicherung für das Areal geben“, sagt Krause und fügt hinzu: „Das Kesselhaus bietet Gewerbeflächen in spannender Umgebung mit Kultur und einer zeitgemäßen Infrastruktur.“

Dies zeigt sich auch an der Nordhalle, die voll belegt ist. Zum einen gibt es auf einer 1000 Quadratmeter großen Mietfläche 21 Künstlerateliers, zum anderen sind weitere 21 Mieter auf einer 2900 Quadratmeter großen Fläche beheimatet. Hinzu kommen das Kulturcafé mit 255 Quadratmetern, das Kesselhaustheater mit 240 Quadratmetern, das Textilmuseum mit 177 Quadratmetern sowie 150 Quadratmeter große Proberäume, die von der Stadtjugendpflege, der Musikschule sowie von Privat genutzt werden. Die Wiederbelebung der früheren Industriebrache Kesselhausareal mit seinem besonderen Ambiente, darin sind sich die Verantwortlichen der Stadt einig, ist in jedem Fall zu einem Erfolgsmodell avanciert.

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