Weil am Rhein Oechsle sehr gut, Menge gut

Arwen Stock

Mit Blick über das Dreiländereck hat diesmal die Rebbegehung der Stadt Weil am Rhein in Ötlingen stattgefunden. Die rund 20 Teilnehmer staunten, was Winzer Dieter Rösch zu berichten hatte. Ein Rundgang im für Ortsvorsteher Günther Kessler „höchsten und schönsten Stadtteil von Weil“.

Von Arwen Stock

Weil am Rhein-Ötlingen . Leise ist das Stimmengewirr hinter der Kirche zu hören. Noch einmal um die Ecke, dann tut sich ein fantastisches Panorama auf, Tische sind festlich gedeckt und Amtsträger, Gemeinde- und Ortschaftsräte sowie Winzer und Obleute gut gelaunt. Als Gastgeber begrüßt Ortsvorsteher Günther Kessler die Gäste, und auch der Erste Bürgermeister Rudolf Koger freut sich mit Bürgermeister Martin Gruner auf die „schöne Veranstaltung mit Tradition“. Die Tour durch die Reben übernimmt der Ötlinger Winzer Dieter Rösch vom Weingut Vinessli.

„Der Termin ist etwas unglücklich, weil unsere Weinberge schon fast leer sind“, bringt Rösch eingangs die Gäste zu Lachen. Drei Wochen früher haben er und seine Kollegen mit dem Herbsten begonnen. Dann geht’s die Stufen vom Kirchplatz runter in den Weinberg.

An der ersten Station zeigt er zwei Traubensorten am Stock: Cabernet Sauvignon und ein pilzresistenten Sauvignon-Rebe, die er vom Staatlichen Weinbauinstitut in Freiburg besorgt hat. „In den 1990er-Jahren ist es mit dem Klimawandel bei uns so richtig losgegangen“, berichtet er. „2003 war das erste richtig heiße Jahr.“ Seither beginnt die Weinlese tendenziell immer früher.

Ausgetreten sind die Sandsteinstufen, die es dann bergab geht. Am Wegrand ein „unaufgeräumtes Eck“, gespickt mit gepflanzten Rosmarin- und Fenchelstreuchern. Der Duft ist betörend und das Gestrüpp ein wichtiges Winterquartier, beispielsweise für Wildbienen. Über Stationen an „lockerbeerigen“ Spätburgundertrauben, die nicht so leicht zu Essig werden, über die Markgräfler Traditionsrebe Gutedel zu einem roten Gutedel geht die Tour weiter. Bürgermeister Gruner probiert Trauben rechts und links vom Wegesrand. Auch Hauptamtsleiterin Annette Huber und Ellen Nonnenmacher vom Rechts- und Ordnungsamt sind dabei.

Die Teilnehmer der Tour vor traumhafter Kulisse sind begeistert. Da kann selbst der Bericht von Winzer Rösch über die 300 weiblichen Nachkommen im Gelege der Kirschessigfliege die Stimmung nicht trüben. Nach einer Brachfläche zeigt Rösch ein Rebstück mit seinem Experiment: Die Stöcke dort hat er mit pilzresistenten „Johanniter“-Reben, einer Kreuzung aus Gutedel und Riesling, veredelt – den Wein aus diesen Trauben dürfen die Teilnehmer nach der Begehung beim Vesper kosten.

„Bis 2030 muss mindestens die Hälfte der Reben spritzmittelfrei sein“, berichtet der Winzer von der gesetzlichen Vorgabe. Er selbst arbeitet seit 30 Jahren mit pilzresistenten Sorten, stellt Zug um Zug seine Reben dahingehend um und ist überzeugt: „Die pilzresistenten Sorten sind so gut und geben sehr gute Weine.“

Ötlingens Ortsvorsteher Kessler lobt das Engagement des heimischen Winzers. Früher hat er auch Weinreben bewirtschaftet, die Flächen aber schon lange verpachtet. Sein Blick schweift, er zeigt auf die Kirchturmuhr in Ötlingen und freut sich: „Die Uhr läuft wieder.“

Auf dem Weg zurück zur Kirche stellt Susanne Engler, Gemeinderätin und Röschs Winzerkollegin aus Haltingen, eine besondere Form der Bewirtschaftung vor: In Kooperation mit einem Unternehmen pflegen und herbsten sie mit dem Firmenteam die Stöcke gemeinsam. „Es ist schön, Leute zu unserer Kultur zu bringen, die eigentlich etwas ganz anderes arbeiten“, sagt sie. Das Lesegut wird in der Genossenschaft der Haltinger Winzer gepresst und als eigene Edition abgefüllt.

An der letzten Station verweist Rösch noch einmal auf die Wichtigkeit der Begrünung der Reihen. Luzerne sammeln Stickstoff aus der Luft und geben diesen über die Wurzeln ins Erdreich ab. Dann bedankt er sich: Die Tour ist zu Ende – alle freuen sich auf Vesper und Wein.

Insgesamt ist Rösch mit dem Jahrgang 2022 sehr zufrieden: „Die Oechsle sind sehr gut, die Menge ist gut.“ Ötlingen blieb vom Hagel fast verschont: Es gab nur 30 Prozent Ausfall – im Gegensatz zu Haltingen und Weil, wo der Ausfall bei bis zu 80 Prozent liegt. Was das bedeutet, weiß der Winzer: „Die Arbeit ist trotzdem die gleiche.“

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