Weil am Rhein „Noch genug zu verändern“

Rosa und Kornelius Kamerling sowie Tatjana Bollinger 2019 bei der Einweihung der Rampe am Kaufring (v.l.) Foto: Marco Fraune

Weil am Rhei  -  Menschen mit Behinderung sollen gleichgestellt sein. Der 5. Mai ist ein Protesttag, bei dem vor allem die Forderungen auf mehr Rechte unterstützt werden sollen. Anlässlich dieses Tages hat unsere Zeitung bei der Vorsitzenden der Rollifreunde, Rosa Kamerling, nachgefragt, wie es mit der Inklusion von Menschen mit Behinderungen in Weil am Rhein steht.

„Es ist schon einiges passiert, aber es gibt noch genug zu verändern“, sagt die Vorsitzende Kamerling. Immer wieder fällt ihr und ihrem Mann Kornelius Kamerling auf, dass die Behindertenparkplätze besetzt werden. Wenn man die Menschen darauf anspreche, kämen häufig unverschämte Reaktionen zurück, wie „Und fühlen Sie sich jetzt besser“ oder „Schön, dass Sie das gesagt haben“. Aber wegfahren, würden die wenigsten.

Mehr Kontrolle gewünscht

Oft wird auch entgegnet, dass Kamerlings doch das Ordnungsamt rufen sollen. „Es gibt nur zwei Ordnungsbeamte in Weil am Rhein. Und bis sie dann bei uns sind, sind die anderen bereits weggefahren.“ Rosa Kamerling findet, dass auf das Falschparken mehr geachtet werden sollte. Schließlich müsse sie sonst weiter weg parken oder warten, bis der Autobesitzer zurückkommt.

Ein Dauer-Problem stellt auch die Barrierefreiheit bei oftmals zu hohen Bordsteine und deren zu sporadischen Absenkungen dar. „Wenn ich den Weg nicht kenne und erst zu spät merke, dass ich nicht hinunterkomme, muss ich den ganzen Weg wieder zurückfahren“, erzählt Kamerling.

Straßen-Umbau nutzen

Unverständlich ist für das Ehepaar auch, dass bei einer Kabelverlegung nicht gleich auf die Probleme für Rollstuhlfahrer, Rollatoren und Kinderwagen geachtet werde. „Wenn ich sehe, wie viel gebaut wird, dann müsste doch auch etwas Geld für diese Maßnahmen da sein“, meint Kornelius Kamerling.

Hingegen sei die 20er-Zone in der Hauptstraße eine „Katastrophe“. „Ich kann nicht mit meinem Rollstuhl darüber fahren. Das gibt jedes Mal einen Schlag und zieht mir in den Rücken“, beschreibt Kamerling. Die Gehwege seien oft auch keine Alternative: „Viele sind uneben und kaputt.“ Außerdem müsste vermehrt auf Gullydeckel geachtet werden. Sobald diese zu hoch oder zu niedrig stehen, könnten diese schnell zu einer Hürde für jeden Rollstuhl oder Rollator werden.

Rampe ist ein Erfolg

Auf zu steile Rampen müsse man beim Befahren auch achten: „Mit einem Handrollstuhl würde ich nach vorne fliegen. Auch mit meinem Elektro-Rollstuhl muss ich davor abbremsen, damit ich nicht hängen bleibe.“ Dennoch hat sich die Vorsitzende über die Rampe am Kaufring gefreut. „Das war ein richtiger Erfolg für uns, als dies umgesetzt wurde.“ Denn bereits in den Anfängen der Rollifreunde hat sich Kamerling für eine Rampe eingesetzt. 2019 hatte sich dann der Wunsch erfüllt.

Eine weitere Freude brachte der Euroschlüssel an der Behindertentoilette am Landesgartenschau-Gelände. Denn früher wurde diese des Öfteren als Mülldeponie missbraucht. Außerdem befand sich das Schloss zuvor viel zu weit oben, sodass Rollstuhlfahrer gar nicht alleine die Türen öffnen konnten. „Jetzt haben sie ihn nach unten versetzt“, freut sich die Vorsitzende.

Toiletten fehlen

Positiv bemerkt Kornelius Kamerling auch, dass es im Marktkauf seit 2020 nun überall Euroschlüssel an den Behindertentoiletten gibt. „Es wurde sehr schnell umgesetzt, als wir das angesprochen hatten“, fügt Rosa Kamerling freudig hinzu.

Die Toiletten seien aber allgemein ein Problem in Weil am Rhein. Schließlich gibt es keine öffentliche Toilette im Stadtzentrum. Manche Gastronomen bieten zwar „Nette Toiletten“ an, die man auch ohne Verzehr nutzen kann. Doch in der Corona-Krise ist nun einmal nichts geöffnet. Allerdings hat nicht jedes Lokal eine behinderten-freundliche Toilette und wenn doch, dürfen nicht überall Rollstuhlfahrer rein, wie Kamerling aus Erfahrung weiß.

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