Weil am Rhein - Wenn Erich Hinze am Samstag sein bekanntes Radio- und Hifi-Fachgeschäft am Sparkassenplatz schließt, verliert Weil am Rhein ein weiteres Fachgeschäft. „Einmal aus Altersgründen, aber auch mit Blick auf die Marktentwicklung im Einzelhandel, den zunehmenden Verkauf im Internet“ habe er sich zu diesem Schritt entschlossen. Heute müsse ein Einzelhändler ein immer größeres Angebot vorhalten. Schon aus Platzgründen sei dies für einen Betrieb seiner Größe nicht zu stemmen.

1970 gestartet

Erich Hinze, der in Weil am Rhein geboren ist, machte bis 1957 nach der Schule eine Ausbildung beim Fernmeldeamt in Freiburg. Bei Radio- und Fernsehtechnik Schaub in Freiburg erlernte er in seiner zweiten Lehre den Beruf des Radio- und Fernsehtechnikers. 1966 legte Hinze die Meisterprüfung ab. Bei der Firma Katrein und Uher erweiterte er sein Wissen im Bereich Antennen- und Tonbandtechnik. Es folgte die Selbstständigkeit in einem kleinen Raum in der Hauptstraße 201. Bereits 1968 zog die Firma auf das Gelände hinter dem ehemaligen Bahnhofshotel, heute Insel.

Im November 1970 eröffnete Erich Hinze zusammen mit seiner Frau Heidi im Haus der Schwiegereltern an der Bühlstraße ein Ladengeschäft. Im Neubau am Sparkassenplatz ist das Fachgeschäft auf 180 Quadratmetern mit Werkstatt und Lagerräumen seit 1977 zu finden. Mit seiner Frau, die von Anfang an im Büro und im Verkauf mitarbeitete, hat Erich Hinze zwei Töchter, von denen eine, Birigit Hinze-Rauchfuss, seit 1986 im Geschäft mitarbeitet. Das sei eine große Entlastung gewesen, stellt Hinze fest.

Qualität und Service

Hinze, der von 1979 bis 2000 im Meisterprüfungsausschuss tätig war, bildete selbst seit seiner Geschäftsgründung 30 Lehrlinge aus. Zum Sortiment der Firma gehörten auch Antennen- und Empfangsanlagen jeder Größe, ein Angebot neben Fernsehern, Radio und Haushaltsgeräten. Qualität und Service zeichnete das Fachgeschäft über Jahrzehnte aus.

An einen Kunden erinnert er sich besonders. Dieser habe das Schild „Astra Service“ (das ist eine Satellitenanlage) im Schaufenster gelesen und daraufhin wollte er die Lampen an seinem Opel Astra gewechselt haben.

Politisch engagiert

Neben all der Arbeit im Geschäft engagierte sich Erich Hinze auch in der Kommunalpolitik stark. 15 Jahre lang war der Geschäftsmann CDU-Vorsitzender. Von 1974 bis 1989 brachte er sich auch im Weiler Gemeinderat ein. An der Entscheidung von Projekten wie der Zollanlage oder dem Laguna-Bau wirkte er mit. Und er ist einer der Väter des Jungen Forum, das 1994 gegründet wurde. Tochter Birgit war in der Folge bis 1999 Gemeinderätin und von 1999 bis 2004 im Kreistag.

Mehr Zeit

Jetzt freuen sich der Unternehmer und seine Frau „auf die Zeit danach“. Mit seinen Enkeln will er endlich das unternehmen, was aus Zeitgründen bislang nicht möglich gewesen ist.

Birgit Hinze-Rauchfuss sieht die anstehende Geschäftsaufgabe mit einem „lachenden und einem weinenden Auge“. Sie freut sich vor allem auf die Samstage, an denen sie künftig frei hat und auf die freie Zeit, die sie mit iihrer Familie verbringen kann.