Weil am Rhein „Nicht viel besser“

Foto: Alisa Eßlinger Foto: Weiler Zeitung

Gut zwei Wochen ist es her, seit die temporäre Fußgängerzone auf der Hauptstraße zwischen Schiller- und Bühlstraße in eine Einbahnstraße umgewandelt worden ist. Zuvor hatten sich die Händler teilweise über Umsatzrückgänge beklagt. Wir haben uns in den Geschäften umgehört, ob durch die neue Regelung schon Veränderungen zu spüren sind.

Von Saskia Scherer

Weil am Rhein. „Seit die Einbahnstraßenregelung gilt, ist es auf jeden Fall um einiges besser“, freut sich Songül Arslan, Filialleiterin im Sanitätshaus Engelhard und Kocsis. „Am liebsten hätten wir aber, dass alles wieder normal ist“, stellt sie im Gespräch mit unserer Zeitung klar. Dennoch habe sich die Verbesserung sofort bemerkbar gemacht, als von der Fußgängerzone auf eine Einbahnstraße umgestellt wurde. „Das hat sehr viel ausgemacht. Wir hatten sehr viele Einbußen.“

Die Kunden hätten nicht mehr zum Geschäft fahren können, und gerade für Menschen mit Krücken oder Rollstuhlfahrer sei das schwierig. „Die Leute wussten nicht mehr, wie sie zu uns kommen sollen, oder die Parkplätze etwa beim Kaufring waren voll. Als die Fußgängerzone noch da war, haben wir sehr viel negatives Feedback im Laden erhalten.“ Nun seien die Kunden froh, dass das Sanitätshaus für sie wieder leichter erreichbar sei, berichtet Arslan.

Das „10 Finger Nagelstudio“ hatte gegenüber der Händlervereinigung „Weil-aktiv“ von einem Umsatzrückgang um 50 Prozent gesprochen, als die Haupstraße nicht befahren werden durfte. Dies habe sich auch noch nicht wieder eingependelt, so die Auskunft der Besitzerin Phi Phu Ha Phan. Seit die Einbahnstraßenregelung gilt, sei noch keine Verbesserung eingetreten. „Die Kunden sagen, es sei nicht wie früher und sie müssten zum Teil große Rundfahrten durch die Stadt machen.“ Das sei „nicht praktisch“.

„Nicht sehr viel besser“ stellt sich die Situation für das Café Saray dar, wie Geschäftsführer Ökkes Cimen berichtet. „Wir befinden uns am Anfang der Straße – wenn die Leute durchfahren, kommen sie eher nicht zurück. Auch, weil sie nicht einfach wenden können“, meint er. Etwas besser sei es schon mit der Einbahnstraße. „Als die Fußgängerzone eingeführt wurde, haben wir direkt vor der Tür sehr viel mitbekommen, auch wie die Autofahrer geflucht haben.“

Parkplätze fehlen

Das Café, das viele Anrufe aus der Schweiz erhalte, versuche seine Kunden zu informieren, dass mittlerweile eine Einbahnstraßenregelung gilt und dass ab dem 27. September wieder freie Fahrt sein soll. „Ich hoffe nicht, dass das hier beibehalten wird“, sagt der Geschäftsführer. Nach wie vor kämen weniger Kunden. „40 bis 50 Prozent unserer Gäste sind türkisch, sie fahren dann automatisch nach Friedlingen, weil sie wissen, dass sie dort parken können.“

„Schleppend“ läuft es im Modegeschäft Street One, wie Mitarbeiterin Sandra Amara erzählt. Das Hauptproblem sieht sie in den fehlenden Parkmöglichkeiten. „Wir verstehen nicht, dass diese abgesperrt sind.“ Die Einbahnstraße an sich halte sie für eine gute Regelung. „In der Woche, als diese eingeführt wurde, war auch wieder mehr Betrieb, weil geparkt werden konnte. Seit dies wieder mit Gittern und Schildern verwehrt wird, hat es wieder nachgelassen“, kritisiert sie das „Hin und Her“.

Weil am Rhein sei dadurch attraktiv gewesen, dass die Wege kurz waren und man vor der Tür parken konnte. „Wir haben auch Stammkunden, die nicht bummeln, sondern gezielt zu uns kommen wollen.“ Man könne doch Parkautomaten aufstellen, meint sie. „Der Platz zum Parken ist ja da.“

So seien noch immer Umsatzeinbußen zu verzeichnen. Die Corona-Krise mache sich ebenfalls weiterhin bemerkbar, die Kunden seien verhalten. „Es ist die falsche Zeit.“ Und zu allem Überfluss würden bereits die Herbst- und Winterkollektionen im Laden präsentiert – bei nun wieder sommerlichen Temperaturen. „Es ist mühsam“, sagt Amara.

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